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Berliner Philharmoniker | "Late Night"

Schubert/Zenders Winterreise mit Christian Elsner und Simon Rattle



Bewertung:    



"Ein Werk wie die Winterreise ist eine Ikone unserer Musiktradition, eines der großen Meisterwerke Europas. Wird man ihm ganz gerecht, wenn man es nur in der heute üblichen Form – zwei Herren im Frack, Steinway, ein meist sehr großer Saal – darstellt?" (Hans Zender)

*

Hans Zenders Interpretation der Winterreise sucht nicht nach einer neuen expressiven Deutung, sondern versucht von den Freiheiten Gebrauch zu machen, welche Interpreten sich normalerweise bedienen: Dehnung bzw. Raffung des Tempos, Transposition in andere Tonarten, Herausarbeiten charakteristischer farblicher Nuancen. Sprünge innerhalb des Textes, Zeilen mehrfach zu wiederholen, die Kontinuität zu unterbrechen, verschiedene Lesarten der gleichen Stelle, sind Mittel, die ein Konzerterlebnis einzigartig werden lassen. Zenders Interpretation versucht darüber hinaus Schuberts Winterreise wieder etwas ihrer ursprünglichen Brisanz zurück zu gegeben, die sie ursprünglich für die Ohren der Zeitgenossen besaß. Schubert selbst sprach von einem "Zyklus schauerlicher Lieder". In den 24 Liedern geht es ausnahmslos um schmerzliche Erinnerungen.

Simon Rattle hat ein Ensemble aus Akademisten der Philharmoniker [= Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker] zusammengestellt. Toll war es, zu beobachten mit welcher Ernsthaftigkeit sich die jungen Musiker ans Werk machen. Es sind viele Solostellen, vor allem der Bläser zu bewältigen. Darüber hinaus wird die Schwierigkeit durch ständiges Herumwandern im Saal noch gesteigert. Christian Elsner, ein erfahrener und versierter Tenor, hat den Gesangspart übernommen. Musikalisch ist das eine gute Idee gewesen, auf den Geist der Aufführung wirkt es eher kontraproduktiv, da Elsner die 24 Lieder in einer sehr guten Qualität wenig pointiert heruntersingt. Das steht im starken Kontrast zu den ungestümer jungen Musikern, welche sich himmelhochjauchzend in die Tuttis werfen und die schon auch mal danebenfassen. Simon Rattle hat das Ganze gestaltend unter Kontrolle, man merkt ihm die Freude an, die es ihm macht, mit jungen Musikern zu arbeiten.

Neunzig Minuten werden dann doch etwas lang, das Publikum wird bei den letzten Liedern unruhig. Der Begeisterung um das inspirierende Programm der Late Night Veranstaltung tut das am Ende aber keinen Abbruch, viel Applaus im fast ausverkauften großen Saal der Philharmonie.



Christian Elsner - Foto (C) Anne Hoffmann | Bildquelle http://www.berliner-philharmoniker.de
Steffen Kühn - 1. Dezember 2014
ID 8285
BERLINER PHILHARMONIKER: "LATE NIGHT" (Philharmonie Berlin, 29.11.2014)
Hans Zender: Schuberts Winterreise – eine komponierte Interpretation
Christian Elsner, Tenor
Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker
Dirigent: Sir Simon Rattle


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de


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