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Konzertkritik

Musizieren wie im eigenen Wohnzimmer



Bewertung:    



Fast 700 Plätze fasst der Pierre Boulez Saal in seiner heutigen Bestuhlung. Ganz nah, ja eigentlich auf dem Podium, stehen die ersten Stuhlreihen. So nah kommt man den Musikern normalerweise nur, wenn man im eigenem Wohnzimmer musiziert. Genau das aber war die Idee, welche Daniel Barenboim und der amerikanische Architekt Frank Gehry hatten, als sie den Saal konzipierten:


"Frank Gehry’s Skizze mehrerer Ovale war der Ausgangspunkt für diesen sphärischen Raum, der eine vollständige 360 Grad Schleife vollzieht. Ein essenzielles Element des Raums ist die Nähe des Publikums zu den Musikern: Kein Hörer ist mehr als nur wenige Meter von den Künstlern entfernt. Das Publikum spürt unmittelbar, welche Energie beim Musizieren entsteht, eine ungewöhnlich starke Beziehung zu den Musikern entsteht." (Quelle: boulezsaal.de)


Die räumliche Nähe wird in dem von uns besuchten Konzert durch die geschwisterliche Verbindung von Carolin & Jörg Widmann noch gesteigert. Man spürt, dass die beiden bereits im Münchner Kinderzimmer zusammen musiziert haben. In Kontraste von Béla Bartók musizieren sie zusammen mit dem russischem Pianisten Denis Kozhukhin. Die drei Sätze des Stückes kontrastieren auf der Ebene des Klanges und des Ausdrucks. Klanglich sind die beiden Oberstimmen stark individualisiert: die Geigenstimme durch Akkordgriffe, Arpeggi, Flageolett, Pizzicato und Tremoli, die Klarinette durch Kantabilität und die volkstümliche Thematik. Nur an wenigen Stellen vereinigen sich Violine und Klarinette zu einer gemeinsamen Linie. Das Klavier ist perkussiver Klanggrund und Rückgrat der Komposition. Der Ausdruck folgt, wie man es von Bartók erwartet, charakteristischen Linien der ungarischen Folklore. „Verbunkos“ im 1. Satz ist als Werbetanz konzipiert; gestützt vom sattem Pianoklang verzaubern die Widmanns auf höchstem Niveau das Publikum. Auch im schnellen tänzerischem „Sebes“ behalten die ursprünglichen Volkscharaktere dieser Tänze ihre ungarische Autonomie. Kontraste stand an letzter Stelle des Programms und überdeckte durch die Expressivität und spannende Farbigkeit etwas seinen Rest. Carolin Widmann und Denis Kozhukhin eröffneten mit Schönbergs Fantasie für Violine und Klavierbegleitung den Abend. Sehr eigenständig agierte Widmann hier mit herrlich satten und schroffen Läufen. In der Mitte standen zwei Stücke von Carl Maria von Weber. Die gut 100 Jahre ältere Musik konnte sich gegen Schönberg und Bartók nicht so recht behaupten, narrative und sehr farbige Musik, die uns viel von der Ästhetik des 18. Jahrhunderts erzählte.
Steffen Kühn - 7. Mai 2017
ID 10020
PIERRE BOULEZ SAAL (05.05.2017)
Schönberg: Fantasie op. 47 für Violine und Klavier
Weber: Grand Duo concertant Es-Dur J 204 für Klarinette und Klavier
- Sonate Nr.3 d-moll op.49 für Klavier
Bartók: Kontraste Sz 111 für Klarinette, Violine und Klavier
Carolin Widmann, Violine
Jörg Widmann, Klarinette
Denis Kozhukhin, Klavier


Weitere Infos siehe auch: http://boulezsaal.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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