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Konzertkritik

Con Brio



Sir András Schiff bei der Staatskapelle Berlin | Foto (C) Thomas Bartilla

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Der Komponist Jörg Widmann (geb. 1973) entwickelt sich seit Jahren zum Liebling europäischer Konzerthäuser. Seine Kompositionen orientieren sich oft an klassischen Vorbildern, Mahler, Brahms und Beethoven werden gern genannt. Auf das heutige Publikum wirken sie gefällig, oft kann der geschulte Hörer Zitate aus dem klassischen Repertoire erkennen. Widmann dosiert seine Klangwirkungen so, dass man sich „gerade noch wohlfühlt“, nur Wenige ein Gefühl der Überforderung bekommen. Widmann leistet damit einen wichtigen Beitrag. Wo die sogenannte Avantgarde das Publikum aus den Konzerthäusern vertreibt, holt es Widmann wieder zurück. Widmann deswegen als Klangforscher zu bezeichnen (lt. Programmheft) schlägt allerdings fehl. Das Wesen eines Forschers ist, sich außerhalb des gängigen Kanons zu stellen, nicht Bekanntes und Erprobtes neu zuzusammen zu setzten. Die Konzertouvertüre Con brio wurde 2008 durch das Sonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons uraufgeführt. Beethovens Sinfonien 7 und 8 sind hier die Bezugspunkte. Die harmonische Struktur kontrastiert mit modernen Blastechniken und perkussiven Aktionen.

Für das 1926 entstandene Klavierkonzert Nr. 1 von Bélá Bartók hat sich die Staatskapelle Berlin einigen Luxus geleistet. Bartóks Landsmann Sir András Schiff sitzt am Klavier. Das Schlagzeug hat man doppelt besetzt. Die für die solistischen Aktionen notwendigen Schlagwerke im 2. Satz sitzen vorn neben dem Pult. Im ersten Satz brillieren die wunderbaren Bläser der Staatskapelle, sie sind für die Farben der Komposition verantwortlich, das Klavier setzt Bartók als Schlagwerk ein und setzt die rhythmischen Akzente. Im zweiten Satz übernehmen die kammermusikalisch agierenden Schlagwerke den Rhythmuspart. Schöne Idee mit toller Wirkung, die Schlagwerke dazu doppelt zu besetzen und vorn am Pult zu platzieren. Ohne Pause stürzt sich Barenboim in den 3. Satz und bereitet András Schiff eine tolle Bühne. Virtuos bewältigt András den rhythmisch komplexen Klavierpart, wird dafür frenetisch gefeiert und bedankt sich mit einer Zugabe von Franz Schubert.

Für Beethovens 3. Sinfonie braucht Daniel Barenboim keine Noten mehr, wie oft mag er diese wohl schon aufgeführt haben? Um die technischen Details braucht sich der Maestro nicht zu kümmern, seine Staatskapelle spielt mühelos. So fließt alle Kraft in den Ausdruck und in die große Form - alles fließt, wachgerüttelt wird man immer wieder von den betörend schön spielenden Bläsern der Staatskapelle. Insgesamt ein klassisches Programm im besten Sinne des Wortes. Klassisch fühlt man sich auch noch, wenn man über die große Freitreppe Schinkels von Deutschen und Französischen Dom eingerahmtes Schauspielhaus verlässt.
Steffen Kühn - 1. Juli 2016
ID 9412
STAATSKAPELLE BERLIN (Konzerthaus Berlin, 28.06.2016)
Jörg Widmann: Con brio
Béla Bartók: Klavierkonzert Nr. 1 Sz 83
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55, Eroica
András Schiff, Klavier
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Daniel Barenboim


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatskapelle-berlin.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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