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Konzertkritik

Sang und Klang

des Rheins



Bildmotiv: klangwelten.com

Bewertung:    



Es entspinnt sich eine einzigartige Romantik, während althergebrachte Klänge über die Gründe des Rheins treiben und zwischen den Performances Poesie vorgetragen wird. Trotz des vorhergesagten Gewitters regnete es am Rheinufer der Insel Grafenwerth in Bad Honnef am vergangenen Freitagabend doch nicht. Somit konnte das Konzert im umgebauen Bühnenschiff auf dem Rhein stattfinden, während das Publikum am Ufer den faszinierenden Klängen der Musik im Abendlicht lauschte. Rüdiger Oppermann, Initiator und Anchormann der jährlichen Weltmusik-Festivalreihe KlangWelten, erzählt zu Konzertbeginn über die von den beiden Weltkriegen geprägte Historie des Rheins. Der bekannte und 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Harfenist erläutert, wie und an welchen Orten er für sein Projekt Rheingold über Musiktraditionen in den Rheingegenden forschte.

Die klangliche Reise bringt den Konzertbesuchern daraufhin Rekonstruktionen der Eiszeit- und Völkerwanderungszeit-Musik, römische Originalwerke, Mittelalter-Stücke von St. Notger, Obrecht und Hildegard von Bingen, Folksongs, Jazz, Mischformen und Eigenkompositionen näher. Zwischen den Performances liest der Sprecher Sven Puchelt im leicht angestrengt proklamierenden Predigerton einen assoziativen, eigens für die Konzertreihe geschriebenen Text von Volker Gallé über den Rhein, der seine Bahnen in unterschiedliche Gefilde lenkt:


[…] Wanderer, ewiger, Schatzsucher,
mal bist du Fluß, mal sein Begleiter,
mal stürzend, mal schauend:
Ich bin das Gold, das du suchst!
[…]

(Auszug aus Volker Gallés Text für die Konzertschiffstournee Rheingold 2016)



Zwei Harfen spielen zu Beginn minimalistisch ineinander verschlungene Systeme. Archaische Töne einer Eiszeit-Flöte erklingen. „O Galle Perrine“, ein Preislied auf den irischen Klostergründer St. Gallus, wird performt. Claudia Beck trommelt kurz darauf in Anlehnung an die Basler Fastnachtmusik zum Morgenstraich und stellt zugleich den wuchtigen Sound des Rheinfalls nach. Anne Krickenberg und Christoph Barth arrangierten das 1690 von Johannes Schenk komponierte „Les Nymphes du rhin“ neu für Gambe und Theorbe und bringen dieses Kleinod stimmungsvoll zur Aufführung. Nasaa Nasanjargal setzt mit einer reichverzierten Obertonmelodie gesangliche Akzente und wird dabei an einer Glasharfe begleitet.

Auch Bijan Mahdjub und Jørgen Lang vermögen gesanglich Glanzpunkte zu setzen, etwa wenn es in einer alten Weise um das Schicksal der Kriemhild des Nibelungenliedes geht. Düster und dramatisch durch moderne Hall-Effekte verstärkt schwebt der Gesang der Kölnerin Jenny Thiele beim „Lore Lay Song“ über dem Rhein, ein eigens für die Schiffskonzertreise von Oppermann komponierter Song. Kurz darauf erklimmen Streicher, Harfen und Bläser im Geschwindigkeitsrausch neue Stromschnellen. Später erklingen noch Schlagborduns und ein Schrottophon.

Rüdiger Oppermann und seine Global Players schaffen im gut aufeinander abgestimmten Zusammenspiel an ungewöhnlichen Instrumenten einzigartige Klanglandschaften, schillernde Melodien und mitreißende Rhythmen. Es entfaltet sich, von Musik und Abendrot befeuert, eine romantisch-andächtige Rhein-Stimmung, während Vogelschwärme, Frachtschiffe und Passagierbote vorbeiziehen. Wahrlich, dieses Konzertereignis am Rhein ist Gold wert.



Abendstimmung voll klangvoller Rheinromantik bei der Insel Grafenwerth in Bad Honnef | Foto (C) Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 24. Juli 2016
ID 9449
RHEINGOLD (Insel Grafenwerth in Bad Honnef, 22.07.2016)

Besetzung:
Leitung, Harfe, Mundbogen, Schrottophon, Leier, Percussion … Rüdiger Oppermann
Sprecher … Sven Purchelt
Gesang und Surdo … Jenny Thiele
Gesang/ Morin Khoor … Nasaa Nasanjargal
Laute/ Theorbe … Yamato Hasumi
Gitarre, Cister, Gesang … Jørgen Lang
Bronzetrompete, Tontrompete … Joachim Schween
Alphorn, Carnyx, Tiba … Joachim Schween
Jazz-Saxophon, Eiszeitflöte … Roland Schaeffer
Baslertrommel … Claudia Beck
Percussion … Julius Oppermann
Viola … Sally Clarke
Bass, Teufelsgeige … Ben Tai Trawinski
Gambe/ Cello/ Fidel … Anne Krickenberg
Violine … Franziska Urton
Flöte, Klarinette … Bijan Mahdjub
Gesang, Harfe … Laurin Oppermann

Nächste Termine:
23.7. Köln, Kulturkirche
25.7. Xanten, Rheinufer, Anleger beim Restaurant Zur Rheinfähre, Bislicher Insel 1
Ausweichort: Mensa Stiftsgymnasium


Das Projekt wurde vom WUNDERHÖREN Festival, Worms, in Auftrag gegeben.

Weitere Infos siehe auch: http://www.klangwelten.com/sonderprojekte/rheingold/


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



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