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Konzertkritik

Brahms,
Borkowski,
Brahms



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Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms ist seltsamerweise längst nicht so häufig in den Chorkonzerten zu hören wie die großen Passionen Bachs, Händels Messias und die Requiem von Mozart, Dvořak oder Fauré. Dabei ist auch das Brahms-Werk eine epochale Schöpfung, von Geist und Gefühl unmittelbar ansprechender Art, deren Faszination durchaus eine Brücke zwischen den großen Barockkompositionen und solchen der Moderne schlägt. Ob Brahms’ Requiem darüber hinaus wirklich einer instrumentalen „Überleitung“ bedarf, wie sie der 1965 geborene Komponist und Hochschullehrer Karsten Borkowski 2008 dem Werk voransetzte, sei dahin gestellt. Letztlich bleibt das, was da an musikalischen Abläufen arrangiert ist, doch zu nichtig und substanzarm. Für einen Dialog der Moderne mit der Spätromantik ist es auch als „Neue Musik“ viel zu vorsichtig und halbherzig, den enormen Dingen, die Brahms mit Wucht thematisiert, so wenig gewachsen wie unsrem heutigen Wissen um Sterben, Tod, Vergänglichkeit, Trauer, Verzweiflung und Trost. Borkowski schrieb sein .Ferne.Schatten. op. 74 im Auftrag des Karl-Forster-Chores. Allein von daher ist verständlich, dass der Instrumentalprolog einer Aufführung von Brahms’ op. 45 wiederum vorangestellt wird, wenn dieser Berliner Chor Ein deutsches Requiem aufs Programm setzt: interessant bleibt der Versuch allemal, auch wenn die Musik durch drei Punkte im Titel nicht unkonventioneller wird.

Die Überleitung galt dieses Mal dem vorausgegangenen Begräbnisgesang op. 13 von Brahms, der bereits zehn Jahre vor dem Requiem entstand und den Chor nur von Bläsern begleiten lässt. Bereits hier, zu Beginn des Konzertes, zeigten sich einige Probleme der Balance und der Intonation im Spiel des Orchesters mit dem für Berlin doch recht mutigen Namen Neue Philharmonie. Allerdings verweist dieser keineswegs auf die Berliner Philharmoniker, sondern auf den Charakter des Ensembles als Nachwuchsorchester. Insofern gelte die Kritik nur als sachliche Bemerkung, die mit Sympathie und Anerkennung für die Gesamtleistung der Instrumentalisten hier gemacht wird.

Umso mitreißender und beeindruckender dann das Hauptwerk des Abends! Es ist durchaus erstaunlich, welch enorme Kraft und welche Klarheit der Karl-Forster-Chor (trotz seines Altersdurchschnitts) aufbringt und sogar in strahlenden Höhen überzeugend wirkt, selbst wenn es wenige Sopranpassagen gab, in denen dies klanglich nicht immer ganz gelang. – Vielleicht war der Anfang des „Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ doch noch ein winziges Müh allzu langsam, so wirkten die Tempi insgesamt lebendig und sinnvoll. Großartig Volker Hedtfelds gut disponierter Aufbau der dynamischen Steigerungen im zweiten Satz „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“. Gerne überhörte man kurz rhythmische Diskrepanzen im Furor des sechsten Satzes („… zu der Zeit der letzten Posaune“) und wiederum manch Unebenheiten bei den Bläsern. Ein Problem schien ansonsten die relativ dünne Streicherbesetzung für dieses das Monumentale wollende Großwerk – wobei indessen Wärme und Schönheit kammermusikalisch betonter Passagen versöhnten. Dennoch ging manch dramatischer Akzent in seiner Unerbittlichkeit unter. Ganz liebevolle Aufmerksamkeit hingegen, modellierte Hedtfeld die Chorartikulation und mit nicht zu überhörender Liebe folgten ihm die Chorgruppen und das junge Orchester vollkommen engagiert – das war eine Freude!

Die Baritonsoli gestaltete Daniel Blumenschein mit schöner, aber nicht zu großer Stimme, während Christina Bischoff dank ihres warm klingenden Soprans besonders in den Bögen und Übergängen berührte; wundervoll der Moment, wie ihr letzter Ton mit dem der Klarinette verschmolz. So zündete insgesamt Brahms’ ebenso aufwühlende, wie ergreifende Musik in einer wunderbar gesungenen Aufführung, die von der Hingabe der Mitwirkenden Leben gewann, den Funken überspringen ließ und entsprechend dankbar von einem durchweg aufmerksam gebannten Publikum aufgenommen wurde. Was will man noch mehr?
o.b. - 14. April 2017
ID 9966
KARL-FORSTER-CHOR (Konzerthaus Berlin, 12.04.2017)
Johannes Brahms: Begräbnisgesang opus 13
Carsten Borkowski: .Ferne.Schatten.
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Christina Bischoff, Sopran
Daniel Blumenschein, Bass
Karl-Forster-Chor Berlin
Neue Philharmonie
Leitung: Volker Hedtfeld

Weitere Infos siehe auch: http://www.karl-forster-chor.de


Post an den Autor: ob@kultura-extra.de



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