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Konzertkritik

Judith Holofernes + Support Mama Rosin im Stuttgarter Theaterhaus



Judith Holofernes im Theaterhaus Stuttgart - Foto (C) Ansgar Skoda


Welch ein reichhaltiges Aufgebot spannender instrumentaler Solos!

Während andere Künstlerinnen für ihre Konzerttourneen nur einen Gitarristen engagieren (denke man etwa an Suzanne Vega) oder dieses (wie die kamerunische Newcomerin Irma) ganz allein bestreiten, promotet Judith Holofernes ihr Solodebüt Ein leichtes Schwert auf ihrer Tournee mit einer fünfköpfigen Band und darüber hinaus dem exquisiten Schweizer Rock'n'Roll-Trio Mama Rosin als Vorband. Mama Rosin bringt das Publikum mit einfallsreichem Rhythmen, effektvoll-mehrstimmig französischem Gesang und dem Spiel ungewöhnlicher Instrumente wie einem Bandoneon oder einer Mundharmonika mächtig in Stimmung.

Die Bühne betritt die Musikerin und Songschreiberin Judith Holofernes, die eigentlich Judith Holfelder-von der Tann heißt, mit ihrer Band erst eine halbe Stunde später in einem weiten Pelzmantel, auf dem sich ein Tiger abzeichnet. Ihre langen blonden Haare fallen ihr über das Gesicht, und sie singt mit ihrer gewohnt kieksigen Stimme „Nichtsnutz“, stets schnoddrig Wortendungen verschluckend. Die Frontfrau der seit 2011 pausierenden Band Wir sind Helden legt bald ihren Mantel ab. Mit entspannt-selbstironischen Songs über Müßiggang, Widerspruchshaltungen, Beziehungsarbeit, Elternsein und familiären Alltag weiß sie stets zu überraschen. Zwischendurch plaudert die 37jährige gerne - etwa über Diskotheken in Japan, in denen man im Sitzen tanzen kann. Der Konzertsaal ist bestuhlt, und ein Großteil der Sitzreihen ist besetzt. Mit dieser Bemerkung möchte Holofernes wohl jene der etwa 500 Konzertbesucher grüßen, die sich nicht vor der Bühne tummeln - ohne sie „dissen zu wollen“, so die gebürtige Kreuzbergerin im berlinernden Jargon. Die Liedermacherin grüßt besonders auch ihre Mutter, die sie unter den Zuschauern weiß, was sie daran erinnert, zwischen den Sets auch genug Wasser zu trinken. Neben den Songs ihres 35minütigen, im Februar diesen Jahres erschienen Album Ein leichtes Schwer spielt sie auch Songs anderer Künstler, die sie frei ins Deutsche übersetzte.


Heldin in einem kalt anmutenden Konzertsaal


Ein deutsches Cover spielt sie so vom Song "Catherine The Waitress" vom färöischen Sänger/Songwriter Teitur Lassen. Er hat ein Album mit dem Titel „Let The Dog Drive Home“ veröffentlicht – so etwas gefällt Judith Holofernes, die auf ihrem Blog gerne Gedichte über Tiere veröffentlicht. Etwa über die Qualle. Noch bevor sie Teitur Lassens Song umbenennt, liest sie so ihr Quallengedicht vor: „[…] Schwabbelst voll, ey!/ Nicht so toll, ey!/ Schmerzt voll dolle/ Voll die Qual, ey!/ Qualle, olle/ voll der Proll, ey […]“ Ihr poetischer Einwurf wird durch einen pointierten Nachgedanken abgerundet. Aus schwermütigen Gedanken an die Qualle reißt einen dann bei ihrer Version „Jonathan der Kellner“ spätestens Martin Wenk mit seinem elegant strahlenden Trompetensolo. Mit „Hätte ich ein Boot“ und "Ich will, dass du weißt, dass ich will, dass du glücklich bist" spielt sie noch weitere kreativ ins Deutsche übersetzte Coverversionen englischer Titel, diesmal von Lyle Lovett beziehungsweise Elvis Costello. Lieder ihrer ehemaligen Band Wir sind Helden werden wider den Erwartungen einiger Besucher nicht vorgetragen.

Nach "Danke, ich hab schon" aus ihrem neuen Album wird noch als Zugabe der Song „John Irving“ performt, ein Highlight des Abends. Mit ihrer mädchenhaften Stimme fleht Holofernes im eingängigen Refrain trotzig all die Schriftsteller und Regisseure an, sie doch bitte endlich in Ruhe zu lassen: „Sometimes truth is lamer than fiction/ Sometimes truth is hard to take/ Sometimes truth is lamer than fiction/ Sometimes truth is hard to fake“ Sie verrät dem Publikum, sie sei trotzdem schon wieder rückfällig geworden und habe den neuesten Roman von John Irving bereits erstanden. Bei der zweiten Zugabe „Pechmarie“ erobern dann wieder Mama Rosin die Bühne, und die akustischen Reize fügen sich so im gemeinsamen Spiel ganz formidabel zu einem harmonischen Ganzen.




Mama Rosin (Vorband des Judith Holofernes-Konzerts) in Stuttgart - Foto (C) Ansgar Skoda


Bewertung:    

Ansgar Skoda - 18. April 2014
ID 7761
Bandbesetzung:
Judith Holofernes: Gesang, Gitarren, Ukulelen, Rezobro, Mandola, Keyboards
Jarita Freydank: Percussions, Xylofon, Gesang
Katrin „Miss Kenichi“ Hahner: Keyboards, Gitarren, Bass, Mandola, Gesang
Jörg Holdinghausen: Bass, Pauken, Baritongitarre
Martin Wenk: Trompete, Lapsteel, Harfe, Keyboards, Gitarren
Hanno Stick: Schlagzeug

Mama Rosin (Vorband):
Cyril "Jeter" Yeterian: Diatonisches Akkordeon, Gesang, Gitarre
Robin A. Girod: Gitarre, Gesang, Banjo
Xavier Bray: Schlagzeug, Gesang

Weitere Konzerte:
19.04. Hamburg, Dock’s
20.04. Berlin, Astra
10.05. Hachenburg, Kultursommer
30.05. Neustrelitz, Immergut Festival
19.07. Braunschweig, Open Air (mit ZAZ)
24.07. Freiburg, ZMF
08.08. Lustenau, Szene Open Air


Weitere Infos siehe auch: http://www.judithholofernes.com/


Post an Ansgar Skoda

ansgarskoda.wordpress.com



 
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