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Konzertkritik

Dinorah startet großen Meyerbeer-Zyklus der Deutschen Oper Berlin



Das ist Sängerin Patrizia Ciofi - die Dinorah in der konzertanten Aufführung der gleichnamigen Meyerbeer-Oper am 1. Oktober 2014 in der Philharmonie Berlin | Foto (C) Bettina Stöß

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Der in Tasdorf (einem Ortsteil von Rüdersdorf/bei Berlin) geborene Giacomo Meyerbeer (1791-1864) ist v.a. - wie man es auf einer Gedenktafel, die insbesondere an seine letzte Berliner Wohnung (Pariser Platz 6a) erinnert, lesen kann - als "Meister der französischen 'Grand Opéra'" bekannt und "zählt zu den bedeutendsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Als Mäzen förderte er mit wohltätigen Stiftungen Kunst und Künstler seiner Zeit"; er war zudem auch Generalmusikdirektor der Königlichen Oper in Berlin (1842-1851).

Robert der Teufel, eines seiner populärsten Werke, konnte man in einer Aufhorchen erregenden Staatsopern-Produktion unter dem Dirigenten Marc Minkowski ("vollständigste Aufführung nach neuer Edition", wie Wikipedia annotiert) vor ca. 14 Jahren dort erleben. Seither war und ist es, was Berlin angeht, sehr ruhig um Meyerbeer geworden. Das soll sich jedoch gewaltig ändern, denn:

Die Deutsche Oper Berlin beabsichtigt die nächsten Jahre einen Meyerbeer-Zyklus mit den Großopern Die Afrikanerin (2015), Die Hugenotten (2016) sowie Der Prophet (2017) zu stemmen - ein schier beispielloser Kraftakt sondergleichen; und man darf gespannt sein, ob sie's schafft - wir tippen mal auf "was denn sonst".



Berliner Gedenktafel am Haus, Pariser Platz 6a, in Berlin-Mitte | Bildquelle: Wikipedia


Jetzt gabs - als eine Art von Vorspeise zum 3fach großen Hauptmenü der nächsten Jahre - Dinorah oder die Wallfahrt nach Ploërmel als konzertante Darbietung in der Philharmonie Berlin zu hören.

Dem Konzert ging übrigens dann auch ein dreitägiges Fach-Symposion zu der Überschrift "Europa war sein Bayreuth" mit voran.

"Das selbstbewusste Judentum des Kosmopoliten Giacomo", wie Thomas Lackmann in einem lesenswerten Essay (vor ein paar Tagen auf dem DOB-Blog zufällig von uns entdeckt) bemerkt, "erkennt die Nachwelt als ein Identitätsmerkmal - und als Projektionsfläche für seine Feinde." Wagner, beispielsweise, neidete dem Meyerbeer seine Paris-Erfolge, und er hasste ihn (nicht nur hierfür) im Umkehrschluss; in seinem Machwerk Das Judentum in der Musik rechnete er mit dem Beneideten, Gehassten so auf seine Weise ab.

*

Mit 17 Opern ist allein das Bühnen-Oevre Meyerbeers gelistet, wenigstens ein Drittel hiervon wurden Welterfolge. Dass es heutzutage schwer fällt, die Erfolgsbehaftetheit nachzuvollziehen, kann nicht nur auf abdriftende Argumentation hinsichtlich Mode und Geschmack der damaligen Zeit geschoben werden - nein, es wäre nicht das erste Mal, dass plötzlich (quasi über Nacht) die eine oder andre Oper (auch von Meyerbeer) aus dem Dornröschenschlaf erweckt würde; Geschmacks- und Modefragen (auch im Heute) sind so unberechenbar und tückisch, dass es eigentlich dann keine lohnenswerten Worte hierfür gibt.

Dinorah allerdings ist schon ein ziemlich schwachsinniges Werk (gottlob, dass es nicht inszeniert wurde!) - dennoch, v.a. was das Musikalische betrifft, entdeckenswert: "Meyerbeer gelingt hier eine späte spielerisch-poetische und zugleich humoristisch gebrochene Beschwörung der Welt der romantischen Geister- und Feenwelt. In seiner Mischung aus lyrischen, folkloristischen und komischen Elementen entwickelt Meyerbeers Vertonung der Geschichte um das auf seiner Wallfahrt durch mysteriöse Umstände getrennte und dann wieder glückliche vereinte Brautpaar Dinorah und Hoël eine ganz eigene, subtile Farbpalette." (Quelle: deutscheoperberlin.de)

Kurz und gut, die Meyerbeer-Musik im Falle Dinorah klingt permanent - in ihrer freundlichen Beschwipstheit - "wie bei Camembert & Beaujolais". Das nervt total und macht, so heiterleicht wie das auch Alles klingen mag, zunehmend müde und verhindert derart, dass man sich (gottlob!!) noch näher mit der Handlung auseinandersetzen wollte; der Synopsis nach geht es um eine durchgeknallte Meierstochter, die mit ihrer Ziege unterwegs ist und dann eine Wahnsinnsarie nach der andern zwitschert oder so...

Patrizia Ciofi (s. Foto oben) singt die Hauptpartie, ja und sie singt das fast schon Unsingbare umwerfend. Sensationell!

Nicht minder umwerfend-sensationell: das Orchester der Deutschen Oper Berlin (Dirigent: Enrique Mazzola), das ja mit dem französischen und deutschen Repertoire des 19. Jahrhunderts hochvertraut ist und wo Meyerbeer daher fast ideal und sicher aufgehoben ist - man darf sich also auf den "Rest" des großen Werkezyklus in den nächsten Jahren freuen. Wetten, der wird gut!!!



Dinorah von Giacomo Meyerbeer mit Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin - Foto (C) Bettina Stöß


Andre Sokolowski - 2. Oktober 2014
ID 8145
DINORAH OU LE PLOËRMEL, konzertant (Philharmonie Berlin, 01.10.2014)
Dinorah ... Patrizia Ciofi
Hoël ... Etienne Dupuis
Corentin ... Philippe Talbot
Jäger ... Seth Carico
1. Schäferin ... Elbenita Kajtazi
Mäher ... Gideon Poppe
2. Schäferin ... Christina Sidak
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
(Choreinstudierung: William Spaulding)
Dirigent: Enrique Mazzola


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




 
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