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Konzertkritik

Schon mal was

von Janitsch

gehört?



Concerto Melante | Foto (C) Alessandro Cappone, 2015

Bewertung:    



Concerto Melante ist ein Kammermusikensemble, das sich insbesondere der Pflege und Aufführung der Werke Georg Philipp Telemanns ["Melante" war ein anagrammisches Pseudonym von Telemann] verpflichtet sieht. Die Gruppe gibt es seit 2008 und wurde ihrer Zeit von barockinteressierten Musikern der Berliner Philharmoniker gegründet; man "bedient" sich ausgiebig der fach- und sachkundigen Unterstützung einschlägig bekannter und berühmter Spezialisten aus der Nobelkammer der sog. Alten Musik (Stichwort: historische Aufführungspraxis) - ihre Reputation ist daher schon vom Allerfeinsten; es gibt mittlerweile mehrere CDs.

Gestern gestalteten die schier perfekt aufeinander abgestimmten InstrumentalistInnen ein anspruchsvolles und auch zeitausuferndes Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin. Es war ein hörerischer Hochgenuss!

Außer den obgliatorisch vorzustellenden Werken Telemanns - alles übrigens Musik, die der Normalverbraucher anderswo sonst nie, live sowieso nicht, je zu hören kriegte - wurde der Konzertbesucher mit dem Namen und dem durch drei Werkbeispiele vorgestellten Oevre eines Johann Gottlieb Janitsch (1708-1763) konfrontiert. Schon mal gehört?

Die das Programmheft mit einer vorzüglichen Einführung versorgt habende Musikwissenschaftler Ingeborg Allihn klärte zum Thema (insbesondere was den Aspekt Janitsch/Berlin betrifft) wie folgt dann auf:


"Von 1736 an finden wir Janitsch [...] unter den 16 Kammermusikern des preußischen Kronprinzen in Rheinsberg. Dort stiftet er 1738 die Freitags-Akademie, deren Notenbestand 1740 bei dem großen Brand in Rheinsberg vollständig vernichtet wird. Doch Janitsch lässt sich nicht entmutigen. Als er zusammen mit der kronprinzlichen Kapelle nach der Thronbesteigung Friedrichs II. fortan in Berlin zur nunmehr königlich-preußischen Hofkapelle gehört, setzt er die Akademie hier 'in seiner Behausung' hinter dem Jägerhof in der Kleinen Jägerstraße (auf dem Friedrichswerder) 'alle Freytage, die Opernzeit ausgenommen, […] mit großem Beyfall' fort. Bei dieser Akademie saßen 'verschiedene Königliche(n), Prinzliche(n), Markgräfliche(n) und andern geschickte(n) Privatmusicis und Liebhaber(n)' sowie Mitglieder der Hofkapelle zusammen, um gemeinsam und unabhängig von den geltenden Standesgrenzen zu musizieren. So berichtet es Friedrich Wilhelm Marpurg in seinen Historisch-Kritischen Beyträgen zur Aufnahme der Musik, Berlin, 1754. Damit beginnt auch in Berlin das zuerst halböffentliche, im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts dann jedoch öffentliche Musikleben. Was die gesellschaftliche und politische Öffentlichkeit in Preußen den Protagonisten verwehrte, hier konnten sie ihren Ambitionen – allerdings eben nur im privaten Bereich! – ungestört nachgehen. Janitschs Freitags-Akademie steht am Anfang dieses bedeutsamen Prozesses."

"In Berlin hatte sich der Aufgabenkreis des Kammermusikus Janitsch beträchtlich erweitert. Neben seinem Dienst als 'Contraviolonist' in der Hofkapelle musste er die Chöre für die üblicherweise jährlich zwei Opernaufführungen einstudieren. Auch war er verantwortlich für die während des Karnevals veranstalteten Redouten im Königlichen Opernhaus, zu denen er eigene Kompositionen beizusteuern hatte. Überdies war er für weitere offizielle Aufträge zuständig, beispielsweise für das Te Deumlaudamus zur Grundsteinlegung der Katholischen Kirche 1747 (der heutigen Kathedrale St. Hedwig) oder für die von Prinzessin Anna Amalia in Auftrag gegebene Musik zur Krönung Adolf Fredriks von Schweden 1751 in Stockholm. Leider ist ein Großteil von Janitschs Œuvre verloren gegangen, insbesondere die Kompositionen für die Freitags-Akademien."


(Quelle: berliner-philharmoniker.de)



Äußerst interessant.

Das sonst meistens "nur" mit Streichern agierende Concerto Melante wurde verstärkt durch die beiden Philharmoniker Mor Bion (Fagott) und Dominik Wollenweber (Oboe) - dieser wiederum konnte sich der authentischen Kollegenschaft seiner phänomenalen Mitspielerin Saskia Fikentscher sicher sein. Ulrich Wolf gastierte mit der Gambe und der Violone (= einer Art barockem Kontrabass), Léon Berben saß am Cembalo, und die Cellistin Kristin von der Goltz schien (ganz zumindest während der zwei groß besetzten Stücke) dominantakkord zu sein.

Superb.
Andre Sokolowski - 3. Oktober 2015
ID 8907
CONCERTO MELANTE AUF HISTORISCHEN INSTRUMENTEN (Kammermusiksaal, 02.10.2015)
Georg Philipp Telemann: Sinfonia melodica für zwei Oboen, Fagott, Streicher und Generalbass C-Dur TWV 50:2
- Quintett für zwei Violinen, zwei Violen und Generalbass F-Dur TWV 44:11
- Triosonate für zwei Oboen und Generalbass c-Moll TWV 42:c4
Johann Gottlieb Janitsch: Quadro O Haupt voll Blut und Wunden für Oboe, Violine, Viola und Basso continuo g-Moll
- Sonata da camera für zwei Oboen, Violine, Viola und Basso continuo c-Moll op. 5
Telemann: Quartett für Oboe, Violine, Viola da gamba und Generalbass g-Moll TWV 43:g2
Janitsch: Sonata da chiesa für Violine, Oboe, Viola, und Basso continuo F-Dur op. 7 Nr. 1
Telemann: Sinfonia für zwei Oboen, Streicher und Generalbass e-Moll TWV 50:4
Ausführende:
Dominik Wollenweber, Oboe
Saskia Fikentscher, Oboe
Mor Biron, Fagott
Raimar Orlovsky, Violine
Philipp Bohnen, Violine
Ulrich Knörzer, Viola
Marion Leleu, Viola
Kristin von der Goltz, Violoncello
Ulrich Wolff, Viola da gamba und Violone
Léon Berben, Cembalo


Weitere Infos siehe auch: http://www.melante.de


http://www.andre-sokolowski.de



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