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Konzertkritik

Programmmusiken



Christian Thielemann bei den Berliner Philharmonikern - Foto (C) Monika Rittershaus | Bildquelle: http://www.berliner-philharmoniker.de

Bewertung:    



Den deutschen Pultstar Christian Thielemann als avantgard zu zeichnen wäre ungerechtfertig-vermessen; er ist bisher nie groß resp. "übergroß" mit Beispieldirigaten zeitgenössischer Musiken aufgefallen, von paar Alibi-Auftritten einmal abgesehen - was Konzertbesucher in Berlin zuletzt bei seinem Gastspiel mit der Staatskapelle Dresden zum MUSIKFEST im September "aufgeschreckt" zur Kenntnis nehmen konnten, als er Gidon Kremer (vor der Neunten Bruckners) Gubaidulina's Geigenkonzert In tempus praesens spielen ließ. Sonst sind es insbesondere Strauss, Wagner oder die "drei B", womit man Thielemann v.a. in Verbindung bringt bzw. in Verbindung bringen will!

Dass er in seiner GMD-Zeit an der Deutschen Oper auch mal Henze abendfüllend aufführte (Der Prinz von Homburg, 1997) ehrt ihn lange noch im Nachhinein - mit Henze also konnte/kann er irgendwie; daran sollte uns gestern Abend das Orchesterstück Sebastian im Traum - das er zwischen Liszts Orpheus sowie Beethovens Eroica klemmte - grundsätzlich erinnert haben:

"Die analog zur formalen Gliederung von Trakls Gedicht (musikalisch nahtlos ineinander übergehenden) drei Abschnitte von Henzes rund 15-minütiger Komposition zeichnen den Wortlaut der Dichtung kompositorisch minutiös nach. So nehmen etwa Trakls Zeilen 'Er aber war ein kleiner Vogel im kahlen Geäst / Die Glocke lang im Abendnovember' in Henzes instrumentaler Vertonung gegen Ende des ersten Abschnitts bezwingend suggestiv musikalische Gestalt an (hohe Holzbläser, hohe Streicher, Harfen – tiefe Holzbläser, tiefe Streicher, Schlagzeug), ohne indes je vordergründig musikalisch illustriert zu werden. Wenn dieser hypersensiblen Musik ein (kultur-)politisches Bekenntnis ihres altersweisen Komponisten eingeschrieben ist, dann jenes zur aufs Äußerste verfeinerten Ästhetik des Fin de Siècle." (Quelle: Mark Schulze Steinen, im Programmheft der Berliner Philharmoniker)

Das [s.o.] weist uns ungefähr dann in die Richtung dessen, was dann - keine Viertelstunde lang - zu hören war. Das Henze-Stück ist groß besetzt und klingt dabei nicht laut, und auch nicht "aufregend". Liest man die Textvorlage (die wortwörtlich nicht vertont wurde, sondern "nur" musikalisch einen Nachvollzug erfuhr) stupide mit, kommt man vielleicht zu einem gleichlautenden Schluss wie Henze. Die Berliner Philharmoniker führten Sebastian im Traum an diesem Abend erstmals auf.

* * *

Zuvor spielten sie Liszts stinklangweiligen Orpheus, auch so einen knappen Viertelstündler - keine Ahnung, was an dieser seichten und vergessenswerten Kurz-Programmmusik so derart wichtig und bedeutungsvoll gewesen sein soll, dass man sie dann unbedingt auf den Programmzettel zu setzen sich genötigt sah. Na wenigstens gab es dann ein paar schöne Teil-Soli z.B. mit Janne Saksala (Kontrabass), Daniel Stabrawa (Violine), Ludwig Quandt (Cello); und auch die beiden Harfinistinnen zogen desöfteren meinen Konzertbesucherblick auf sich.

Das absolute Highlight freilich: Beethovens Eroica! (Und deswegen waren/sind die drei Konzertabende letztlich ausverkauft.) Ja, kann es sein, dass es das erste Mal dann überhaupt gewesen war, dass Thielemann mit den Berliner Philharmonikern Beethoven spielte? Mit den Wienern war er immerhin vor noch nicht allzu langer Zeit im selben Saal vor Ort, um gleich mal ALLE Sinfonien Beethovens hier nacheinander aufzuführen; unvergessliches Event.

Eroica kommt mit ihm nun tollwutlos und sehr, sehr, sehr geschmeidig, fließend, frisch und "heiter" rüber (1. Satz; vor allem der!); und dem Orchester - das in puncto Beethoven mehr als geübt, erfahren und traditionell-behaftet ist - macht diese jungbrunnene Sicht der Dinge sichtlich Spaß. Eine in Allem also ziemlich gut gelaunte Dargebrachtseinsweise, wie zu spüren war.


[Nächste Woche dirigiert der Thielemann nochmal die Philharmoniker, dann gibt's Ein deutsches Requiem von Brahms.]
Andre Sokolowski - 17. Januar 2015
ID 8369
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 16.01.2015)
Liszt: Orpheus, Symphonische Dichtung Nr. 4
Henze: Sebastian im Traum | " Eine Salzburger Nachtmusik nach einer Dichtung nach einer Dichtung von Georg Trakl für Orchester"
Beethoven: Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 Eroica
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Christian Thielemann


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




 
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