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Konzertkritik

Große Besetzung für die großen Themen

Berlioz´ REQUIEM im Konzerthaus Berlin

Bewertung:    



Seit 10.11.2012 hat Berlioz’ Requiem 230.000 Aufrufe auf YouTube in einer Aufführung mit dem Orchestre National de Lyon und dem Choeurs de Lyon. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker aus dem Saal der Säle – dem Musikvereinssaal in Wien - bringt es nicht über 40.000 Aufrufe. Hat Berlioz seinen Anspruch „das größte, je geschrieben Werk“ zu schaffen, damit etwa eingelöst? Wohl nicht! Mozarts Requiem bringt es auf YouTube auf fast 30 Mio. Aufrufen, Verdis Pendant auf ca. 1,4 Mio.

200 Instrumentalisten und Chorsänger sind auf der Bühne. 16 Pauken, zwei große Trommeln, 10 Becken, vier Fernorchester, 38 Blechbläser sind im Getümmel der Bühne verteilt. Die Besetzung konnte Berlioz nicht groß genug sein Angesichts des Gegenstandes: es geht um die letzten Dinge der menschlichen Existenz – Tod, Jüngstes Gericht, Verdammnis und Erlösung. Berlioz hält sich weitgehend an die Liturgie der katholischen Totenmesse. Zehn Sätze umfasst das Stück, fast die Hälfte der 90-minütigen Komposition nimmt der 2. Satz das Dies Irae ein. Paul McCreesh leitet den gewaltigen Klangapparat, er setzt auf die Kontraste der Partitur: kleine zarte getragene Chöre werden von Klangkaskaden des Percussionsapparats überrollt. Innige glockenklare, fast naive Aktionen der wunderbaren Tenöre werden von sinfonischer Dichte abgelöst. Frontale Beschallung oder die aus allen Richtungen tönenden Fernorchester reizen die Sinne. Überraschend, wie im vorletzten Satz (dem Sanctus) der Tenor Robert Murray plötzlich von hinten seine schlackenfreien Passagen in den Saal schleudert. Höhepunkt ist und bleibt jedoch das Dies Irae; die Wucht der vielstimmigen Gruppen stürzt einen in tödliches Erschrecken. Die beängstigenden Schlagapparate nehmen einem die Hoffnung auf Erlösung. Schuld und Verstrickung im menschlichen Dasein kann einem niemand abnehmen. Was die Liturgie anbieten kann, ist nur die Hoffnung und der Glaube. So lässt Berlioz sein Stück auch ausklingen – nach all den aufwühlenden Aktionen verbreitet sich Wärme im Saal, wir sind beruhigt, und anfangs mag gar niemand klatschen.

Steffen Kühn - 16. April 2017
ID 9968
KONZERT ZUM KARFREITAG (Konzerthaus Berlin, 14.04.2017)
Hector Berlioz: Grande Messe des Morts (Requiem) für Tenor-Solo, Chor und Orchester op. 5
Robert Murray, Tenor
Philharmonischer Chor Berlin
Berliner Singakademie
Konzerthausorchester Berlin
Dirigent: Paul McCreesh


Weitere Infos siehe auch: http://www.konzerthaus.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de



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