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Konzertkritik

Traditionalisten-

Treff

Berliner Philharmoniker mit Werken von Beethoven und Bruckner


Das ist Rudolf Buchbinder | Foto (C) Marco Borggreve / Bildquelle: berliner-philharmoniker.de

Bewertung:    



Den fast 70jährigen Rudolf Buchbinder jetzt live erlebt zu haben hatte ich das seltene Vergnügen. "Selten" mag in dem Zusammenhang befremdlich klingen, denn der Pianist ist mehr als 50 Jahre im Bewusstsein der Klaviermusikkenner und -liebhaber verankert; und ich hätte ihn so auch tatsächlich früher in der "alten" DDR, woher ich stamme, und wo er ganz selbstverständlich auch auftrat wie überall und allerorts, erleben können - also war es wohl der reine Zufall, dass ich ihn noch nie direkt zu Angesicht bekam...

"Der Pianist legt besonderen Wert auf akribische Quellenforschung und besitzt eine Vielzahl von Werkausgaben und Erstdrucken", steht zu seiner Personalie im Programmheft der Berliner Philharmoniker, mit denen er dann gestern Abend Beethovens 1. Klavierkonzert vortrug. Dass er als absoluter Sachverständiger in puncto dieses Komponisten zur Verfügung steht - Buchbinder tourte beispielsweise mit 'nem Zyklus sämtlicher Klaviersonaten durch sage und schreibe 40 Städte (!) - gilt seit Jahren und Jahrzehnten als ein offenes Geheimnis. Hier nun hörte man es nicht nur, sondern sah es auch:

Im Gegensatz zu manchen oftmals recht autistisch vor sich hin sphärenden Singulärstars am Klavier ist seine Art zu spielen äußerst kommunikativ. Er sucht schier den Direktkontakt zu den mit ihm versammelten Orchestermusikern. Sein Individualduktus drängt sich nicht auf, obgleich er freilich aufs Bestimmteste dann vorgibt, was & wie zu musizieren ist. Die physische Präsenz von ihm scheint also unaufdringlich und gebietet doch zugleich Respekt vor seiner weisheitlichen Aura - ja, ich stellte mir sofort dann vor, dass ich mit schülerischer Empathie bei ihm in jungen Jahren Unterricht genommen haben könnte; und von so einem Klavierlehrer träumt sicher jedes Kind!

Das Alles [s.o.] machte es natürlich Christian Thielemann relativ leicht und einfach, zwischen ihm und dem Orchester dirigentisch zu vermitteln. Die Chemie zwischen den Beiden (resp. zwischen diesen Drei'n) tat vollends funktionieren. / Exemplarische Gereichung!

*

Nach der Pause Bruckners Siebte Sinfonie - gewiss auch eines von den großen Lieblingsstücken Thielemanns.

Es ist - fast parallel zu der Romantischen - die vielleicht eingängigste und sonach wohl auch "beliebteste" der immer irgendwie doch gleich klingenden Riesenschinken unsers Lieblingslinzers; meine ganz private Bruckner-Liebe gründete ich von Beginn an ebenso in der besagten Reihenfolge, also erst die Vierte, dann die Siebte usw. usf.

Nach über einer Stunde kraftzehrendem Voll-Orchester-Hoch-Genuss schwankt Thielemann erschöpft und völlig ausgelaugt vom Podium; aber jedes Mal, wenn er dann Bruckner (Wagner oder Strauss) durchspielen lässt, scheint er mit seinem hunderteinprozentigen Persönlichkeitsverschleiß nicht nur dann die vor ihm positionierten Musiker, sondern v.a. auch die Hörerschaft voll für sich einzunehmen. // Beifallsstürme.

Großer Traditionalisten-Treff.

Andre Sokolowski - 16. Dezember 2016
ID 9752
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 15.12.2016)
Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 7 E-Dur
Rudolf Buchbinder, Klavier
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Christian Thielemann


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de


http://www.andre-sokolowski.de

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