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Konzertkritik

Mariss

Jansons

zum 75.



Fotos: Bayerischer Rundfunk (Jansons) / Dario Acosta/DG (Trifonov)

Bewertung:    



Der lettische Pultstar Mariss Jansons ist in diesem Monat 75 Jahre jung geworden. Ja und überall, wo er inzwischen künstlerische Spuren hinterlassen hatte, wurde oder wird er dort als Dirigent und (noch viel mehr:) als MENSCH gefeiert und geehrt. Er zählt zu den mehr angenehmen Zeitgenossen seiner Zunft - in den ausführlichen TV-Porträts, die man die letzten Tage nochmal sehen konnte, fiel besonders sein Uneitel- und Gescheitsein auf, auch strahlt es von ihm nicht nur "altersweise" sondern auch oder vor allem warm & wärmend aus. Nie würde wer (wenn man das nachgerade sichtet) je auf die Idee kommen, dass dieser Mensch womöglich "allüristisch" wäre; und gerade was das Dirigenten-obere-Zehntausend so betrifft, gibt es dann schon auffällige Verhaltensstörungen bei einigen der sogenannten Großen, nein, wir nennen jetzt hier keine Namen - aber diesen hier vielleicht [in einem freilich ganz, ganz anderen Zusammenhang und auch bloß der Statistik wegen] noch:

Nachdem der Jubilar Geige, Klavier und Dirigieren am weltberühmten Leningrader Konservatorium studierte, konnte er sich 1969 in Österreich unter anderem auch von Herbert von Karajan ausbilden lassen. Der bestellte ihn in 1971 zum nach ihm benannten Dirigierwettbewerb, wo Jansons bei dieser Gelegenheit das erste Mal mit den Berliner Philharmonikern zusammentraf. Das offizielle Pult-Debüt bei dem Orchester folgte fünf Jahre danach. Vorgestern nun - während der Probe [s. Foto unten] - wurde ihm die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft, interner Weise sozusagen, überantwortet. Sage und schreibe 95 Konzerte resp. 40 unterschiedliche Konzertprogramme gab es in der langen, langen Zwischenzeit mit diesen Beiden!!

*

Schumanns Klavierkonzert und Bruckners Sechste sind zu hören:

Wer den explosiv-extrovertierten Superpianisten Daniil Trifonov (26) bisher noch nicht sehen durfte - Simon Rattle hatte ihn in die 2016er Silvester-Show seines Orchesters integriert; das ließe sich demnach für säumige Versäumer so wie mich über diverse Mediatheken recherchieren - , konnte das bei der Gelegenheit jetzt nachholen. Er wirkt wie die reinkarnierende Verkörperung eines am Steinwayflügel berserkernden Paganini (des Klaviers). Seine Beherrschung der Materien hat etwas Beunruhigendes, und obgleich ihm alle "leisen" und wohl mehr zurückhaltigen Stellen dieser letztlich mehr wie eine Sinfonie mit zig Klavierbegleitanteilen sich gewichtigenden Partitur auf das Grandioseste gelingen. Seine Blicke richten sich entweder in das eig'ne Seeleninnere, oder er macht die Augen zwischenzeitlich auf, um hoch zum Himmel aufzuschauen, und (womit das zwingend Glaubwürdige seiner auch dann körperlichen Gegenwart obsiegt) er freut sich wie ein kleines Kind, sofort nachdem er seinen künstlerischen Vorführakt im schweißbadenden Zustand abgeschlossen hat, und lächelt süß und seelig in das allgemeine Rund vor ihm.

Der Jansons hat dann - nach der Pause - erstmals einen Bruckner mit den Philharmonikern "probiert". Man hat sich für die Nummer 6 entschieden, und die zählt (nach/vor den ungleich populäreren und auch bedeutungsvolleren Großsinfonien Nr. 5 und Nr. 7) zu den etwas unterbutternswerteren des Ansfeldener Oberösterreichers. Doch auch hier - so wie in allen seinen Sinfonien - sind es die zu untersuchenden und zu gestaltenden Details, die in der Summe die bei Bruckner immer wieder ähnlichgleich wirkende Klangfaszination erzeugen. Also nimmt Jansons den ganzen Korpus auseinander und zerlegt ihn in zig Einzelteile, die er daraufhin wieder zusammenfügen lässt und hoch und immer höher baut. Dass die Berliner Philharmoniker (und ihr gesamter Bläser-Apparat fällt dieses Mal besonders eindrucksvoll und prächtig auf!) für derart Konstruktiv-Konstruktivistisches zu haben sind, bekunden sie allein schon optisch durch erkennbar große Spiellust.

Klar klingendes und dem Jubilar hochangemessenes Konzert.




Die Berliner Philharmoniker haben Mariss Jansons am 24. Januar 2018 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. | Foto (C) Stephan Rabold

Andre Sokolowski - 26. Januar 2018
ID 10493
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 25.01.2018)
Robert Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 6 A-Dur
Daniil Trifonov, Klavier
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Mariss Jansons


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de


http://www.andre-sokolowski.de

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