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Konzertkritik

8. Mai 2014 - Kölner Kulturkirche

60 MINUTEN. FLUSSABWÄRTS

Dirk Raulf Orchestra und Meret Becker


Meret Becker mit Hintermann - Foto (C) Ansgar Skoda

In der Kölner Kulturkirche fällt Licht durch die neogotischen Kirchenfenster. Auf der Bühne aufgereiht stehen im Vordergrund dicht gedrängt große und schwere Blasinstrumente, unter anderem vier Bass-Saxofone. Gegen 20 Uhr betreten Wollie Kaiser, Andreas Kaling, Jan Klare und Dirk Raulf die Bühne und stimmen als Blasmusik-Ensemble Deep Schrott mit tieftönenden Arrangements dunkle, eigene Versionen etwa von Songs von Alice Cooper, The Doors oder David Lynch-Filmmusik auf einen rhythmisch vielstimmigen Abend ein. Das Zusammenspiel ist sensibel aufeinander abgestimmt, wenn die Jazz-Saxofonisten sich gegenseitig bei Solo-Partien Raum geben und sich aneinander reiben. Klänge überlagern und ergänzen sich, Melodien und Grundmotive wechseln einander ab oder werden variiert. Dezent unterstützen die Künstler ihre Bläser-Interpretationen und eigenen Kompositionen auch durch gesangliche Einsprengsel. Die meisten der gespielten Songs erschienen auch auf der im Januar diesen Jahres veröffentlichten CD des Bass-Saxophon-Quartetts The Dark Side Vol. 1.




Vorband - Foto (C) Ansgar Skoda



60 Minuten. 60 Stücke. 60 Sekunden – Ein Hörerlebnis voller abwärts kreisender Spiralen


Nach einer kurzen Pause kündigt Dirk Raulf, der auch 2009 die Bandgründung von Deep Schrott anregte, die Hauptperformance des Abends an. Seine einstündige Komposition 60 Minuten. Flussabwärts, bestehend aus 60 Teilen oder Abschnitten, wurde als Auftragswerk der Marienthaler Festspiele im August letzten Jahres uraufgeführt. Dirk Raulf war für die Konzeptentwicklung seiner Komposition der genau getaktete Rhythmus wichtig. Der programmierte Computer ist als musikalischer Schrittmacher immer spürbar, oft aber unmerklich im Hintergrund. Als verbindendes Element dienen Zitate, Versatzstücke und Neuinterpretationen aus Songs unter anderem von Franz Schubert, Björk, Tom Waits, Nick Cave, Randy Newman und Brian Eno als Treibgut dieser sinnlichen Flussreise für die Gehörgänge. Die Improvisationen, Texte und Assoziationen der Musik von Dirk Raulf werden durch ein wiederkehrendes musikalisches Grundmotiv aus zwölf Grundtönen in einer chromatisch kreisenden Abwärtsbewegung miteinander verbunden. Beim zweiten Konzert des Abends wird das orchestrale Ensemble um Deep Schrott nun durch Frank Schulte (Elektronik), Thorsten Drücker (Gitarre) und Dirk Peter Kölsch (Schagzeug) erweitert.




60 Minuten. Flussabwärts | Performance - Foto (C) Ansgar Skoda



Meret Becker und ihre Singende Säge


Ein Ereignis, dass vielleicht auch viele der Konzertbesucher in die Kulturkirche lockt, ist die bekannte deutsche Schauspielerin Meret Becker (Urlaub vom Leben / Komm näher / Das Versprechen), die das Konzert nicht nur gesanglich begleitet. Achtungserfolge feierte Meret Becker bereits als Sängerin mit ihren, bei Universal Music Classic & Jazz veröffentlichten, experimentellen Alben Nachtmahr (1998) oder Fragiles (2001) oder bei ihren legendären Konzerten auf der Berliner Vaganten Bühne. Neben ihren improvisiert wirkenden, gesanglichen Partien spielt die Künstlerin während der Komposition auch auf einer Singenden Säge und diversen anderen Instrumenten. Ein Highlight der Komposition ist es, wenn Becker plötzlich in Unterbrechungen mit monotoner, fein nuancierter Stimme eine kleine menschelnde Geschichte erzählt, in der es um Schein und Sein und das Altern geht. Bereichert wird das Multimedia-Projekt auch durch eine einstündige Videoprojektion, die in unterschiedlichen Farben beweglich fortlaufende Wasserbilder auf den Bühnenhintergrund projiziert. Frank Schulte, der einmal, von hinten kommend, Meret Beckers Kopf und Körper während ihres Gesangs mit einen Bogen bestreicht, bewies hier Gespür für stimmungsvolle Bilder von Wasserreflexionen.

Klanglandschaften verbinden sich wie Wasserbilder in einem groovenden Spiel auf Zeit in Dirk Raulfs Komposition. Als Zugabe spielen die acht Künstler noch einen improvisiert wirkenden Song, der sich gegen Ende hin brüllend und kreischend steigert und mit dem sie sich effektvoll von der Bühne verabschieden. Insgesamt ist das dicht orchestriert stets treibende und niemals nur dahinplätschernde 60 Minuten. Flussabwärts auch ein außergewöhnliches Bekenntnis für den Niederrhein, Drei-Flüsse-Land zwischen Issel, Lippe und Rhein und Dirk Raulfs Heimatregion.




Schlussapplaus - Foto (C) Ansgar Skoda



Bewertung:    



Ansgar Skoda - 11. Mai 2014
ID 7822
Bandbesetzung
DEEP SCHROTT
Wollie Kaiser: Saxophone, Flöten, Klarinetten
Andreas Kaling: Saxophone
Jan Klare: Saxophone, Flöten, Klarinetten
Dirk Raulf: Saxophone, Bassklarinette, Piano, Toy Piano, Leitung

Frank Schulte: Elektronik, Video
Thorsten Drücker: Gitarre
Dirk Peter Kölsch: Schlagzeug

Meret Becker: Stimme, miscellaneous instr.

Weiteres Konzert
11.05. Kassel, Theaterstübchen


Weitere Infos siehe auch: http://www.dirk-raulf-orchestra.de


Post an Ansgar Skoda

ansgarskoda.wordpress.com



 
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