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Konzertkritik

Klang des

Krieges



War Requiem in der Kölner Philharmonie | Foto © Ansgar Skoda

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Wie lässt sich ein Gedenken an das Leid von Millionen von Kriegsopfern kompositorisch umsetzen? Der Engländer Benjamin Britten komponierte in den Jahren 1961-62 das War Requiem op. 66 als Auftragsarbeit für die Einweihung der neuen St. Michael‘s Kathedrale von Coventry. 1940 wurde diese größte Pfarrkirche in England bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe fast vollständig zerstört. Brittens Komposition für drei Solostimmen, gemischten Chor, Kinderchor, großes Orchester, Kammerorchester und Orgel gilt heute als eines seiner Hauptwerke. Im Requiem werden lateinische Texte aus der Missa pro defunctis (Messe für die Verstorbenen/ Totenmesse) Gedichten des britischen Lyrikers und Soldaten Wilfred Owen (1893-1918) gegenübergestellt.

In der Kölner Philharmonie wurde das Werk jetzt als Projekt mit 300 jungen und erwachsenen Mitwirkenden aus Frankreich, Polen, England, Belgien und Deutschland aufgeführt.

*

Neun englischsprachige Antikriegsgedichte von Wilfried Owen, die vom zwölfköpfigen Kammerensemble begleitet werden, konfrontieren sozusagen als getrennte Ebenen die ritualisiert und im oratorienhaften Stil vorgetragenen lateinischen Requiem-Passagen. Die stimmungsvoll umgesetzte orchestrale Spannung wird auch auf inhaltlicher Ebene wieder aufgefangen. In einer Umdeutung der biblischen Abraham-Geschichte aus Genesis 22,19 hört etwa der alte Mann nicht auf die Stimme Gottes und opfert doch seinen Sohn. Dies steht stellvertretend für die zahlreichen Tode in Kriegszeiten, wo auch andere Menschen für höhere Zwecke hingeopfert wurden. Texte und Musik des Requiems erzählen von massenhaften Tod und millionenfachen Leid. Gegen Ende pulsiert ein grotesker Trauermarsch, der sich mit äußerster Intensität und Spannung steigert. Ein Zittern, Klagen, Aufwirbeln, Widerhallen und Aufglimmen in der Musik erreicht in Paukenschlägen seinen Höhepunkt.

Die türkisch-deutsche Sopranistin Banu Böke tritt bei den lateinischen Passagen ausdrucksstark und anmutig in einen dynamischen Wechselgesang mit dem Chor. Sie kooperierte bereits 2015 mit dem (an der aktuellen War Requiem–Darbietung maßgeblich beteiligten) Bach-Verein-Köln im Rahmen einer Aufführung von Werken des armenischen Nationalkomponisten Komitas Vardapet anlässlich des 100. Jahrestages des (von der Türkei offiziell geleugneten) Völkermordes an den Armeniern. Der englische Tenor James Gilchrist singt die Tenorpartien, die Britten für seinen Lebenspartner Peter Pears schrieb, nuancenreich, mit Intensität und Verve. Das facettenreiche Zusammenspiel von Orchester(n), Chören und Solisten [alle Beteiligten s.u.] hallt noch lange nach. Nach den letzten verklingenden Tönen des bewegenden Stückes geistlicher Musik herrscht im Publikum minutenlanges Schweigen. Brittens monumentales Werk, das als musikalisches Mahnmal und Zeichen gegen das Vergessen das moderne Kriegselend anklagt, hinterlässt einen sprachlos und mitgerissen.



War Requiem in der Kölner Philharmonie | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 13. April 2018 (2)
ID 10639
WAR REQUIEM (Philharmonie Köln, 06.4.2018)
Banu Böke, Sopran
James Gilchrist, Tenor
Erik Sohn, Bariton
Girls' Choir der Kathedrale von Coventry
(Einstudierung: Kerry Beaumont)
Polnischer Nationaljugendchor
(Einstudierung: Agnieszka Franków-Zelazny)
Les Pastoureaux
(Einstudierung: Phillippe Favette)
Jugendchor der Lukaskirche Bonn
Chor des Bach-Vereins Köln
Mitglieder des Orchestre Français des Jeunes
Bundesjugendorchester
Dirigenten: Daniel Spaw (Kammerorchester) und Thomas Neuhoff


Weitere Infos siehe auch: http://www.koelner-philharmonie.de


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