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Kinderoper

Raunende

Waldgeister



Ronja Räubertochter von Jörn Arnecke an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Bewertung:    



Astrid Lindgrens Kinderbuch-Klassiker Ronja Räubertochter (1981) nimmt in Jörn Arneckes gleichnamiger Kinderoper von 2015 verdichtet und klangvoll phantastische Gestalt an. Eindrucksvolle Bühnenbilder zeigen Waldlichtungen mit beweglichen Elementen. Gerade auch für die zahlreichen jüngeren Zuschauer im Publikum bieten sich während eines musikalisch fein instrumentierten, facettenreichen Spiels Gruselmomente und allerlei Schauwertiges. Da bewegen sich auf der Bühne phantasievolle Baumwesen, Steinhaufen, Elfen und kleinwüchsige Rumpelwichte. Hier erklingt auch der eiseskalt fordernde, helle Gesang einer in luftiger Höhe über der Bühne schwingenden Wiltrude (Justyna Samborska). Doch der Reihe nach:

Zu Beginn erblickt während eines tosenden Unwetters Ronja das Licht der Welt. Sie ist die lang ersehnte Tochter des stolzen Räuberhauptmanns Mattis. Doch in der gleichen Nacht wurde die Burg von einem gewaltigen Blitzschlag zerteilt. Als Mattis sich darüber heftig aufregt, beginnt das Neugeborene zu weinen. Es beruhigt sich erst, als seine Mutter Lovis das Wolfslied anstimmt. Schnell wächst Ronja bei der gesetzlosen, aber durchweg sympathischen Räuberbande heran. Sie beteiligt sich leidenschaftlich an munter-einträchtigen Gesängen und wild bewegten Tänzen. Schon bald möchte sie mutig alleine den nahegelegenen Mattiswald erkunden. Obwohl ihr Vater sie eindringlich warnt, bringt sie sich dort jedoch in Gefahr. Sie wird von allerlei Fabelwesen heimgesucht und festgehalten. Vor Schlimmerem bewahrt sie einzig Birk, ein herbeieilender, gleichaltriger Junge. Nach ihrer Rettung stellt sich heraus, dass er einer verfeindeten Räuberbande, den Borkas, entstammt. Obwohl sich die beiden nun streiten, bahnen sie sich alsbald zu zweit ihren Weg aus dem dunklen Mattiswald. Das zarte Band ihrer just entstandenen Freundschaft wird jedoch immer wieder durch Fehden der verfeindeten Sippen auf die Probe gestellt. Die aufkeimende Liebe zwischen Ronja und Birk erinnert hier an Shakespeares Tragödie Romeo und Julia, wohl nur eines der zahlreichen literarischen Vorbilder für Ronja Räubertochter. Wenn Ronja und Birk einander betrachten und in Sopranstimmen feinnuanciert und verschwörerisch einander antworten, halten alle übrigen Figuren in ihrer Bewegung augenblicklich inne. Dann zählen einzig noch das Zusammenspiel und die Freundschaft zwischen Ronja und Birk.

An der Oper Bonn gibt Kathrin Leidig mit lebendigem Ausdruck eine zwischen verträumt und kindlich aufgeweckt agierende Ronja, die stimmlich in hellen Melodien schwelgt und auch mal eindrückliche Akzente setzt. Marie Heeschen verleiht hingegen der Hosenrolle Birks einen jungenhaften Charme, wenn sie als Birk aufmüpfig gegen die Mattisräuber aufbegehrt und im Wechselgesang mit Ronja wohlmoduliert die Harmonie sucht. Der bulgarische Bass Martin Tzonev gibt einen wuchtig-temperamentvollen, mimisch und gestisch ausdrucksstarken Mattis, der mit seinem auch stimmlich wirkungsmächtigen Charme eine ganze Räuberbande für sich einnimmt. Ceri Williams weiß als Lovis mit behutsam-sanftem Mezzosopran auch die Zuschauer nach durchlebten Grollmomenten effektvoll zu befrieden. Michael Seeboth ist schlussendlich als ebenso weiser, wie verschmitzt-genusssüchtiger Glatzen-Per ein wahrer Publikumsliebling. Freitonal sperrige oder melodiös-pointierte Gesangspassagen wechseln mit kurzen, überblickgebenden Sprechmomenten. Neben atmosphärisch-detailreichen Bühnenbildern und der liebevoll prächtigen Kostüm- und Requisitenausstattung sind auch der gut aufgelegte Chor und die meist effektvoll eingesetzten Tänzer erwähnenswert, die Johannes Schmids Inszenierung von Ronja Räubertochter zu einem wahren Ereignis für Groß und Klein werden lassen.




Ronja Räubertochter an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Ansgar Skoda - 9. Juli 2017
ID 10133
RONJA RÄUBERTOCHTER (Oper Bonn, 07.07.2017)
Musikalische Leitung: Stephan Zilias
Inszenierung: Johannes Schmid
Szenische Einstudierung: Johannes Hebsacker
Ausstattung: Tatjana Ivschina
Choreographie: Anna Holter
Beleuchtungseinrichtung: Bernd Winterscheid
Choreinstudierung: Marco Medved
Hauptkorrepetitor: Miho Mach
Besetzung:
Ronja … Kathrin Leidig
Birk … Marie Heeschen
Mattis … Martin Tzonev
Borka - Cornel Frey
Lovis … Ceri Williams
Undis/Wilddrude … Justyna Samborska
Glatzen-Per … Michael Seeboth
Klein-Klipp … Soonwook Ka
Tjegge … Nicholas Probst
Stimmen der Rumpelwichte … Rosemarie Weissgerber und Panagiota Sofroniadou
TänzerInnen: Francesca Perrucci, Phaedra Pisimisi, Adrián Castelló und Olaf Reinecke
Herrenchor des Theater Bonn (sowie Aufnahme Damenchor der Deutschen Oper am Rhein)
Beethoven Orchester Bonn
Uraufführung an der Deutschen Oper am Rhein: 26. Februar 2015
Bonner Premiere: 18. Juni 2017
Weiterer Termin: 09.07.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de


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