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nachDRUCK # 5

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CD-Doppelbesprechung

Kontemporär

und back

to the

roots


Mark Knopfler:
TRACKER

The Rolling Stones:
BLUE & LONESOME


Bewertung:    



Vor Jahren rezensierte ich das Buch Stories von Breece D’J Pancake. Beim Lesen von Artikeln über diesen amerikanischen Autor entdeckte ich, dass sich Mark Knopfler für einen Song von Pancakes Schreibe Inspirierung holte. Das brachte mich dazu, doch wieder bei diesem Gitarristen reinzuhören. Und ich stieß auf sein aktuelles Album Tracker mit Songs, die wirken wie tief verwurzelt im amerikanische Folk und Blues. Knopflers Erfolgsband Dire Straits wurde Ende der 1970er Jahre mit Sultuns Of Swing bekannt. Keiner kam daran vorbei. Gründungsmitglieder der Band waren neben Mark Knopfler sein Bruder David Knopfler und John Illsley und Pick Withers. Mark Knopfler, der Frontman der Straits, spielte sich allerdings mit seinen Gitarrensoli auch weit (zu weit) in den Mainstream. Ich beachtete ihn kaum noch Aber mit Tracker zieht er mich auf einmal in seinen Bann. Vor fünf Jahren spielte Knopfler live on Tour mit Bob Dylan. Dies dürfte ihn vermutlich ganz in Folk- und Bluessounds gebracht haben. Knopfler ist Brite, stammt aus dem schottischen Glasgow, war einige Zeit Journalist und etablierte sich in der Londoner Szene als Musiker. Er klingt nun mit Tracker ungemein amerikanisch.


Songwriting und Literatur

Was Knopfler in seinem achtem Soloalbum thematisiert, ist Lebenszeit: Was im Laufe der Zeit alles war, was im Laufe des Lebens alles passierte. Und die Frage: "Was wird sein?" Zum anderen nennt der 67jährige in einem Interview mit Salon einige Literaten, auf die er seine Arbeit bezieht: Außer Breece D’J Pancake nennt er Basil Bunting, einen exzentrischen Lyriker aus dem Umfeld des "Newcastle Evening Chronicle", und Beryl Bainbridge, eine zu ihren Lebzeiten unterbewertete Autorin und Schauspielerin. Er redet über den Schriftsteller Timothy O’Grady und wendet sich dann Visuellem zu, dem Fotogafen Steve Pyke. Für Knopfler soll Songs aufnehmen im Studio ähnlich sein wie mit einem Malkasten Bilder schaffen in einem Atelier. Die Liner Notes für Trackerschrieb der Literat Richard Ford für ihn. Fiktion und Non-Fikton fließen bei dem Projekt Tracker ineinander. Oder anders: Es ist eine "Kollision von Büchern und Orten".


Musik ohne Filter

Tracker bedeutet Detektiv, Fährtensucher, jemandem oder etwas auf der Spur sein. Tracker gibt sich elitär aber straight. Tracker ist weit in der Songwritertradition Amerikas. Waren Mark Knopflers perfekte Gitarrenlinien immer mal wieder zu glatt, sind sie nun kantiger und schnörkelloser. Der Gitarrist besinnt sich auf Songwriting-Fragmente. Weniger ist mehr. Er tut sogar wie ein Songwriter's Songwriter. Sagt Dinge wie: "Wer weiß, warum man sich an etwas erinnert, die Sachen kommen von überallher." Wenn er annimmt, dass er etwas von Folk und Blues versteht, dann bestätige ich ihm das. Und Knopfler kann auch auf seine Band The Notting Hillbillies verweisen und diverse Kollaborationen mit namhaften Countrymusikern. Mit dabei Emmylou Harris. Er versteht es, aus dem Chaos, das einen im Leben umgibt, herauszufiltern, was für klassische Songs in der Tradition des Amerikanischen Songwriting schon immer Merkmal ist. Etwas herausfiltern für einen Song. So einfach konnte man Songwriting auch beschreiben. Wozu kompliziertere Worte haben!? Lieber in einem Club mit Musik sein. Vom Jahr 1983 an wurde Folk, Blues und Rock mit dem Titel "Ohne Filter" vom SWR in Deutschland präsentiert. Das war für Leute, die auch beim Debut der Straits mehrmals hingehört hatten und die "Down To The Waterline" als Intro nannten und wussten mehr als drei weitere Band-und Songnamen aufzuzählen. Das war für Leute, die nicht nur die Fernsehsendung Rockpalast kannten.


Technik und Feeling

Mark Knopfler, der privilegiert und elitär seine Stücke in besten Aufnahmestudios zusammenbastelt und teuerste Gitarren und Equipmentteile verwendet, tut das alles mit der Geste eines Songwriters, der nicht mehr als eine einfache Akustische besitzt und eine Spur zum Aufnehmen. Dabei ist er Eigentümer der British Grove Studios in London. Sein Gitarrensound, der als laid-back propagiert wurde, hat einen Touch Schwermut und manchmal jazzige Einsprengsel, wenn er sich als Songwriter zeigt. Und dieses leicht Zwiespältige hat das gewisse Etwas. Knopfler produzierte Tracker selbst und arbeitete dabei eng zusammen mit seinem langjährigen Musikerkollegen Guy Fletcher und außerdem mit John McCusker, Mike McGoldrick, Glenn Worf, Ian Thomas und weiteren Gastmusikern. Wer mehr wissen will, muss zuhören. Denn es geht um Songs und Feeling. Keine Erörterung. Einfach Songs.


*


In Mark Knopfler's British Grove Studios haben auch die Rolling Stones 2016 ihr jüngstes Album Blue & Lonesome eingespielt. Die Stones waren immer wieder eine Rockband für das Massenpublikum. Auf Blue & Lonesome spielen der 75jährige Mick Jagger und die Stones jedoch back to the roots astreinen, rohen Blues. Ungeschliffen rauen Sound mit eckigen Riffs, aufgenommen fast ohne Overdubs. Das liegt nicht jedem. Es ihr 23. Studioalbum und besteht aus 12 unkomplizierten Blues-Coverversionen. Außer den Bandmembers Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood und Charlie Watts sind dabei Eric Clapton, Darryl Jones, Matt Clifford, Chuck Leavell und Jim Keltner. Produziert hat Don Was, der schon mit den Who's Who der amerikanischen Country-, Folk- und Rocksszene von Bob Dylan über Glenn Frey bis Bob Seger im Studio oder auf der Bühne war. To be continued. Die jahrzehnte-alten Bluessongs stammen von Buddy Johnson, Howlin’ Wolf, Memphis Slim, Magic Sam, Little Walter, Miles Grayson, Lermon Horton,Eddie Taylor, Little Walter, Otis Hicks, Jerry West, Ewart G. Abner, Jimmy Reed und Willie Dixon. Der urbane Blues entstand ab den 1920er Jahren. In den 40er Jahren wurde der ländliche Delta Blues in Chicago elektrifiziert. Wer hört heute noch Chicago-Blues? Es ist fast wie Zeitversetztung in die 40er, 50er und 60er Jahre. In den Sixtieth fing der Bluesrock, Rhythm and Blues und Rock'n'Roll der Stones an. Mit dem aktuellen Blue & Lonesome sind sie wieder bei Blues-Standards. Traditionell und kontemporär.


* *


Namedropping im Diskurs

Dass man mit Mark Knopfler immer auch nah am Mainstream ist, zeigt seine Nominierung für den Echo 2016 , eine Auszeichnung der Deutschen Phono-Akademie, die nicht nur nationale Pop-Stars sondern auch internationale Musiker präsentiert. On the road. Business. Show. Sold Out.

Musiker, die im Studio oder auf der Bühne mit Mark Knopfler und den Dire Straits zusammenspielten, sind u.a. Hal Lindes, Terry Williams, Jack Sonni, Omar Hakim, Mel Collins, Chris White, Phil Palmer, Chris Whitten, Danny Cummings und Paul Franklin. Diese wiederum fand man bisher in der Folk-, Blues-und Jazzszene mit Bands und Musikern wie Lindisfarne,The British Blues All Stars, Fish, Rockpile, Weather Report, George Benson, Clannad, Alexis Corner, Bad Company, Camel, Alvin Lee, Wishbone Ash, Eric Clapton, Johnny Cash, Rodney Crowell oder John Martyn. Credits. Reputation. Blues-Sound. Jazzrock. Folkdays.
Tina Karoline Stauner - 22. Februar 2017
ID 9866
Mark Knopfler | Tracker, 2015
(Virgin / Verve / Universal Music)
http://www.markknopfler.com

Rolling Stones | Blue & Lonesome, 2016
(Polydor Records / Universal Music)
http://www.rollingstones.com


Weitere Infos siehe auch:


Post an Tina Karolina Stauner

tkstauner.blogspot.com

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