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Besprechung

Die African Angels beim Sommerfestival in der Kölner Philharmonie



Bewertung:    



Die ersten beiden Stücke – "Anvil Chorus" aus Il Trovatore von Verdi und "Waltz" aus Faust von Gounod wurden so gesungen, wie man es von einem europäischen Opernchor erwartet hätte. Nein, eigentlich doch nicht, denn die Wucht der Stimmen hat uns als Publikum fast weggefegt. Das afrikanische Weihnachtsanthem "Come, Colours Rise" wurde dann genau so intensiv, aber auch sehr zärtlich gesungen. Das war dann auch programmatisch für den Rest des Repertoires, das mit ungewöhnlich viel Gefühl und Leidenschaft vorgetragen wurde. Irgendwie bekam man die Geschichte Südafrikas in den Kopf. Bei dem Spiritual "Battle of Jericho" konnte man glatt meinen, dass der Chor an den Mauern von Jericho hämmern würde, stellvertretend für den Kampf gegen die Apartheid. Bei "Homeward Bound" war es dann ganz klar, dass die Südafrikaner von ihrer Geschichte sangen: Mit Textstellen wie "Binde mich nicht an die Weide, fessle mich nicht an den Pflug oder Lass mich frei, damit ich meine Berufung finden kann" war klar, dass solche Bezüge durchaus beabsichtigt waren. Das galt auch für "Weeping" von Heymann, in dem es um Feuer und Gewehre geht. In die „Halbzeitpause“ wurden wir dann mit hoffnungsfrohen Tönen geschickt. Mit den Gospels "Oh Happy Day" und "Ev'ry Time I Feel the Spirit" demonstrierte der Chor die Kraft, die von der Spiritualität ausgeht.

Auch die zweite Hälfte war eine Mischung aus europäischer Oper, Gospel und afrikanischen Traditionals. Drei Titel aus Gershwins Porgy and Bess schlugen auch eine Brücke zur US-amerikanischen Oper. Obwohl dies kaum möglich schien, konnten sich die African Angels noch steigern. Bei "Marabini", das zu Ehren von Nelson Mandela gesungen wurde, erreichten sie spätestens die Herzen des Publikums. Als sie dann den "Chorus of the Hebrew Slaves" aus Nabucco von Verdi sangen, war es fast zu hören, dass sie die „Sklaverei“ der Apartheid nachempfanden. Mit dem Champagner-Lied aus der Fledermaus von Johann Strauß und einigen Zugaben für das stehende und tobende Publikum beendeten die African Angels den Premierenabend.




© Lucienne van der Mijle

© Lucienne van der Mijle

Erst fingen sie ganz langsam an... © Lucienne van der Mijle



Als 1994 die Apartheid in Südafrika endete, träumte Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident Südafrikas, vom Zusammenwachsen der Regenbogennation, die aus Schwarzen, Weißen, Farbigen und Asiaten vieler Ethnien bestand. Südafrika ist darin nicht nur Vorbild für ganz Afrika, sondern für die ganze Welt. Die Anteilnahme der Welt, als Mandela 2013 starb, zeugt von seinem nachhaltigen positiven Einfluss. Doch die Wunden sind tief und die Einschränkungen, Schikanen und Gewalttätigkeiten, die die nicht-weißen Südafrikaner erlitten haben, sind noch lebhaft im Gedächtnis. Die African Angels singen also von Dingen, die sie selbst erlebt haben oder von denen sie emotional betroffen sind. Im Presseheft heißt es: „Die meisten Chormitglieder der Cape Town Opera stammen selbst aus den Armenvierteln Südafrikas, haben die Unterdrückung durch das Apartheidsregime noch als Kinder selbst miterlebt und haben es als Schwarze und Coloureds eben doch geschafft – von den Townships auf die Bretter, die die Welt bedeuten.“

Darin sind sie Vorbild: Die Cape Town Opera ist eine Talentschmiede, die gezielte Nachwuchsförderung betreibt. Die African Angels verstehen sich durchaus als eine Art Botschafter für Südafrika, dessen „Mission Regenbogennation“ hier wunderbar gelungen ist, denn auch die Vielfältigkeit der Stücke spiegelt die Buntheit des Regenbogens wider. Die Beleuchtung der Bühne und die Gesichter der Chormitglieder übrigens auch. In die „Farbpalette“ des Repertoires gehören deshalb auch ganz wichtig Stücke aus europäischen Opern, eine Kultur, die den schwarzen Südafrikanern einerseits lange Zeit vorenthalten wurde, zum anderen hat aber die Annahme des Kulturguts der Weißen einen versöhnlichen Aspekt. Da es viele Soli mit unterschiedlichen Interpreten gab, trug auch das erheblich zum Schillern bei.

Insgesamt war es ein wahrer Regenbogenabend mit 18 Solisten, einer Trommel, einem Piano und dem Musical Director José Dias, die zu einem harmonischen Ganzen zusammengeschmolzen sind.


Helga Fitzner - 11. Juli 2014
ID 00000007956
Das Sommerfestival in der Kölner Philharmonie besteht in der Regel aus drei bis vier internationalen Events. Drei weitere finden bis einschließlich 17. August 2014 statt.

Alvin Ailey American Dance Theater vom 15. bis 27. Juli 2014

Brasil Brasileiro vom 29. Juli bis 10. August

The Lost and Found Orchestra vom 13. bis 17. August 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.bb-promotion.com/koelner-sommerfestival/


Post an Helga Fitzner



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