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Festival

Zwei andere

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Catherine Christer Hennix entwickelt Konzepte von Klang und Licht, die unmittelbar und ohne theoretischen Überbau unsere Gefühle beeinflussen. Genauso wie auf die Präsenz von Klängen legt sie Wert auf die Abwesenheit von bestimmten Frequenzen im speziellen Aufführungsraum.

Das ehemalige Krematorium in Wedding wurde zwischen 1909 und 1910 als erstes Krematorium der Stadt erbaut. Das Herzstück des Gebäudekomplexes ist die 17 Meter hohe Trauerhalle mit achteckigem Grundriss und pyramidenförmigen Mansardendach - ca. 200 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss, ca. 63 Quadratmeter Balkonfläche, eine ideale Spielwiese für Hennix’ Klanginstallationen. Schon seit den 1960er Jahren entwickelt sie ihre Klangräume. Eine präzise mikrotonale Intonation versucht die kognitiven Eigenschaften der Zuhörer in die Aufführung einzubeziehen. Auch Traditionen sakralen Musik wie zum Beispiel in der Gregorianik arbeiten mit bewusstseinsverändernder Klang- und Lichtproduktionen, gerade in Bezug auf Licht denke man nur an die Lichtinszenierung in gotischen Kathedralen. Raag Surah Shruti ist eine elektronisch-instrumentale Komposition. Anklänge an die mystischen Traditionen des Islam scheinen hörbar, eine eigenartige Stimmung der Transzendenz. Die größtenteils auf Teppichen am Boden sitzenden Zuhörer werden langsam ruhiger und ruhiger, erleben physisch den Raumklang.

*

Ein ganz anderer Ort erwartet die Festivalgemeinde am Freitagabend. Die Parochialkirche im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte ist eine Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien Das ab 1695 erbaute Gebäude ist die älteste Kirche der reformierten Gemeinde Berlins. Gerade erst wurde wieder eine der vielen Kriegszerstörungen beseitigt und der Kirche der historische Turm neu aufgesetzt. Im Innenraum kann man von der Pracht des von Johann Arnold Nering geplanten und von niederländischen und italienischen beeinflussten Sakralraumes heute nicht mehr viel erkennen. Rohe Ziegelwände bestimmen den Raumeindruck. Einzig ein in der Höhe schwebendes Eisenkreuz, geschaffen 1961 vom Kunstschmied und Metallbildhauer Fritz Kühn, zeugt vom sakralen Ursprung des Raumes.

Zwei Werke aus unterschiedlichen Denkschulen des 20. Jahrhunderts stehen auf dem Programm: Mit Le Noir de l‘Étoile von Gérard Grisey steht eine beeindruckende Arbeit des französischen Spektralisten auf dem Zettel. Pulsare – Erscheinungen aus der Astronomie – bilden darin den Ausgangspunkt für ein Stück für sechs Schlagwerker. Rotation, Periodizität, Verlangsamung und Beschleunigung sind die Stilmittel dieser monumentalen Komposition. Die Parochialkirche ist der ideale Aufführungsort: die sechs Schlagzeuger sind kreisförmig im als Zentralraum organisiertem Kirchengrundriss verteilt. Die Zuhörer sitzen in der Mitte, man hat jeweils einen Schlagzeuger im Rücken. Die anderen fünf kann man nicht nur hören, sondern auch sehen. Ziemlich physisch wird die Musik in den Tuttis, einige Zuhörer machen von den ausgereichten Ohrstöpseln gebrauch.

Alvin Luciers Stück Clocker, mit dem der Abend beginnt, arbeitet mit Uhren und Metronomen. Für MAERZMUSIK hat der amerikanische Komponist eine neue Version seiner auf Biofeedback aufbauenden Raumkomposition aus dem Jahr 1978 erstellt. Das Werk wird vom Komponisten selbst und live imaginiert. „skin galvanic response sensor and digital delay system“ – was immer man sich darunter vorstellen soll? Jedenfalls sitzt Lucier in der Mitte, hat irgendwas in den Händen und zelebriert ein eigenartig knackendes Stück. Der Klang ist auf ganz wenige Farben reduziert, die Aktionen leben vom Rhythmus und vom Takt und schließen damit einen schönen Kreis zum Spektralisten Gérard Grisey.




Alvin Lucier | (C) Kai Bienert

Steffen Kühn - 25. März 2017
ID 9935
Hennix II (silent green Kulturquartier, Kuppelhalle | 22.03.2017)
Catherine Christer Hennix: Raag Surah Shruti für Stimme, Tamburium und Ensemble (2017) UA
Catherine Christer Hennix, Stimme & Tamburium
Chora(s)an Time-Court Mirage:
Amir ElSaffar, Trompete
Paul Schwingenschlögl, Trompete, Flügelhorn
Robin Hayward, Mikrotonale Tuba
Hilary Jeffery, Posaune
Elena Kakaliagou, Horn

Stefan Tiedje, Klangregie & Computer-Programmierung

Le Noir de l’Étoile (Parochialkirche, 24.03.2017)
Alvin Lucier: Clocker for amplified clock, performer with galvanic skin response sensor and digital delay system (1978–1988/2017) UA der Neufassung
Gérard Grisey: Le Noir de l’Étoile für sechs räumlich verteilte Schlagzeuger, Tonband und Sprecher (1989/1990)
Alvin Lucier, Performer
Hauke Harder, Klangregie
Les Percussions de Strasbourg:
Minh-Tam Nguyen, François Papirer, Galdric Subiran, Théo His Mahier, Florent Duverger und Thibault Weber
Wolfgang Korb, Sprecher
Frederic Prin, Klangregie
Laurent Fournaise, Licht & Bühne


Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinerfestspiele.de


Post an Steffen Kühn

http://www.hofklang.de

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