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Premierenkritik

Nils Strunks und Lukas Schrenks

musikalische und textliche Umdeutung

von Mozarts Opern-Hit in einer

Neuinszenierung von Yvonne Kespohl

DIE ZAUBERFLÖTE. THE OPERA BUT NOT THE OPERA am Hans Otto Theater Potsdam

Bewertung:    



2023 haben der Schauspieler und Musiker Nils Strunk und der Autor Lukas Schrenk Mozarts 1791 in Wien uraufgeführte Oper Die Zauberflöte für das Burgtheater Wien als Bühnenstück mit moderner Musikbegleitung adaptiert. Schrenks neuer Text dreht Schikaneders Libretto auf links und auch Strunks Musik lässt Mozarts Opernmelodien nur noch in einigen wenigen Takten anklingen. Die Zauberflöte. The Opera but not the Opera wird nun im Potsdamer Hans Otto Theater zum zweiten Mal nach der erfolgreichen Wiener Unraufführung nachgespielt. Die Regisseurin Yvonne Kespohl hat die Besetzung mit 6 DarstellerInnen in 11 Rollen beibehalten, und Fabian Kuss mit seiner Band "Die Drei Vier Knaben" begleiten den Abend mit einer Mischung aus Rock, Pop und bluesigen Balladen. Da klingt es zum Beispiel nach Queen, wenn Prinz Tamino (Arne Lenk) in kurzen Hosen „Mama, just killed a snake“ singt, oder Papageno (Jan Hallmann) zu Falkos Amadeus-Hit „Papageno, Papageno“ schmettert.

Das hat schon im Beginn viel Klamauk und Slapstick als die Flitterkanone des von Jan Hallmann gespielten Erzählers nicht gleich zünden will. Danach gibt es aber immer wieder Szenenapplaus nach den natürlich live intonierten Songs, die sich wie die Handlung an den klassischen Opernplot anlehnen, aber ganz passend zum Popidol Mozart mehr nach Musical oder Rockoper klingen. Hat sich Strunks Wiener Uraufführung noch am Vaudevilles, Varieté und düsteren Prater-Straßentheater orientiert, so geht die Fassung von Kespohl & Kuss eher ironisierend ans Werk. Das zeigt sich schon im Bühnenbild und den Kostümen von Mariam Haas und Lydia Huller. Mozarts mythischer Handlungsort Ägypten teilt sich auf der Drehbühne in klassische Säulenportale mit Klapptüren, Pappfelsen, flache Katzenskulpturen und einen gefliesten ägyptischen Imbiss. Zauber und Magie im Rahmen einer billig wirkenden Als-Ob-Kulisse.

Reine Geldnot (die über hiesigen Theaterhäusern immer häufiger wie ein Damoklesschwert zu hängen scheint) ist auch der Grund jener kleinen Theatertruppe aus Strunks Stück, die unbedingt einen Kassenschlager zum Überleben braucht, sich an Mozarts berühmtes Opernwerk zu wagen. Der Sparzwang bedingt auch die Mehrfachbesetzungen. Nur Arne Lenk als Prinz Tamino darf in einer Rolle bleiben. Die fünf anderen MitstreiterInnen müssen doppelt oder sogar dreifach ran. Auch gegen hehres Opernpathos und verstaubte Rollenkonstrukte spielt das Ensemble tapfer chargierend an. Aus dem heldenhaften Tamino wird ein von seinen Gefühlen etwas verunsicherter Möchtegern. Daneben ist Papageno auch hier ein dauerplappernder lustiger Gesell. Ihnen gegenüber hat das Stück die Frauenfiguren stark aufgewertet.

Marina Frenk (aus dem Ensemble des Berliner Gorki Theaters), Charlott Lehmann und Chenoa North-Harder spielen ein resolutes Damentrio. Jeder der drei glänzt noch in einer anderen Rolle. Chenoa North-Harder gibt eine taffe Prinzessin Pamina, die sich von ihrer Mutter, der Königin der Nacht, emanzipieren muss. Marina Frenk geht in dieser Rolle nicht nur stimmlich in die Vollen. Das hohe C in der verpoppten Koloratur-Adaption kommt ebenso gut, wie ihr knalliger mit philosophischen Buzzwords durchsetzter Wutmonolog über toxische Romantik in Mozarts Oper, als hysterisch verschriene Frauen und die Ungereimtheiten in Schikaneders Libretto. Charlott Lehmann wechselt von der Zweiten Dame mühelos in das Fatsuit-Kostüm eines weißen Hasen und deutet den Sarastro-Diener Monostatos zum Kuschelmonster um. Seinem Herrn verleiht Joachim Berger seinen wohlklingend tiefen Bass.

Natürlich geht es auch um die Macht der Musik und der Liebe und die Prüfungen, die Tamino und Papageno zu bestehen haben, um in den Kreis der "Eingeweihten" aufgenommen zu werden. Das Freimaurermotiv Mozarts von Weisheit und Vernunft steht hier aber nicht im Vordergrund, sondern eher die Befreiung der Jugend von den Selbstgewissheiten der Elterngeneration. Ansonsten ist der Abend mehr großer Spaß für die ganze Familie als tiefschürfendes Bildungstheater. Und auch wenn es für einen musikalischen Dauerbrenner am Hans Otto Theater nicht ganz reichen wird, lässt sich‘s gut mitsummen.




Die Zauberflöte. The Opera But Not The Opera am Hans Otto Theater Potsdam | Foto (C) Thomas M. Jauk


Stefan Bock - 18. März 2026
ID 15758
DIE ZAUBERFLÖTE. THE OPERA BUT NOT THE OPERA (Hans Otto Theater Potsdam, 14.03.2026)
von Nils Strunk und Lukas Schrenk, frei nach Mozart und Schikaneder

Regie: Yvonne Kespohl 
Musikalische Leitung: Fabian Kuss 
Bühne und Kostüme: Mariam Haas und Lydia Huller 
Dramaturgie: Christopher Hanf
Besetzung:
Tamino ... Arne Lenk
Pamina, Dritte Dame ... Chenoa North-Harder
Papageno, Erzähler ... Jan Hallmann
Königin der Nacht, Erste Dame ... Marina Frenk
Papagena, Monostatos, Zweite Dame ... Charlott Lehmann
Sarastro, Priester, Schlange ... Joachim Berger
Fabian Kuss (Band, Drei Knaben, Gitarre, Synthesizer, Gesang)
Stephan Pfaff (Bass)
Sebastian Strahl (Klavier, Synthesizer)
Nikolai Petersen (Schlagzeug)
Premiere war am 14. März 2026.
Weitere Termine: 19., 25., 26., 27.03./ 12., 24., 26.04./ 17., 24.05.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.hansottotheater.de/


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