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TIROLER FESTSPIELE ERL | Sommer 2026

Tod einer

ägyptischen

Königin und einer

Klosterschwester

CLÉOPÂTRE und SUOR ANGELICA

Cléopâtre von Berlioz bei den Tiroler Festspielen Erl | Foto (C) TFE/Xiomara Bender

Bewertung:    



Von allem etwas, für jeden etwas. So könnte man das Programm der diesjährigen Sommer-Festspiele in Erl beschreiben. Es gibt u.a. eine Matinee, Klavierkonzerte, einen Abend mit einer Zirkustruppe aus Australien, eine Lesung mit Musik, einen Musikfilm, eine Wagner-Oper und eben diesen zweigeteilten Abend mit Berlioz' Cléopâtre und Puccinis Suor Angelica.

Cléopâtre ist keine Oper, sondern eine 23-minütige lyrische Szene. Sie zeigt den Suizid der ägyptischen Königin, nachdem sie ihren letzten Kampf gegen den römischen Herrscher Oktavian, den späteren Kaiser Augustus, verloren hatte. Abhängig von guten Beziehungen zu Rom ging sie zunächst eine Beziehung mit Cäsar ein und später mit Antonius. Nachdem dieser aber von seinem Konkurrenten Oktavian besiegt wurde und sich tötete, musste Kleopatra befürchten mit ihren Kindern in einem Triumphzug nach Rom gebracht zu werden. Dieser Schmach wollte sie sich entziehen.

Als sich der französische Komponist Hector Berlioz (wieder einmal) um den begehrten „Prix de Rome“ der Pariser Académie des beaux-arts bewarb, musste er das vorgegebene Libretto über den Tod der ägyptischen Königin vertonen. Er wurde abgelehnt, auch wenn man später sein Werk als „seiner Zeit voraus“ betrachtete.

Um es gleich zu sagen, es baut sich kein Spannungsbogen auf, dafür ist das Stück zu kurz und voraussehbar. Trotzdem hört man der großartigen Sängerin Véronique Gens gebannt zu. Stimmlich und in ihrem dramatischen Ausdruck ist die Sopranistin überragend. Eine Sängerin auf dieser riesigen Bühne - wie das funktionieren kann, hat Bühnenbildner Antony McDonald bewiesen. Er schuf ein kleines fensterloses Verlies, in dem die Verzweiflung dieser einst berühmten Herrscherin spürbar wird. Umsorgt wird sie von ihren beiden (stummen) Dienerinnen. Eine davon hält die Sterbende schließlich in den Armen. Wie das Bildnis einer Pietà.

So endet auch Suor Angelica. Und erst in diesem zweiten Teil kann Dirigent Edward Gardner und das Orchester der Tiroler Festspiele Erl zeigen, was es kann. Giacomo Puccinis einaktige Oper wirkt musikalisch viel ausgereifter.

Die in einem Frauenkloster spielende Handlung wird durch ein Glockenmotiv eingeleitet, das Puccini auch im ersten Akt der Tosca eingesetzt und zu einem kirchenmusikalischen Symbol der Oper gemacht hat.

Im ersten Bild sieht man die Klosterschwestern, ganz in Weiß gekleidet, bäuchlings auf dem Boden liegen. Zeichen ihrer Demut und auch Zeichen der Erniedrigung, der sie immer wieder ausgesetzt sind. Regisseurin Deborah Warner, die auch den ersten Teil inszeniert hat, kann sich hier stärker ausleben. Es ist richtig bitter mitzuverfolgen, wie die jungen Frauen für kleinste Vergehen (Lachen in der Kirche) streng bestraft werden und sie selbst ernsthaft mit ihren harmlosen Wünschen (noch einmal ein Lämmchen sehen) hadern.

Der einzige Wunsch Schwester Angelicas ist es, Nachricht von ihren Verwandten zu bekommen. Einst hatte sie ihr uneheliches Kind, mit dem sie große Schande über die Familie gebracht hat, zurücklassen und in ein Kloster eintreten müssen. Schließlich kommt die Fürstin, ihre Tante, aber nur um ihr das Erbe abzutrotzen und ihr gleichzeitig zu berichten, dass Angelicas Sohn schon vor längerer Zeit verstorben ist. Die Fürstin ist die einzige für eine tiefe Stimme geschaffene weibliche Hauptrolle in Puccinis Werk. Alice Coote verkörpert sie ganz hervorragend, kalt abweisend, doch mit leichten Brüchen in ihrer Härte.

Aber der Star ist Corinne Winters, stimmlich und schauspielerisch mitreißend. In dieser Oper hört man nur Frauenstimmen, und es entsteht ein sehr lichter Klang, vor allem als zum Schluss Engelschöre erklingen, die Madonna und die Engel vom Himmer herabsteigen, um die sterbende Angelica wieder mit ihrem Sohn zu vereinen.

Es wäre vielleicht keine schlechte Idee gewesen, diesem Operneinakter noch einen zweiten aus Puccinis Trittico hinzuzufügen, als auf die lyrische Szene zu Beginn zu setzen.

Das Publikum spendete jedenfalls wie immer tosenden Beifall. Daran erkennt man auch, wie sehr sich die TIROLER FESTSPIELE ERL in der Region etabliert haben.



Suor Angelica von Puccini bei den Tiroler Festspielen Erl | Foto (C) TFE/Xiomara Bender

Isabella Schmid - 5. Juli 2026
ID 15936
CLÉOPÂTRE & SUOR ANGELICA (Festspielhaus Erl, 03.07.2026)
von Berlioz & Puccini

Musikalische Leitung: Edward Gardner
Regie: Deborah Warner
Bühnenbild und Kostüme: Antony McDonald
Licht: Urs Schönebaum
Bewegungscoach: Lucy Burge
Besetzung:
Cléopâtre ... Véronique Gens
Schwester Angelica ... Corinne Winters
Die Fürstin ... Alice Coote
Die Äbtissin ... Elena Zilio
Schwester Eiferin ... Enkelejda Shkoza
Die Lehrmeisterin ... Marta Pluda
Schwester Genoveva ... Christina Gansch
Schwester Osmina ... Maria Knihnytska
Schwester Dolcina ... Anna Cavaliero
Schwester Pflegerin ... Sayumi Kaneko
1. Almosensucherin ... Zoe Hippius
2. Almosensucherin ... Antonia Salzano
1. Novizin ... Chiara Polese
1. Laienschwester ... Tamar Otanadze
2. Laienschwester ... Vera Maria Bitter
Maryam Abu Khaled und Sabeen Saeed Ritter, Schauspielerinnen
Kinderchor der Schule für Chorkunst München
Chor der Tiroler Festspiele Erl
Orchester der Tiroler Festspiele Erl
Premiere bei den TIROLER FESTSPIELEN ERL: 3. Juli 2026
Weitere Termine: 10., 19.07.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.tiroler-festspiele.at


Post an Isabella Schmid

Premieren Musiktheater

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