Shlomi &
Katharina
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Bildquelle: ballhausost.de
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Bewertung:
Der in Israel geborene und seit 2012 in Berlin lebende und arbeitende Shlomi Moto Wagner - "interdisziplinärer Performer*, ausgebildeter Opernsänger*, Komponist*, Author* und Dragqueen a.k.a. Mazy Mazeltov, der*die klassische Musik und Formen mit Popkultur und queerer Mythologie auflädt und neu zusammensetzt" - hat sich jetzt einen Spaß gemacht und seinen Namensvetter Richard Wagner (1813-1883), den größten antisemitischen Dichterkomponisten aller Zeiten, in den weitverzweigten Stammbaum seiner jüdischen Familie nachträglich integriert und eine bis dahin völlig unerforschte, von Shlomi aber mittels diverser Beweise belegte Queer-Verbindung de facto ausgemacht; wir lesen diesbezüglich:
"Richard Wagner ist eine Drag Queen, und Shlomi Moto Wagner’s Urgroßvater war ihre Drag-Mutter. Gemeinsam teilen sie nicht nur familiäre Wurzeln, sondern auch ein Drag-Erbe im jüdischen House of Mazeltov. Diese pseudo-dokumentarische Musiktheater-Performance gräbt nach vergessenen Gerüchten und verdrängten Fakten über Wagners Persönlichkeit: seine Obsession mit Rosa, die skandalösen Satin-Bestellungen, und die Frage, ob das Verstecken seiner Wünsche mit dem Hass zusammenhängt, den er zugleich in die Welt projizierte." (Quelle: ballhausost.de)
Und so telefoniert er (kurz nachdem er sich die Figur der zweiten RW-Gattin Cosima zueigen machte) mit seiner Mutter, die ihn aus Israel anruft, wahrscheinlich auch weil sie sich nicht ganz unberechtigte Sorgen um ihn macht; sie hat dann schon längst mitgekriegt, mit welcher Verbissenheit er in puncto RW forscht, und freilich versteht sie nur Bahnhof, was er eigentlich damit bezweckt etc. pp., ja und was wüsste sie am Ende überhaupt, wer dieser RW ist, es ist ihr höchstwahrscheinlich scheißegal... aber egal, der reinweg menschliche Kontakt sprich das befürsorgende Element von Mutter zu Sohn und/ oder umgekehrt geht halt dann immer über alles; und auf Jiddisch sowieso!
Was ich im Übrigen bis dahin noch nicht wusste - und obgleich ich mich seit meiner frühen Jugend mit dem mich aufs Ungesundeste berauschenden und gleichsam tödlich nervenden Gesamtwerk des RW beschäftige - , waren und sind die von dem Shlomi unerschütterlich als Queer-Beweise angemahnten Briefe des sein Dragqueen-Dasein Überführten an das Frl. Bertha Goldwag, welche ihrerseits zwischen 1863 und 1871, als RW in Wien vorübergehend exilierte, dem so Überführten rosarote Schals und seidenweiche Kleider zurechtkonfektionierte; sie war nämlich eine Putzmacherin (dt.: Schneiderin) und musste ständig ihrem Macherlohn hinterherhecheln; der Betroffene galt Zeit seines Lebens als einer der berühmtesten Schuldner, und er konnte von Glück reden, dass ihm der manisch anhimmelnde Bayernkönig bis zu dessem Freitod großzügig unter die Arme griff - das Projekt der Bayreuther Festspiele konnte erst gestartet werden, nachdem es Ludwig II. ausgiebig bevorzuschusste usw. usf.
Apropos Bayreuther Festspiele:
Shlomi hatte und hat selbstredend die beweiskräftigen Ergebnisse seiner genealogischen Ermittlungen der derzeitigen Festspielleiterin Katharina Wagner in mehreren Emails kommuniziert und bestand infolgedessen auch darauf, als ordentliches Mitglied der Dichterkomponisten-Family aufgenommen zu werden. Ewig kam keine Antwort, bis schließlich (gestern Abend!) der so sehnlichst erwartete Live-Chat mit RW's angestammter Urenkelin stattfand, und mehr noch: Sie bot ihm sogar die künstlerische Leitung der Festspiele an - nein, war und ist es möglich??!!
Hammer-Gag.
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Shlomi Moto Wagner | (C) Alejandro Spano; Bildquelle: ballhausost.de
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So ungefähr, in dieser leichtgläubig-leichtfüßigen Art und Weise, zog sich das knapp anderthalb Stunde hin.
Und Shlomi sang dann freilich auch.
Bei seinem perfektionistischen Playback von Isoldes Liebestod vermeinte ich ihn gar selbst singen zu hören, jedenfalls sah es so aus; absolut!
Das tuffige Interieur und die vielen sachdienlichen Videoschnipsel hierauf kreierte Alejandro Spano, die fulminanten Kostüme entwarf Michel Wagenschütz, Technik und Lichtdesign besorgte Jones Seitz, und als Co-Regisseurin und Dramaturgin stand Anne Welenc dem Shlomi bei.
Superb.
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Andre Sokolowski - 30. November 2025 ID 15582
RICHARD WAGNER - THE DRAG QUEEN (Ballhaus Ost, 28.11.2025)
Künstlerische Leitung, Text, Musik, Regie und Performance: Shlomi Moto Wagner
Co-Regie und Dramaturgie: Anne Welenc
Technik und Lichtdesign: Jones Seitz
Video und Raum: Alejandro Spano
Kostüm: Michel Wagenschütz
Künstlerische Assistenz: Reut Shaibe
Premiere war am 28. November 2025.
Weitere Termine: 29., 30.11.2025
Eine Produktion von Shlomi Moto Wagner und The House of Mazeltov in Kooperation mit dem Ballhaus Ost
Weitere Infos siehe auch: https://www.ballhausost.de
https://www.andre-sokolowski.de
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