| Ring 10010110 - vom Mythos zum Code
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"Belohnung"
am Schluss
GÖTTERDÄMMERUNG
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Szenische Bewertung:
Vorab sei erwähnt:
Die Idee, den wegen des 150. Jubiläums der BAYREUTHER FESTSPIELE einmalig angesetzten Ring des Nibelungen (der ja bekanntermaßen eine große Verlegenheitslösung war, weil halt das Geld für weitaus "Größeres" fehlte) als experimentelles Totaltheater mittels Künstlicher Intelligenz auszugestalten, war an sich allerehrenwert und hätte auch zu 4fach großartigen Resultaten führen können, hätten die hierfür zuständigen KI-Spezialisten inkl. ihres Kurators Marcus Lobbes es richtig gut gemacht - da versagten sie aber leider, leider, leider auf das Kläglichste, denn:
Sie schwängerten die KI, die sie in einem geschlossenen also de facto von ihnen kontrollierbaren System [Problem Nr. 1] anlegten, mit tausenden Bildern und Informationen, deren von ihr zu beackernde Mittelpunkte alle möglichen Bühnenbider oder -entwürfe (sofern sie als Fotos oder Zeichnungen rechtefrei verfügbar waren) betrafen; darüber hinaus speisten sie anderweitiges historisches Bildmaterial ein, mit dem die KI, wenn es ihr an irgendeiner Stelle des RINGs zu passen schien, zeitgeschichtliche Querverweise zur damaligen bis heutigen Zeit herstellte - in der abschließenden Götterdämmerung war das z.B. ein Wink mit Zaunspfahl zum damaligen Start des europäischen Schengenraumes oder auch bloß das eine oder andere Personenfoto (Adenauer, Reagan, Gorbatschow etc.pp.); und statt der tausenden hätten sie womöglich zehn- oder hunderttausende "Materialkrümel" an die KI verfüttern müssen, um ihr mehr Auswahl & Abwechslung zu gönnen, denn das, was die KI-Fuzzies ihr einimpften, war halt viel, viel, viel zu wenig [Problem Nr. 2], also wiederholte sie sich permanent, und das Muster, wie sie arbeitete, war von Anfang an total durchschaubar, und demnach ward es zum Gähnen langweilig, absolut frei von wirklich verblüffenden visuellen Überraschungen und nervte aufs Barbarischste!.
Ja und den "Lohn" für ihre kuratierte Stümperei vernahmen die Macher vor dem Schlussvorhang - und so ein Buhgewitter hatte ich, seitdem ich von den Festspielen berichte, nie zuvor erlebt, auch nicht beim guten alten Castorf und auch nicht beim Gute-Laune-RING von Jungsporn Valentin - - apropos: Die zwei besagten Inszenierungen wurden dann ebenso zitiert (Hagens Mannen um die Dönerbude sowie Brünnhilds rosaroter Kleiderumhang) wie das Klettergerüst bei Kupfer/Schavernoh, die schwebenden Scheiben von Wieland Wagner, Industrie & Eisen bei Chereau/Peduzzi usf.
[Problem 3:] Die Geschlossenheit des Systems - - - und falls ich das jetzt weiterdenken sollte, müsste ich sagen, dass der Reiz eines derartigen Experiments darin gelegen haben könnte, das System zu öffnen, d.h. dass die KI ungehinderten Zugriff zu allen ihr verfügbaren RING-Infos im weltweiten Netz hätte haben müssen, um nach Lust und Laune mit ihnen herumzujonglieren; doch was das bedeutet, wenn man so ein Ungetüm (= KI) unkontrolliert loslässt, wurde erst neulich klar, als sie sich in eine andere (angeblich systemgeschlossene) hineinhackte...
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Ring 10010110 - vom Mythos zum Code: KI-generiertes Klettergerüst in der 1988er Harry-Kupfer-Inszenierung - in der Götterdämmerung der BAYREUTHER FESTSPIELE 2026 Foto (C) Enrico Nawrath
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Musikalische Zusammenfassung:
Bin inzwischen wieder mit der Stimme und dem darstellerischen Habitus von Klaus Florian Vogt (als Siegfried) mehr als versöhnt - er wäre wahrscheinlich auch, wenn Kent Nagano ihn terminlich gekriegt hätte, die Idealbesetzung für diese Rolle im "historisch informierten" Zyklus von 2021 bis dieses Jahr gewesen.
Mit Sicherheit hätte er (Nagano) allerdings Abstand genommen von Camilla Nylund (als Brünnhilde), die zwar bestechend scharfe Spitzentöne herauszuschleudern in der Lage war, allerdings immer mehr und immer unsäglicher vibriert; ob sie das selber als für sich störend empfindet? wahrscheinlich nicht.
Mika Kares (als Hagen) hatte großartige Momente, als er seine Mannen zusammenrief und diesbezüglich immer hörbarer wurde! Bei ruhigeren Abschnitten wirkte er bemerkenswert in seiner Lautstärke "zurückgedreht".
Dass die Waltraute zu Christa Mayers Glanzpartien zählt, konnte man an ihrer ausschweifenden Schwesternbegegnung glaubhaft nachvollziehen.
Michael Kupfer-Radecky (als Gunther), Magdalena Hinterdobler (als Gutrune) und Jochen Schmeckenbecher (als Alberich): auch nicht zu verachten.
Der Festspielchor brillierte stimmgewaltig und mit gesanglicher Akkuratesse im Zweiten Aufzug.
Christian Thielemann legte mit dem Festspielorchester einen rauschhaften und an etlichen Stellen musikdramaturgisch spannenden RING hin.
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Andre Sokolowski - 2. August 2026 ID 15973
GÖTTERDÄMMERUNG (Festspielhaus, 01.08.2026)
Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Kurator: Marcus Lobbes
Künstlerisch-technische Konzeption: Marcus Lobbes und Nils Corte
Dramaturgie: Andri Hardmeier
Digital- und KI-Storytelling: Roman Senkl
Creative Code / Visual Art: Nils Corte und Phil Hagen Jungschlaeger
Bühne: Wolf Gutjahr
Kostüme: Pia Maria Mackert
Chorleitung: Thomas Eitler-de Lint
Besetzung:
Siegfried ... Klaus Florian Vogt
Gunther ... Michael Kupfer-Radecky
Alberich ... Jochen Schmeckenbecher
Hagen ... Mika Kares
Brünnhilde ... Camilla Nylund
Gutrune ... Magdalena Hinterdobler
Waltraute ... Christa Mayer
1. Norn ... Anna Kissjudit
2. Norn ... Alexandra Ionis
3. Norn ... Magdalena Hinterdobler
Woglinde ... Katharina Konradi
Wellgunde ... Natalia Skrycka
Floßhilde ... Marie Henriette Reinhold
Festspielchor
Festspielorchester
Premiere bei den Bayreuther Festspielen: 1. August 2026
Weitere Termine: 09., 16.08.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.bayreuther-festspiele.de
https://www.andre-sokolowski.de
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