| Ring 10010110 - vom Mythos zum Code
|
Vorabendliche
Geduldsprobe
DAS RHEINGOLD
|
|
Bewertung:
Weil nicht genug Geld da war, um die Jubiläumsfestspiele auf dem Grünen Hügel zu einem alle bisherigen Vorstellungen in den Schatten stellenden Spektakel mit allen Wagner-Opern des sog. Kanons inkl. Rienzi - ähnlich der inzwischen legendären Gesamtprojekte von Daniel Barenboim und Ulf Schirmer (Berlin 2002 und Leipzig 2022) - werden zu lassen, was der Ur-Plan noch vor Jahren war, speckte's die Festspielleitung nach und nach ab und gelangte so, nach weiteren finanziellen Fehlplanungen oder Ausfällen, zu dem, was gegenwärtig läuft...
Im Mittelpunkt des Ganzen steht Der Ring des Nibelungen (auch als Ring 10010110 - vom Mythos zum Code deklariert), und sofort wurde der wahrscheinlich "wichtigste" Wagner-Dirigent der Gegenwart, nachdem er ihn bereits zwischen 2006 und 2010 (in der Inszenierung von Tankred Dorst) hier musikalisch leitete, verpflichtet: Christian Thielemann konnte und kann dann auch sogleich mit einem seiner Hauptprotagonisten aus der Inszenierung der Berliner Staatsoper, wo er sich vor drei Jahren justament im Einspringmodus als der neue GMD (in Nachfolge des krankheitsbedingt verhindert gewesenen Daniel Barenboim) empfahl, aufwarten, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir dieses Jahr in altbewährter Art und Weise Michael Volle (als Wotan/ Wanderer) bewundern und aushalten dürfen.
Der Thielemann muss also als das Zugpferd dieses JubiläumsRINGs herhalten - und die restlichen Macher (in alphabetischer Reihenfolge: Nils Corte, Phil Hagen Jungschlaeger, Marcus Lobbes, Roman Senkl) kennen die eingefleischten Wagnerianerinnen & Wagnerianer sowieso nicht; sie sind lt. Beipackzettel zuständig für: Kuratierung (Lobbes), die "künstlerisch-technische Konzeption" (Lobbes, Corte), das "Digital- und KI-Storytelling" (Senkl) oder den "Creative Code" bzw. die "Visual Art" (Corte, Jungschlaeger).
Die durchsichtige Bühnenwand, auf der all diese KI-erzeugten Visualisierungen ablaufen, baute Wolf Gutjahr; und die aus Einheitsgrau und -silber stammenden Kostümabsurditäten kreierte Pia Maria Mackert.
Und verkürzt wird dieser einmalige RING nicht erst seit gestern als "KI-Ring" bezeichnet.
Ja, mehr noch:
"Es handelt sich um ein sehr viel komplexeres System. Die Maschine bearbeitet nicht nur die Fülle unseres umfassenden Bildarchivs live, sondern sie stellt Bezüge her zu weiterem Material, mit dem sie gefüttert worden ist. Zudem reagieren Helligkeit, Dynamik und weitere Bildaspekte live auf das Geschehen auf der Bühne und im Graben; hierfür haben wir das Ensemble mit Trackern ausgestattet, und wir nehmen sowohl die Stimmen als auch das Orchester ab, um dynamische Prozesse in den Algorithmus einfließen zu lassen, aber auch, damit die Maschine weiß, wo welche Sängerin, welcher Sänger auf der Bühne gerade ausgeleuchtet werden muss."
Und:
"Wir graben gewissermaßen durch die verschiedenen Schichten. Jede Szene beginnt mit Bildmaterial aus der Uraufführung von 1876. Von dort bewegt sich das System nicht-chronologisch durch die Geschichte bis heute. Das Grundmaterial sind die Bühnenbilder aller vergangenen Ring-Inszenierungen. Dazu kommen verschiedene weitere Ebenen: historische Referenzen, ästhetische Räume, politische Ereignisse, atmosphärische Texturen."
(Quelle: Marcus Lobbes im Programmheft)
|
Ring 10010110 - vom Mythos zum Code: So stellt sich die KI (beim Rheingold der BAYREUTHER FESTSPIELE 2026) die Kröte, in die sich Alberich verwandelt, vor... Foto (C) Enrico Nawrath
|
*
Das System dieser vermeintlich geschlossenen KI und ihre Vorgehensweise sind dabei sehr schnell "durchschaubar", das Muster, wie sie an die Sachen rangeht, ist sehr klar, und der große Überraschungsmoment bleibt daher meistens aus.
Alles scheint sich, zumindest in dieser KI-gesteuerten "Absicht", permanent zu wiederholen. Und ausgerechnet in den zweieinhalb pausenlosen Rheingold-Stunden nervt das alles total!
Das sängerische Personal, was hinter Pseudoglas dann sowieso nur schemenhaft wahrnehmbar ist, vollführt (wahrscheinlich unangenehm schwitzend in seiner aberwitzigen grau-silbernen Kostümierung) ein Stehkonzert mit ein paar Auf- und Abgängen, nicht mehr, nicht weniger.
Klaus Florian Vogt debütiert als Loge - das hätte er sich sparen können; ich hab' in meinem langjährigen RING-Beobachtungsleben ungleich bessere erleben dürfen. Und außerdem bin ich irgendwie von seiner Stimme mehr als satt. In den kommenden Tagen muss ich ihn tatsächlich noch dreimal live erdulden: als Siegmund und als zweimaligen Siegfried; sorry, aber was zu viel ist, ist zu viel!
Tosende Begeisterung für die Stars [alle weiteren Namen s.u.].
|
Andre Sokolowski - 28. Juli 2026 (2) ID 15965
DAS RHEINGOLD (Festspielhaus, 26.07.2026)
Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Kurator: Marcus Lobbes
Künstlerisch-technische Konzeption: Marcus Lobbes und Nils Corte
Dramaturgie: Andri Hardmeier
Digital- und KI-Storytelling: Roman Senkl
Creative Code / Visual Art: Nils Corte und Phil Hagen Jungschlaeger
Bühne: Wolf Gutjahr
Kostüme: Pia Maria Mackert
Besetzung:
Wotan ... Michael Volle
Donner ... Alexander Grassauer
Froh ... Siyabonga Maqungo
Loge ... Klaus Florian Vogt
Fricka ... Anna Kissjudit
Freia ... Evelin Novak
Erda ... Christa Mayer
Alberich ... Jochen Schmeckenbecher
Mime ... Gerhard Siegel
Fasolt ... Mika Kares
Fafner ... Peter Rose
Woglinde ... Katharina Konradi
Wellgunde ... Natalia Skrycka
Floßhilde ... Marie Henriette Reinhold
Festspielorchester
Premiere bei den Bayreuther Festspielen: 27. Juli 2026
Weitere Termine: 04., 12.08.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.bayreuther-festspiele.de
https://www.andre-sokolowski.de
BAYREUTHER FESTSPIELE
Musiktheater
Anzeige:
WAGNER AUF DER KREUZTURMSPITZE
Ein sächsisches Revolutionsspektakulum
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
BALLETT | PERFORMANCE | TANZTHEATER
BAYREUTHER FESTSPIELE
CD / DVD
KONZERTKRITIKEN
LEUTE
MUSIKFEST BERLIN
NEUE MUSIK
PREMIERENKRITIKEN
ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski
RUHRTRIENNALE
SALZBURGER FESTSPIELE
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|