Es trillert,
flötet,
gackert
und windet
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Bewertung:
Wenigstens einmal im Jahr gastiert Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L‘ARPEGGIATA im Pariser Salle Gaveau. Dieses Mal sollte sie ursprünglich mit der schwedischen Mezzosängerin Malena Ernman die neue CD Terra Mater, eine Hymne an die Natur, vorstellen. Ernman erkrankte allerdings kurzfristig und wurde von vier Solistinnen - Céline Scheen (Sopran), Luciana Mancini (Mezzosopran), Benedetta Mazzucato (Contralt) und von der Österreicherin Johanna Rosa Falkinger (Sopran), die zum ersten Mal in Paris auftrat - ersetzt. Die notwendig gewordene Programmänderung hat das Thema Natur sehr großzügig ausgelegt, aber irgendwie gehörte der Abend dann doch den Vögeln, dem Wind und den sonstigen Geräuschen von Flora und Fauna.
Die Nachtigall und Der Kuckuck von Franz Iganaz Biber (1644-1704), die traditionelle englische Ballade Der Frosch und die Maus (von Pluhar arrangiert) und Händels schwungvolle Arie "Venti turbini" aus der Oper Rinaldo fusionierten ganz unkompliziert miteinander. Pluhars hinreißende und ungewöhnliche Improvisationen und Arrangements zu Musiken von John Playford und Maurizio Cazzati und der sog. Wind-Sinfonia von Georg Caspar Schürmann kamen hinzu. Höhepunkt dieses Ersatzprogrammes waren das Lamento der Dido (von Céline Scheen herzergreifend interpretiert) und die Hexen-Arie aus Purcells Oper Dido and Aeneas - mit viel Temperament und wie ein Hurrican gesungen und getanzt von Luciana Mancini, Benedetta Mazzucato und Johanna Rosa Falkinger, die als Punks verkleidet über Rache an Dido spekulierten.
Berührungsängste kennt Pluhar nicht. Sie fühlt sich wohl mit Songs, die in Bierlaune in englischen Pubs im 17. Jahrhundert gesungen werden, schwingt dann direkt weiter zu Jazz-Passagen, bei denen man die Barockmusik im Hintergrund hört und interpretiert auf ihre Weise Didos Lamento.
Wie das bei diesem großartigen Ensemble oft der Fall ist, passierte auch heute Abend wieder ein ausgelassenes Crossover zwischen Barock und Jazz und allem, was dazwischen liegt. Schwungvoll, frisch und humorvoll mischten sich auch die Musiker immer wieder in die jeweilige Handlung ein, vor allem Doron Sherwin mit seinem Cornet. Dass er auch singen kann, hat er gestern unter Beweis gestellt.
Die Musiker waren mit allem ausgerüstet, um die Naturgeräusche in die Salle Gaveau zu holen. Wir haben am Ende alle Grün gesehen...
Wie immer spielt Pluhar auch selbst mit, nur bei Purcell hat sie ihre Theorbe weggelegt und dirigiert.
Die Musik stammte fast ausschließlich von Komponisten des 16. Und 17. Jahrhunderts, hauptsächlich aus Deutschland und England.
Als die Ankündigung über die Erkrankung von Malena Ernman kam haben wir es zuerst bedauert. Der nicht enden wollende Applaus, der auf drei lange Zugaben hinauslief, sprach für sich. Nur zögernd verließen die Besucher den Konzertsaal, und enttäuscht geblickt hat auch niemand.
Die CD Terra Mater können wir uns ja kaufen!
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Christa Blenk - 13. Januar 2026 ID 15648
L'ARPEGGIATA (Salle Gaveau, 12.01.2026)
Werke von Biber, Merula, Playford, Händel u.a.
Céline Scheen, Soprano
Johanna Rosa Falkinger, Soprano
Luciana Mancini, Mezzosopran
Benedetta Mazzucato, Contralt
L’Arpeggiata
Leitung und Theorbe: Christina Pluhar
Weitere Infos siehe auch: https://arpeggiata.com/
Post an Christa Blenk
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