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Konzertbericht

Symmetriaden



Christian Friedel, Leadsänger von Woods of Birnam, im Bockenheimer Depot in Frankfurt | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Skulpturale Lichtkunstwerke schimmern effektvoll zwischen den eher im Dunkeln positionierten Bandmitgliedern. Kleine Bodenlampen, in regelmäßigen Abständen verteilt, leuchten mal in Blau, mal rötlich. Bühnenscheinwerfer scheinen stets in Bewegung. Das Licht ist auch mal in das Publikum gerichtet...

Die Dresdner Band Woods of Birnam gastierte jetzt in Frankfurt. Der Name der 2011 gegründeten Band leitet sich vom "Wald von Birnam" ab, der in Shakespeares Drama Macbeth der Titelfigur verhängnisvoll mitspielt. Die Band um Frontmann Christian Friedel veröffentlichte vergangenen Dezember das siebte Studioalbum Solaris. Das Konzeptalbum ist hier inspiriert vom gleichnamigen Romanklassiker des polnischen Science-Fiction-Autors Stanisław Lem.

Umringt wird Friedel, der den Abend als Sänger moderiert, von Keyboarder Onno Dreier, Philipp Makolies an den Gitarren, Uwe Pasora am Bass und von Schlagzeuger Christian Grochau. Epischer Art-Pop und dicht instrumentierte Klangwelten korrespondieren spannungsvoll mit den atmosphärischen Lichteffekten. Der pulsierende Song „Polytheria“ handelt von einem gleichnamigen Plasma-Ozean auf dem imaginären Planeten Solaris. „Your Eyes“ beginnt behutsam, lässt aber, stilistisch abwechslungsreich, eine Dramatik transzendentaler Club-Schwingungen aufkommen. „Lucid Dream“ singt Friedel spannungsvoll mit hoher, durch Hall überlagerter Stimme.

Einige Songs des Albums sind in deutscher Sprache, wie etwa der performte Titel „100 Schlüssel“. Friedel meint irgendwann im bestuhlten Saal: „Dies ist ein Konzert. Ihr dürft tanzen, solange ihr die anderen nicht stört.“ Leichter gesagt als getan. Im Bockenheimer Depot sammeln sich Tanzwütige so überwiegend an den Seiten, um die Sicht der hinter ihnen Platzierten nicht zu gefährden. Bei „Symmetriaden“, der von verschiedenen irdischen Seinszuständen erzählt, springen in der ersten Reihe verschiedene Zuschauerinnen auf, um zu den Rhythmen dann tatsächlich das Tanzbein zu schwingen. Später regt Friedel auch die übrigen dazu an aufzustehen.

Das Gros der live performten Songs bildete auch den Soundtrack einer gleichnamigen Inszenierung am Schauspiel Frankfurt, die April 2025 im Schauspielhaus Premiere feierte. Für das Bandalbum wurden die Tracks nun neu bearbeitet und erweitert. Christian Friedel, der mit der Produktion auch sein Regie-Debüt gab, bedauert, dass die Produktion inzwischen abgesetzt sei. Friedel fragt die Zuschauer, ob Ensemblemitglieder hier im Raum seien? Einer ruft: „Ja.“ Friedel freut sich und meint noch augenzwinkernd, bei der nächsten Theaterproduktion werde er eine Mindestanzahl an Aufführungen vertraglich festlegen.

Die dynamischen Klangwelten aus Solaris erzählen eindringlich von der Tiefe des Weltraums, fernen Galaxien, der Einsamkeit einer Raumschiffs, von Identität und Erinnerung. Die Lyrics sind oftmals philosophisch oder melancholisch angehaucht. Stimmlich variabel wechselt Frontmann Friedel zwischen sanften Passagen und betörend fragilen Gesangsflächen zu kraftvollen Indie-Pop-Momenten. Der Frontmann bricht mal selbstbewusst entschuldigend einen Song ab mit den Worten: „Sorry, wir spielen live.“ Woods of Birnam stimmen die Performance sogleich neu an. Überwiegend werden Melodien der fünfzehn Tracks des neuen Konzeptalbums performt, gegen Ende spielten Woods of Birnam noch einige bekanntere Hits der Bandhistorie sowie bisher unveröffentlichtes Material.

Eine der Zugaben ist die Ballade „Du bist alles“ aus der Fernsehserie Babylon Berlin. Hier spielt der 46-jährige Friedel seit 2017 in der Rolle des Kriminalassistenten und Polizeifotografen Reinhold Gräf regelmäßig mit. Seinen schauspielerischen Durchbruch hatte er spätestens mit der Hauptrolle im zweifach oscarprämierten Film The Zone of Interest (2023) sowie in Das weiße Band (2009).

Friedel erzählt, dass aktuell neue Theaterproduktionen geplant seien, unter anderem in der Bandheimat Dresden ein Film und Theaterstück zu Klaus Nomi (1944-1983), der Countertenor-Gesang mit Pop verband. Aus dieser Produktion spielen Woods of Birnam exklusiv „I feel love“ von Donna Summer. Der sphärische Abend voller treibend rockigem Elektrosound und Synthpop der Electro-Pop-Band neigt sich gegen 22 Uhr dem Ende zu.



Woods of Birnam beim Abschlussapplaus im Bockenheimer Depot | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 13. Januar 2026
ID 15649
Weitere Infos siehe auch: https://woodsofbirnam.com/


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