Zwischen Nostalgie
und Soundgewand
Wie The Cure, Franz Ferdinand und die Editors das PINKPOP 2026 prägten
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Etwa 200.000 Besucher feierten Ende Juni an drei Tagen die 55. Ausgabe des PINKPOP-Festivals in Landgraaf in den Niederlanden. Obwohl das „Pink“ im Namen auf das niederländische Wort für Pfingsten, „Pinksteren“ verweist, tragen viele Besucher rosa- oder magentafarbene Accessoires oder Kleidung. Die Hilfsorganisation Amnesty International, die einen Teil der Einnahmen erhält, verkauft vor Ort fuchsienfarbene PINKPOP-Hüte und sammelt Unterschriften für Petitionen. Das älteste durchgehend laufende Pop- und Rockmusikfestival der Welt bewirbt den Zuweg nostalgisch mit alten Plakaten seit seiner Premiere im Jahr 1970.
Hier wird auch ersichtlich, dass die diesjährigen Headliner vom Samstag alle nicht zum ersten Mal das Festivalgelände bespielen. The Cure war bereits 1986 der wichtigste Act und trat zudem 2012 und 2019 bei PINKPOP auf. Auch Franz Ferdinand heizte dem Publikum zuvor 2004 und 2009 bei dem traditionsreichen Musikfestival ein. Die Editors sind sogar schon das sechste Mal vor Ort auf dem Megaland-Eventgelände, einer ehemaligen Trabrennbahn im Südosten der Provinz Limburg.
Leicht bekleidete Menschen und viele Männer mit freiem Oberkörper tanzen sommerlich im Takt der Beats. Es bildeten sich lange Schlangen an Trinkwasservorrichtungen und Wasserdampfwerfern. Bei heißen Temperaturen sind am Festivalsamstag Schattenplätze sehr begehrt.
Die schottische Indie-Rock-Band Franz Ferdinand, die ich zuletzt 2018 erlebte, spielte am frühen Abend auf der größten der vier Bühnen. Vom Opener „The Dark of the Matinée“ bis hin zu „No You Girls“ und „Do You Want To“ hielten sie das Tempo extrem hoch und brachten die Menge mehrfach zum Springen. Zum unbestrittenen Höhepunkt wurde das Set-Ende. Der Platz johlte beim Hit „Take Me Out“ textsicher mit.
Leadsänger Alex Kapranos überließ seinen Fans das Singen und genoss die Minuten von der Bühne aus sichtlich gerührt. Er forderte charmant Publikumsapplaus für Drummerin Audrey Tait ein, die seit 2021 das Gründungsmitglied und Schlagzeuger Paul Thomson ersetzt. Sie ließ dabei hinter dem Kit mit temporeichen Percussion-Einlagen aufhorchen. Gitarrist Dino Bardot lieferte komplexe Gitarrenriffs und steile Akkorde. Für prominente Basslinien sorgte Robert Hardy. Julian Corrie komplettierte an den Keyboards, der Gitarre und an den Backing Vocals das Glasgower Quintett mit instrumentalen Tupfern. Die Formation verabschiedete sich mit einer furiosen, ausgedehnten Version von „This Fire“.
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Gitarrist Justin Lockey, Keyboarder Elliott Williams und Leadsänger Tom Smith (von links nach rechts) von den Editors beim PINKPOP-Festival 2026 in den Niederlanden Foto © Ansgar Skoda
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Auch die Editors sah ich letztmals 2018, hier beim Festival A SUMMER'S TALE in Luhmühlen . Die Live-Energie der Briten packte das Publikum sofort und sorgte für Festivallaune. Die Songs der Indie-Rockband beinhalten oftmals nach innen gewandte Erzählungen wie Mikrokosmen oder Träume. Frontmann Tom Smith, der letzten Dezember mit einem ersten Solo-Album sanftere Töne anschlug, besann sich in Landgraaf auf alte Stärken. Er sang das treibende „Munich“ kraftvoll und einnehmend. Bei „A Ton of Love“ wippte die Menge mit, getränkt mit Nostalgie und lakonischem Pathos. Smith tänzelte theatralisch über die Plattform und spielte in den Instrumentalteilen verschmitzt und rastlos mit dem Mikrofonkabel.
Dynamisch und körperlich agierten auch Gitarrist Justin Lockey und Drummer Ed Lay. Keyboarder Elliott Williams sorgte bei „Papillon“ für elektronische, synthielastige Sounds. Russell Leetch pumpte wuchtige Basslinien. Die Performance der 2003 gegründeten Gruppe war energiegeladen, getrieben von düster-melancholischen, dramatischen Hymnen. Bodenständig lachte der 45-jährige Leadsänger gegen Ende der etwa einstündigen Performance: „Are you looking forward to The Cure? Me too. You might see me in the crowd.“
Als Headliner zog schlussendlich ab 22 Uhr The Cure am Festival-Samstag auf imposante Weise die Generationen vor der Hauptbühne in ihren Bann. Im dichten, atmosphärischen Soundgewand leitete die britische Post-Punk- und Gothic-Rock-Legende ihr zweistündiges Set mit dem epischen, sich langsam steigernden „Alone“ aus der 2024 erschienen Platte Songs for a Lost World ein. „Alone“ seziert die Gegenwart und erzählt von Verantwortung in Zeiten von Umbrüchen. Eingespielte Animationen einer Weltkugel entführten die Zuschauer dank der opulenten, orchestralen Weite der Klangästhetik pompös und schwermütig in den Kosmos des Weltalls.
Angeführt wurde die Performance von Mastermind Robert Smith, dessen Stimmorgan auch mit 67 Jahren noch kraftvoll, klar und entrückt sehnsuchtsvoll klingt. Smith begleitete seinen unverkennbaren Gesang mitunter auch an der Lead-Gitarre. Bassist Simon Gallup lief unermüdlich über die Bühne und feuerte jene drückenden, packenden Basslinien ab, die das Fundament von „A Forest“ oder „Fascination Street“ bilden. Drummer Jason Cooper erwies sich als unerbittliches Rhythmus-Beast. Keyboarder Roger O'Donnell webte schwebende, melancholische Synthesizer-Klangteppiche, die Stücken wie „Pictures of You“ oder „The Last Day of Summer“ besondere orchestrale Tiefe verliehen. Gitarrist Reeves Gabrels setzte pointierte Riffs und steuerte bei Songs wie „Burn“ und „Push“ dynamische Akzente bei.
Details machen die Songs zu Geschichten. Aufwühlende neue Titel blieben stilistisch den Vorgängern treu. Robert Smith kommt stimmlich nicht mehr so hoch wie früher. Die Band variierte ihre Klassiker mitunter, wenn etwa Instrumentalsolos wegfallen. Während der Zugabe hatte man den Eindruck, Teil von etwas Größerem, einem Ort echter Verbindung und Nähe zu sein. Zu guter Letzt zeigten die Videoprojektionen auf der Bühne eine Live-Ansicht des Mondes, der gleich rechts über der Bühne stand.
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Die Gitarristen Eden und Simon Gallup, Schlagzeuger Jason Cooper und Leadsänger Robert Smith (von links nach rechts) von The Cure beim PINKPOP-Festival 2026 in den Niederlanden | Foto © Ansgar Skoda
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Die Menschenmassen, die das Konzertgelände verließen, konnten in der Ferne bereits erste Blitze sehen. Nach Konzertende folgte gegen 1 Uhr ein Gewitter mit Starkregen.
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Ansgar Skoda - 27. Juni 2026 ID 15922
Weitere Infos siehe auch: https://www.pinkpop.nl
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