Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Konzertbericht

Bässe,

Beats und

Botschaften



Richard Melville Hall tritt tritt seit den frühen 1990er-Jahren als Moby auf, hier aktuell auf dem Bonner Kunst!Rasen | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



Schon gegen 19 Uhr schallen rollende, treibende und monumental fanfarenartige Melodielinien durch die Bonner Rheinaue. Westbam groovt das Publikum mit pulsierendem Bass ein. Der Techno-DJ und Musiker ist für die Aufwärmphase von Moby zuständig. Die Pop-Regler werden aufgedreht, wummernde Maschinenrhythmen bauen Druck auf, Loops werden geschichtet. Der heute 61-Jährige steigt als routinierter Anheizer und Crowd-Mobilisierer direkt ein, als er hinter seinem Mischpult hervortritt. Spielerisch auf der Bühne tänzelnd, bringt er das Publikum in Bewegung. Westbam dreht die Regler ein bisschen in Richtung von Dance und R&B. Die clubtaugliche Musik ist überschäumend und geht mit Wumms direkt in die Beine.

Hinter Westbam verbirgt sich der Münsteraner Maximilian Lenz, der als einer der maßgeblichen Pioniere der deutschen elektronischen Musik gilt. Er prägte die Techno-Kultur der 1990er-Jahre durch die Mitgründung der Mayday und der Loveparade. Mit seinem innovativen Gespür für Beats und DJ-Techniken, etwa bei den in Bonn dargebotenen Rave-Klassikern „Sonic Empire“ und „Celebration Generation“, beeinflusste er eine ganze Generation von Musikern, darunter auch Moby, mit dem ihn eine langjährige künstlerische Freundschaft verbindet. Letzterer, ein US-amerikanischer Elektronikmusiker, lockte am 18. August rund 5.500 Zuschauer in die Gronau.

*

Gegen 20 Uhr pumpt Theaterrauch auf die Bühne und der US-Amerikaner Richard Melville Hall, besser bekannt als Moby, betritt zusammen mit sechs seiner Musikern das Rampenlicht. Der heute 60-Jährige trägt angenehm unprätentiös weiße Jeans und ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „TECIE“. Dieses Wort steht bei Moby für ein großes, interdisziplinäres Kunst- und Aktivismusprojekt, einen Song von 2020 und einen noch unveröffentlichten Film, für den der Künstler das Drehbuch schrieb. Moby bewegt sich vom ersten Song an mit lässiger Leichtigkeit und fieberhafter Energie über die Bühne.

Moby kann sich voll und ganz auf seine Band im direkten, kohärenten und wachen Zusammenspiel verlassen. Die anfangs noch dezent auftretenden Bandmitglieder bekommen alle ihre Solo-Momente. Nadia Christine Duggin liefert kraftvoll, oft gospelartig die Lead-Vocals bei Hits wie „Why Does My Heart Feel So Bad?“ India Carney, bekannt als Finalistin der US-Show The Voice, singt ausdrucksstark und temperamentvoll die Leading Vocals beim Hit „Honey“. Moby steuert eigene Vocals bei „Porcelain“ bei, spielt leidenschaftlich die E-Gitarre, bedient Synthesizer und schlägt bei Hymnen wie „Go“ rhythmisch auf die Bongos. Drummer Tripp Bean verleiht den Songs darüber hinaus eine lebhafte Live-Wucht. Die Streicherinnen Julie Mintz an der E-Geige und Maya Paredes am E-Violoncello kontrastieren musikalisch mit den treibenden Beats. Jonathan Nesvadba sorgt an den Synthesizern und am Bass für das dichte, elektronische Fundament.

Während der dynamischen Live-Sets gibt es rhythmische Abstecher ins Drum’n’Bass. Der Klang selbst, etwa ein Sample, wird bei vielen Songs zum Ausgangspunkt der Komposition. Die Show wird vom Publikum unmittelbar aufgenommen. Viele Besucher zücken ihre Handys, fotografieren und filmen mit.

„Dankeschön!“ sagt Moby mehrfach nach langanhaltendem Applaus; außerdem erklärt er auf Deutsch „Ich bin ein Veganer“. Die Tattoos auf seinen Unterarmen bilden zusammen den englischen Begriff „ANIMAL RIGHTS“, ein unübersehbares, permanentes Statement für sein lebenslanges Engagement für Tierrechte. Moby spricht über seinen leidenschaftlichen Aktivismus für den Artenschutz und den Veganismus. Ein emotionaler Moment ist eine eingespielte Videobotschaft der bekannten Primatenforscherin Jane Goodal, die 2025 im Alter von 91 Jahren verstarb. Moby bezeichnet die Verhaltensforscherin, Anthropologin und UN-Friedensbotschafterin als „eine der letzten Heiligen der Menschheit“.

Moby setzt scherzhaft in der Sprache der Konzertbesucher nach, er könne auch noch „Bring mir einen Hubschrauber“. Mobys plötzlicher Ruhm in den frühen 1990er-Jahren war unberechenbar und die Techno-Szene war damals völlig absurd und wild. So ist die Erzählung unter Fans legendär, dass Moby nach einem großen Auftritt im Russland der Nach-Wendezeit von den lokalen russischen Promotern in einem fliegenden Club - einen alten, riesigen Militär-Hubschrauber - zu einer Afterparty eingeladen wurde und wegen der Alkoholisierung der Piloten Todesangst hatte.

Abseits deutscher Phrasen erzählt Moby weitere Anekdoten über seine Karriere, seine Freundschaft mit David Bowie und zu der deutschen Techno-Legende Westbam.

Die Setlist lässt wenig Wünsche offen. Ein besonderer Show-Moment ist während der Zugabe der Auftritt von Jacob Lusk als Special Guest, der melancholisch eingängigen Gesang zu der Performance von „When It’s Cold I’d Like to Die“ und ausgelassen die Melodielinien zu „Natural Blues“ beiträgt. Seine helle Stimme steigert sich und entwickelt eine ungeheure Euphorie, wenn sich Motive wiederholen.

Das selbstauferlegte Mammutprogramm, bei dem die Künstler das Tempo hoch hielten, endet mit einem erneuten Auftritt von Westbam. Zahlreiche Arme recken sich in die Höhe, wenn Moby und Westbam gemeinsam „Feeling So Real“, ihre Kollaboration von 1994, performen.

Es bleiben große Momente in der Bonner Gronau in Erinnerung, die die bleibende Bedeutung von Techno in den Annalen der Musikhistorie feierten.



Nadia Christine Duggin in den Lead Vocals bei Moby auf dem Bonner Kunst!Rasen | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 20. August 2026
ID 15992
Weitere Infos siehe auch: https://moby.com/


Post an Ansgar Skoda

skoda-webservice.de

Konzerte



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:





MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

BAYREUTHER FESTSPIELE

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE

SALZBURGER FESTSPIELE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)