Kopfüber kreiseln,
ohne Fall-
schirm
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Mieze Katz, Frontsängerin der Ostberliner Band MiA - am 17. April 2026 in der Stadthalle Köln | Foto © Ansgar Skoda
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Bewertung:
Leoparden-Fellmuster, paillettenbestickte Bodys und Glitzer-Make-up: Viele Fans orientieren sich im Outfit am oft schrillen und lebensbejahenden Stil von Mieze Katz, der Frontfrau von MiA (zuletzt sah ich sie 2024 im Kölner Carlswerk Victoria).
In der ausverkauften Stadthalle in Köln-Mülheim sind auch Kinder zugegen, die mit Kapselgehörschutz durch die Reihen laufen.
Den Support übernimmt Paula Engels aus Düsseldorf, die 2025 den New Faces Award in der Sparte Musik erhielt. Am Vorabend wurde die erst 20-Jährige noch beim Kölner Festival c/o Pop im Club Bahnhof Ehrenfeld gefeiert. In Stücken wie „An meinen Händen klebt Blut“, „Ruf mich nicht mehr an“ und „Gift“ thematisiert die lässig auftretende Indie-Musikerin mit markantem und zugleich zerbrechlich gehauchten Sprechgesang emotionale Abgründe wie toxische Beziehungen, Abhängigkeiten, Angst oder Wut.
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Gegen 21 Uhr betreten dann die vier Musiker von MiA die Bühne. Sängerin Mieze Katz lädt die Kinder aus dem Publikum zu Beginn in den Konzertgraben vor der Bühne ein, der sicherer sei als der Konzertsaal. Als Opener spielt die Formation den gerade erschienen Titel „Los“. Auch das vorgetragene „Happy sein“ ist ein noch unveröffentlichter Beitrag der Band. Im Oktober soll ihr achtes Studioalbum, Euphorie & Alltag, erscheinen.
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Mieze Katz, Frontsängerin der Ostberliner Band MiA - am 17. April 2026 in der Stadthalle Köln | Foto © Ansgar Skoda
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Schon früh performt die Gruppe mit „Hungriges Herz“ einen ihrer größten Hits. Auch bekannte dargebotene Nummern wie „KopfÜber“, „Fallschirm“ oder „Kreisel“ pendeln zwischen Leichtigkeit und Verletzlichkeit und handeln vom Werden und Vergehen. Es geht hoffnungs- und sinnstiftend um kleinere und größere Zusammenhänge, Koexistenz und Gemeinschaft. Das Quartett bietet einen Querschnitt aus fast drei Jahrzehnten Bestehen, ergänzt durch Lieder von Mieze Katz' vorjähriges Solodebüt Dafür oder dagegen.
Mieze Katz, die mit bürgerlichen Namen Maria Mummert heißt, wechselt quasi minütlich extravagante Kleidungsstücke und präsentiert charakteristische Accessoires. Die 49-Jährige nahm im vergangenen Jahr auch an der VOX-Staffel Sing meinen Song – Das Tauschkonzert teil. Für Songs aus ihrem Solowerk bahnt sich Mieze Katz mit vier weißen, heliumgefüllten Luftballons einen Weg durch das Publikum. Im hinteren Saalbereich performt sie „Dafür oder dagegen“ und „Hell Sehen“. Sie trägt dabei auch die Strophen vor, die auf ihrem Album von Gesangspartnerinnen wie Eva Briegel, Wilhelmine oder Namika übernommen werden. Im schwebenden Flow wirken Songs wie „Buntes Konfetti“ sanft und intim.
Insbesondere die Arrangements der MiA-Lieder sind prachtvoll ausgestaltet. Mit donnernden Instrumentalsolos und lässiger Funkyness sorgen Andy Penn an der Gitarre, Gunnar Spies am Schlagzeug und Robert „Bob“ Schütze am Bass für eine druckvoll peitschende, konzentrierte Klangsprache. Die Besucher bewegen sich ausgelassen im Groove markanter, epischer Linien voll luftiger Gelassenheit. Den Song „Komm mein Mädchen“ widmet Mieze Katz ihrer Schwester, die an dem Abend den Merchandise-Stand nahe des Konzertsaals betreut.
Dynamisch dargebotene Zugaben der energetischen Hits „Tanz der Moleküle“ (2006) und „Sonne“ (2004) bringen den Saal zum Kochen. Sie legen nahe, dass die Band gut gealtert ist. „Wir möchten euch wiedersehen“, mit diesen Worten verabschiedete sich Frontfrau Mieze Katz kurz vor 23 Uhr von der Bühne. Der Konzertabend lud die rund 1.600 Gäste zum Innehalten ein und brachte die Unbeschwertheit des Electropunk der 2000er zurück.
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Ansgar Skoda - 23. April 2026 ID 15814
Weitere Infos siehe auch: https://www.miarockt.de/
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