Zwischen Nebel
und Stroboskop
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Kelela im Bürgerhaus Stollwerck in Köln | Foto © Ansgar Skoda
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Bewertung:
Mit warmen, rohen und entspannten Vocals stimmt der Support Liim das Publikum auf einen Abend voller experimenteller R&B-Vibe ein. Sein musikalischer Partner AJRadico zieht dabei die Fäden an den Tasten. Songs von Liim Lasalle (so sein vollständiger Name), wie „Pupils“ und „R.I.P Peace“, verschmelzen Hip-Hop-, Soul- und Jazz-Elemente und erzählen auf emotionale Weise von persönlichen Reifungsprozessen und der Energie des Großstadtlebens in NYC. In einem lockeren, federnden Rhythmus animiert der 23-jährige New Yorker Künstler, lässig nach vorne gebeugt, das Publikum dazu, im Takt rhythmisch mitzuwippen. Wenn er den Hauptact des Abends ankündigt, klingt es in der Domstadt ein bisschen, als würde er „Cologne“ rufen.
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Danach gleitet Kelela im hautengen, dunklen Outfit, kurzem Rock, mit einer Oversize-Sonnenbrille und auf High Heels beinahe schwebend durch den dichten Bühnennebel. Mit fließenden Bewegungen stolziert sie elegant, kontrolliert und fast wie in Zeitlupe vor zwei Windmaschinen auf und ab. Minimalistische Lichteffekte und die dichten Schwaden unterstreichen eine hypnotische Stimmung voll progressiver und tighter Beats.
Kelela Mizanekristos wurde als Kind äthiopischer Einwanderer in Washington geboren. Sie gilt mit ihrer experimentellen R&B-Musik als Pionierin der avantgardistischen Club-Kultur. Ein Licht auf ihrer Brust illuminiert ihre Gestalt während der Show von innen heraus. Mit filigranen Handgesten unterstreicht die 43-Jährige die Dramatik und Theatralik ihrer Musik. Ihr ätherischer, sanfter Live-Gesang erscheint atmosphärisch und trotzdem kontrolliert. Ihre Stimme wird zu Anfang mit Halleffekten verfremdet und verdunkelt. Der sphärische Gesang oszilliert, fließt und zittert, während drei Live-Musiker sie an den Keys, diversen Streichinstrumenten und den Drums begleiten.
Ihr gerade erschienenes drittes Studioalbum New Avatar steht für eine vielschichtige, persönliche und musikalische Neuausrichtung. Der „neue Avatar“ symbolisiert den Zustand, sich nicht mehr für verschiedene Räume aufteilen zu müssen, sowie das Gefühl, sich als Schwarze Person in traditionell weiß gelesenen Indie-Szenen behaupten zu müssen. Die Künstlerin legt in einer kurzen Anmoderation dar, dass sie verschiedene Facetten ihrer eigenen Identität zusammenführt, etwa, indem sie musikalisch verzerrte Gitarren und Shoegaze-Einflüsse in ihren R&B-Sound integriert.
Stroboskope brechen die anfänglich noch geheimnisvolle Atmosphäre auf. Sie setzen während wummernder House-Rhythmen ein und verwandeln die Bühne sekundenweise in eine Art Underground-Venue. Die schnellen Lichtblitze schneiden stark durch den Nebelschleier und eröffnen Blicke auf die skulpturalen Umrisse der raumgreifenden Gesten der Club-Diva, die zuvor als Silhouette von tiefen Schatten gerahmt wurde.
Kelelas Songs behandeln Intimität, Verletzlichkeit und innere Reifungsprozesse. In der Dancefloor-Hymne „LMK“ und dem sehnsüchtigen „Rewind“ verarbeitet die Avantgarde-Künstlerin emotional nuancenreich Beziehungen. Dabei thematisiert sie eine Sehnsucht nach Intimität, den Schmerz von Trennungen und das beherzte Einfordern von sexueller Selbstbestimmung. Ein visionärer Auftritt, der die persönliche und musikalische Reife des „neuen Avatars“ eindrücklich auf die Bühne bringt.
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Kelela im Bürgerhaus Stollwerck in Köln | Foto © Ansgar Skoda
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Ansgar Skoda - 1. November 2026 ID 16124
Weitere Infos siehe auch: https://www.kelela.co/
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