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Konzertbericht

Die Legende

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Dick Brave in der Live Music Hall in Köln | Foto © Ansgar Skoda

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Dick Brave lockt mit Showmanship und authentischer 50er-Jahre-Nostalgie im stilisierten Retro-Look. Innerhalb kurzer Zeit waren die meisten Shows seiner Tour ausverkauft. Der Künstler lädt mit seiner vierköpfigen Band im Rockabilly-Stil zu einer Zeitreise ein. In der Kölner Live Music Hall stehen die Besucher dicht gedrängt und erwartungsfroh, die Stimmung ist gelöst.

Schon bald eröffnet der Support Dominic Moews den Abend. Der 24-jährige Elvis-Tribute-Künstler aus Berlin präsentiert charismatisch eigene Songs wie „Oh, Honey!“ oder „True Lover's Kiss“. Während er seinen kraftvollen Gesang live an einer Akustikgitarre begleitet, erinnert seine unbeschwerte Präsenz an den sogenannten King of Rock’n’Roll. Moews’ sympathisches Solo-Set stimmt atmosphärisch auf den Hauptact des Abends ein. Das Publikum klatscht und singt die Refrains mit, wenn er gefühlvoll die vielleicht bekannteste Liebesballade von Elvis Presley, „Can’t Help Falling in Love“, anstimmt. Seine Darbietung kommt dem Original durchaus nahe.

*

Dann endlich leuchtet vielversprechend die Aufschrift „DICK“ in großen Lettern im Bühnenzentrum. Popsänger Sasha, der hinter der Kunstfigur steckt, tritt mit seiner vierköpfigen Formation the Backbeats auf. Während des eröffnenden Take That-Covers „Back for Good“ aus seinem gleichnamigen neuen Album strotzt er vor Energie. Der Vater eines siebenjährigen Sohnes bleibt während der gesamten Show in der Rolle seines Rockabilly-Alter-Egos. Er spricht augenzwinkernd ein charmantes Denglisch mit kanadischem Akzent. Dick Brave scheint ständig in Bewegung, trägt Pomade im Haar und ein Pin-up Hawaiihemd. Mit „Tonight (I Ain't Rock)“ folgt eine Eigenkomposition von 2011. Der 54-jährige Frontmann zelebriert während des Pink-Covers „Get The Party Started“ den klassischen Elvis-Hüftschwung, kombiniert ihn mit Step-Einlagen und wirbelnden Drehungen. Rhythmisch lasziv unterstreicht Dick Brave so die erotische Aufladung des frühen Rock 'n' Roll. Während seines Auftritts unterhält er sein Publikum auch mit spielfreudigen akrobatischen Einlagen, wenn er etwa auf große Bühnenboxen klettert oder von diesen kurzerhand herunterspringt.

Der Entertainer moderiert seine Show mit Sprachwitz, indem er vorgibt, Deutsch kaum zu verstehen. Er flirtet mit den Besuchern und lobt ihr Durchhaltevermögen: „Wann waren wir das letzte Mal in Köln – vor 10 Tagen.“ Auch das so wenige Tage zurückliegende Konzert im Gloria war ausverkauft. Zwischen Interpretationen von Elton Johns „I’m still standing“ und Michael Jacksons „Black Or White“ tischt er skurrile Geschichten über eine angebliche Zeit in den kanadischen Wäldern auf. Nach einem Flugzeugabsturz habe er in der Wildnis jahrelang mit Amnesie gelebt und sei von einer Frau in einer Waldhütte gefangen gehalten worden, bis ihm die Flucht gelang. Genüsslich plaudert er aus, er habe Weltstar Taylor Swift in verrauchten Kneipen getroffen und ihr Tipps gegeben, wie man „echte Musik“ macht, bevor er ihren Song „Shake it off“ wirkungsvoll interpretiert. Vor den Refrains setzt er effektvoll Pausen. Er behauptet, sein leiblicher Vater sei Elvis Presley, bevor er dessen Songs „All Shook Up/ (Let Me Be Your) Teddy Bear“ darbietet.

Erstaunliche Mythen verbreitet Brave über seine Gang während einer zweideutigen Publikumsansprache: Gitarrist Tony „The Butcher“ O'Malley soll in seiner zwielichtigen Vergangenheit in einer kanadischen Fleischerei mehr als nur Steaks zerlegt haben. Pianist Max „Sugar“ Heartburger löse bei so manchem Fan „Diabetes-Gefahr“ aus, so süß sei er. Seine Finger am Piano seien durch das Kartenzählen in illegalen Hinterzimmer-Casinos so geübt und flink. Schlagzeuger Andy „The Stake“ Drake verdiente früher sein Geld in abgelegenen Winkeln Kanadas beim Poker und habe heute Nerven wie Stahlseile. Kontrabassist Fearless Frank Durant rettete Brave in der Wildnis vor wilden Bären oder gar der kanadischen Polizei. Der selbsterklärte Kanadier lobt die Loyalität seiner Musiker, die ihn laut eigener Aussage nach seiner Verschollenheit wieder auf Kurs brachte. Kurze Soli bereichern die Vorstellung.

Kurz vorm Schluss gibt es eine längere Unterbrechung, weil eine Person ärztlich versorgt werden muss. Mehrfache Zugaben sind dann beispielsweise die gefeierte Ballade „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode. Ein kurzweiliger Abend voller Spielfreude, der das Lebensgefühl des Rock ’n’ Roll mühelos in die Gegenwart katapultiert und die Besucher oftmals zum Schmunzeln bringt.



Dick Brave in der Live Music Hall in Köln | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 9. Mai 2026
ID 15844
Weitere Infos siehe auch: https://www.dickbrave.de/


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