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Konzertbericht

Let´s rock

this church

together



Chris de Sarandy in der Kölner Kulturkirche | Foto © Ansgar Skoda

Bewertung:    



„Ich habe noch nie in einer Kirche gespielt. Es gibt hier sogar eine Bar im Kirchenraum. Wie schräg ist das denn?“ So derart gut gelaunt begrüßt Chris de Sarandy das Konzertpublikum in der Kölner Kulturkirche. Der britische Singer-Songwriter lebt aktuell in Berlin, wechselt aber schnell in die englische Sprache, da er seine Deutschkenntnisse noch für ausbaufähig hält. Der 28-Jährige ist Special Guest während derThe Cause I Wanna-Tour des Musikers Bernhoft. De Sarandy eröffnet das Konzert mit intimen Klängen und selbstkomponierten Melodien, wie den Songs „Body & Soul“ und „Like I don’t know you“. Der gebürtige Londoner begleitet sich an wechselnden Gitarren.

Emotional wird es, als der Künstler über die Hintergründe seines Songs „Hurts like this“ spricht. Er fragt die Konzertbesucher, ob es in ihrem näheren Verwandten- oder Freundeskreis Menschen gibt, die mental nicht gesund sind. Sichtlich bewegt erzählt der Musiker, dass er vor einiger Zeit den Verlust eines engen Freundes erlitt, der aufgrund psychischer Probleme für sich den Freitod wählte. Der Song, bei dem sich De Sarandy am Keyboard begleitet, ist wie eine Art Brief an den verstorbenen besten Freund. Die Lyrics handeln davon, wie es war, mit dem Freund aufzuwachsen. De Sarandy singt mit markanter und rauer Falsettstimme im Refrain: „There were signs I missed to get you through/ That's the worst part of losing you.“ (dt.: "Es gab Anzeichen, die ich übersehen habe, um dir zu helfen, das zu überstehen/ Das ist das Schlimmste daran, dich zu verlieren.") Authentisch verarbeitet der Künstler in dem sehr persönlichen Song eigene Gefühle des Verlusts und der Trauer.

Später performt De Sarandy auch „Cynical“. 2023 war dieser Song ein Sommer-Hit, den er mit dem Electro-House-Duo TwoColours veröffentlichte und der eine prägnante Bongotrommel-Melodie von Safri Duos Klassiker „Played-A-Live“ aus dem Jahr 2000 enthält. De Sarandy lädt während seiner Unplugged-Version in der Kulturkirche das Publikum zum Mitsingen des Refrains ein. Er freut sich über die Akustik im Innenraum der Kirche. Da bereits De Sarandy mit seinem emotional bewegenden Gesang und rhythmischen Gitarrenspiel für Begeisterung sorgte, waren die Besucher nach einer kurzen Pause schon ganz gespannt auf den Haupt-Act des Abends.

*

In der Tat sorgt der Norweger Jarle Bernhoft als routinierte Ein-Mann-Band für gelöste Stimmung und animiert das Publikum mehrfach zum Mitsingen. Er zollt den Besuchern Respekt, die es sich nicht nehmen lassen, nach seiner Anleitung Backing Vocals beizusteuern: „You’ve done your homework!“ Bereits „Space in my heart“ aus dem Solo-Album Solidarity breaks von 2011 lässt als Opener aufhorchen. Es stimmt auf ein stilvoll-abwechslungsreiches Repertoire ein. Der heute 49-Jährige bedankt sich herzlich für den warmen Empfang seiner Fans in der Domstadt und bekreuzigt sich theatralisch. Vielseitig geht es weiter mit „California“, das noch mehr nach Funk und Soul klingt. Der Musiker überrascht auf der Bühne mit Live-Looping-Techniken, mit denen er etwa bei „Lookalike“ für dynamische und komplexe Klangarrangements sorgt.

Der Multiinstrumentalist lässt bei „No us, no them“ mit roher, unmittelbarer Energie während seines facettenreich zwischen Kopfstimme und tieferen Passagen wechselnden Gesangs aufhorchen. Während „C'mon Talk“, „Come Around“ oder „All my loving“ kreiert Bernhoft live musikalische Layer, wie Percussion-Elemente, eigene Gesangsharmonien und Gitarrenriffs. In der Kulturkirche bediente er dafür vielfach ein Loop-Station-Pedal, das die gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe mehrerer Spuren spontan ermöglicht. Voller Gespür für Timing sorgt er hier für ein komplexes Arrangement mit mehrschichtigen Überlagerungen. Bernhofts Looping-Technik ist inspiriert von den Solo-Liveauftritten von Prince. Auch Bernhofts Gesang mit hoher, wandlungsfähiger Kopfstimme und kraftvoll souliger Intensität erinnert an „his Royal Badness“, wie Prince auch genannt wird.

In dem leiseren und atmosphärischen „Little Ghost“ beleuchtet Bernhoft sanft und im wahrsten Sinne des Wortes geistreich zwischenmenschliche Beziehungen. Bei der Anmoderation von „No place like home“ erzählt der Vater zweier Söhne, er sei zuletzt nicht mehr so engagiert beim Songwriting gewesen. Er bewege sich altersmäßig ja langsam auf die Fünfzig zu und sei als Familienvater häuslicher geworden. Der Enthusiasmus seines Publikums reiße ihn während seiner Tourneen jedoch stets mit, auch an diesem Abend in Köln.

Der Sohn eines Opernsängers und einer Musiklehrerin aus dem norwegischen Nittedal startete seine Karriere bereits Anfang der 2000er Jahre als Leadsänger der Hardrockband SPAN. 2005 folgte seine Solokarriere mit einem stilistischen Wechsel hin zur gefühlvolleren Soulmusik. Bernhoft wurde in seiner Heimat, wo er bis heute am erfolgreichsten ist, mehrfach mit renommierten Musikpreisen ausgezeichnet, wie 2011 mit dem „Spellemannprisen“ als bester Künstler. 2023 veröffentlichte er sein sechstes Studioalbum Avenue of Loveless Hearts sowie 2025 das Live-Album Live at the Opera.

Als Zugabe performt Bernhoft „ESIWALK“ aus seinem international bekannten 2014er Album Islander, das sich Themen wie Selbstfindung und Identität widmet. Mit Islander wurde Bernhoft 2015 als erster nicht-amerikanischer Künstler für den Grammy in der Kategorie „Best R&B Album“ nominiert. Während „ESIWALK“ erheben sich auch die letzten Besucher von den Kirchenbänken, um während der Performance mitzuwippen. Die vielseitige Fusion aus Soul, Funk, R&B, Popmusik und Rock begleitet die Zuhörer noch lange auf dem Nachhauseweg durch die winterlich kalte Nacht.



Bernhoft in der Kölner Kulturkirche | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 6. Februar 2026
ID 15682
Weitere Infos siehe auch: https://www.bernhoft.org/


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