Mr. Rock & Roll is back
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Amy Macdonald am 27. März 2026 im Kölner Palladium | Foto © Ansgar Skoda
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Bewertung:
Nach längerer Pause kehrte die schottische Singer-Songwriterin Amy Macdonald zurück auf die deutschen Bühnen; ich sah die Bardin aus Glasgow zuletzt vor fast zehn Jahren im strömenden Regen auf dem Bonner Kunstrasen.
Das Palladium in Köln war Wochen im Vorfeld restlos ausverkauft, obwohl am gleichen Abend in der Domstadt auch die britische Indie-Rock-Band Florence & the Machine um die Londoner Leadsängerin Florence Welch in der Lanxess Arena auftrat. Mit ihrer bodenständigen Art und einem ausgewogenen Programm aus zeitlosen Hits aus ihrer nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernden Karriere und neueren Songs sorgte die heute 38-Jährige für eine angenehme und nostalgische Stimmung.
Routiniert und bestens disponiert eröffnet sie ihr Konzert gegen 20 Uhr mit einer Performance von „Is This What You’ve Been Waiting For?“. Dies ist zugleich der Titelsong ihres aktuellen Albums und die offizielle Hymne der ARD zur Frauen-Fußball-EM 2025. Ihr Indie-Folk hat Stadion-Appeal. Macdonald bietet das Lied mit Flexibilität und Dynamik in ihrer charakteristischen, rauchig-tiefen Stimme dar. Die Folk-Pop-Ikone thematisiert hier die Erwartungshaltung von Fans und Labels nach ständigem neuem Output im Streaming-Zeitalter. Sie verarbeitet auf ihrer aktuellen Platte persönliche Erfahrungen sowie gesellschaftliche Beobachtungen und behandelt das resiliente Weitermachen. Auch das live performte „I’m Done (Games That You Play)“ entstammt dem neuen Album und thematisiert Selbstbehauptung und Abgrenzung. In den Lyrics geht es darum, zu lernen, „Nein“ zu sagen und toxische Kreisläufe zu durchbrechen. Ihr 2025 veröffentlichtes sechstes Album wurde im gleichen Jahr mit dem Scottish Music Award in der Kategorie „Best Album Award“ ausgezeichnet.
Die Frau mit dem schottischen Akzent und dem rollenden R in der Alt-Stimme unterbricht plötzlich die Performance, weil eine Person im vorderen Bereich des Publikums umkippte und versorgt werden muss. Während auf die Security und eine ärztliche Versorgung gewartet wird, stellt die Lowland-Lady beherzt ihre routinierte Live-Band vor. Begleitet wird Amy im Palladium von ihren langjährigen Musikerkollegen mit detailgenauer Lässigkeit, eindrucksvoll federnd und klangschön: Henry Bowers-Broadbend spielte an den Keyboards, Adam Falkner am Schlagzeug, Ben Lyonsmyth an der Lead-Gitarre, Jimmy Sims am Bass und Gordon Turner an der Rhythmus-Gitarre. Schnell geht es weiter mit Folk-Pop und intimeren, leiseren Momenten, in denen oft ein energisches, rhythmisches Akustikgitarren-Spiel der Musik eine handgemachte, organische Basis verleiht.
Wenn Amy „Don’t Tell Me That It’s Over“ anklingen lässt, befürchten einige im Publikum schon, ein Konzertende deute sich an. Doch ihr Song handelt nicht primär von einer klassischen Trennung oder Liebeskummer, sondern von Selbstbestimmung und auch dem Thema Umweltschutz. Ihre Lyrics richten sich gegen Bevormundung. Eine Kernbotschaft ist, sich nicht von anderen (oder der Regierung) vorschreiben zu lassen, wie man zu leben hat. Obwohl Amy hier auch negative Gefühle und die „Mess“ (das Chaos) der Welt besingt, betont der Refrain optimistisch mit „It’s only just begun“, dass es noch nicht zu spät für einen Neuanfang oder positive Veränderungen ist.
Zwischen den Songs glänzt Amy mit schottischem Charme und kleinen Anekdoten, etwa wenn sie Trinkbecher mit ihrem Konterfei bewirbt, die während des Konzertes an den Theken ausgegeben werden. Diese könne man auch mit nach Hause nehmen. Sie nimmt es schmunzelnd zur Kenntnis, wenn diese nicht zurückgegeben würden, lacht Amy.
Bei den Zugaben werden die Handys gezückt und es gibt zahllose tanzende Reihen im Publikum. Die Welthits „This Is The Life“ und „Mr. Rock & Roll“ dürfen natürlich nicht fehlen. Bei den hymnenhaften, eingängigen Refrains singen die Zuschauer lautstark mit. Als letzten Song performt die zierliche Songwriterin mit Wucht und Präsenz in der Stimme „Let’s Start a Band“ – wie auch die zuvor genannten Lieder ein Titel aus ihrem gefeierten Albumdebüt von 2007.
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Amy Macdonald im Kölner Palladium | Foto © Ansgar Skoda
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Ansgar Skoda - 5. März 2026 (2) ID 15739
Als Vorband (Support) trat das Indie-Pop-Projekt Better Joy aus Manchester auf. Die Formation bereitete stilistisch mit druckvollen Gitarrenwänden und in den Lyrics metaphernreich bereits auf Amys Musik vor. Bria Keely an den Vocals und der Rhythmusgitarre, Darragh Burke an der Leadgitarre, Kyle Ross am Bass und Jamie Ford am Schlagzeug präsentierten ein etwa 30-minütiges Set voller gitarrenlastigem Indie-Pop-Sound. Der im September 2025 erschienene Song „plugged in“ sorgte für Begeisterung. Der Refrain „Listen now and listen loud, now you’re the one that plugs me in“ beschreibt den Moment, in dem man sich jemandem öffnet und dadurch wieder „mit Strom versorgt“ wird. Der Song erzählt so von emotionaler Wiederbelebung, neuer Energie und Lebensfreude durch eine Begegnung oder Erfahrung nach einer Phase der Isolation.
Weitere Infos siehe auch: https://www.amymacdonald.co.uk/
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