Einsam in
Zweisamkeit
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Corinna Harfouch und Peter Lohmeyer am 24.11.2025 als Alma und Gustav Mahler in der Kölner Philharmonie | Foto © Ansgar Skoda
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Bewertung:
In ihrem Bühnenprogramm "Du klingst so komisch" widmete sich Corinna Harfouch noch der wohltuenden Beanspruchung der Lachmuskeln, mit komischen Erzählungen etwa von Eva Menasse oder David Foster Wallace. Weniger lustig war möglicherweise die Ehe von Alma (1879-1964) und Gustav Mahler (1860-1911). Die ostdeutsche Schauspielerin porträtiert nun die manchmal unterschätzte Komponistin in einer szenischen Lesung mit musikalischer Begleitung. Um 1901 war die 22-Jährige Alma Schindler eine umworbene Muse mehrerer Musiker und hatte selbst Künstlerambitionen.
Peter Lohmeyer mimt ihr Gegenstück als egozentrischer Gustav Mahler souverän. Der 41-jährige Gustav fordert eindrücklich seine etwa neunzehn Jahre jüngere Verlobte Alma dazu auf, ihr Kompositionsstudium weitestgehend aufzugeben. Es ist sein Wunsch, dass sie sich ihm in seinem künstlerischen Schaffen vollends unterzuordnen möge und gemeinsame Kinder zur Welt bringt. Alma ist in einem Zwiespalt, da sie sowohl Gustav liebt, als auch selbst als Komponistin tätig sein möchte.
Harfouch und Lohmeyer tragen Auszüge aus Briefen von Gustav und Alma Mahler vor. Harfouch zitiert zudem aus Almas Autobiografie Mein Leben, Lohmeyer liest aus den Erinnerungen von Gustav Mahler. Harfouch ist heute 70, Lohmeyer 63, somit vermögen beide es nicht, den Altersunterschied des in der Lesung skizzierten Paares zu verkörpern. Harfouch deutet im Vorgetragenen an, dass Alma in ihren Aufzeichnungen durchaus bedauert, dass Gustav im Geiste nicht mehr so jung ist, wie sie. Texte von Alban Berg, Johannes Brahms, Sigmund Freud, Arnold Schönberg, Anton Webern, Hans von Bülow, Jean Sibelius und Bruno Walter sowie anderen Zeitzeugen bereichern das Bild des prominenten Künstlerpaares.
Die Eheleute Mahler werden zudem als Komponisten gewürdigt, wenn zwischen den rezitierten Gedanken der Mahlers oder deren Zeitzeugen der Bariton Roman Trekel und die Pianistin Hideyo Harada verschiedene Kostproben aus dem reichhaltigen Oeuvre der Künstler zum Vortrag bringen. Der Wechsel zwischen musikalischem Spiel und szenischer Lesung schafft einen wirkungsvollen Kontrast.
Von Alma erklingen die Lieder „Die stille Stadt“, „Ich wandle unter Blumen“ und „Ansturm“, von Gustav Mahler Stücke aus Des Knaben Wunderhorn, den Rückert- und den Kindertotenliedern sowie für Klavier bearbeitete Sätze aus seiner 2., 5. und 8. Sinfonie.
Alma und Gustav wurden Eltern zweier Töchter: Anna und Maria. Almas Beziehung zu Walter Gropius sorgt bei Gustav für rasende Eifersucht; er stirbt im Alter von 50 Jahren an einer Herzkrankheit. Die Ehen und Affären von Alma Mahler sind berühmt-berüchtigt. Im Laufe ihres Lebens heiratete sie 1915 den Architekten und Bauhaus-Gründer Gropius, dann 1929 den Schriftsteller Franz Werfel. Außerdem hatte sie eine Liaison mit dem Maler Oskar Kokoschka, der sie auf vielen seiner Bilder festhielt.
Der literarisch-musikalische Abend verdeutlicht eindrücklich ein paar der prägendsten Momente einer komplizierten Künstlerehe und hallt nach.
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Roman Trekel, Corinna Harfouch, Hideyo Harada und Peter Lohmeyer beim Abschlussapplaus zu Alma und Gustav Mahler in der Kölner Philharmonie | Foto © Ansgar Skoda
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Ansgar Skoda - 29. November 2025 ID 15579
Weitere Infos siehe auch: https://www.koelner-philharmonie.de
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