Berliner Requiem
von Kurt Weill u.a.
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Bewertung:
Ein gespannt segelnder Grundton erzählt von Unruhe und Vorahnung. In einer bemerkenswerten Bandbreite zeichnen sich feine Wechsel und Nuancen ab.
Das SWR Vokalensemble und das Ensemble Ascolta boten unter dem Dirigat von Benjamin Goodson in der Koblenzer Basilika St. Kastor eine bewegende Interpretation von Kurt Weills Berliner Requiem sowie von Werken von Mike Svoboda und Benjamin Britten. Das Programm anlässlich des Festivals RheinVokal thematisierte einen Dialog über das Vergehen und die Endlichkeit, auch in Kriegszeiten.
Unter Goodsons Leitung agierten der Stuttgarter Chor des Südwestrundfunks und das Stuttgarter Kammermusikensemble in wechselnden Besetzungen, beginnend mit A-cappella-Werken von Britten. Für Weills Requiem begleiteten Bläser des Ensembles Ascolta einen verstärkten Männerchor, während bei der Uraufführung von Svobodas Moon Child ein erweiterter Frauenchor auf die Instrumentalisten traf.
Die einleitende Darbietung von Brittens frühem Chorwerk Ad maiorem Dei gloriam setzte einen klanglichen Glanzpunkt des Konzerts. Das SWR Vokalensemble interpretierte die komplexen Vertonungen der Gedichte von Gerard Manley Hopkins mit einem filigran-kristallinen Chorgesang. Im dialogischen Wechsel der Stimmlagen wurde die religiöse Ekstase und Zerrissenheit der Stücke hörbar. Die Sängerinnen und Sänger artikulierten die verschachtelte Polyphonie transparent. Reibungsvolle Sekundakkorde und rhythmische Synkopen wurden kraftvoll und dynamisch packend dargeboten.
Hauptwerk des Abends bildete das Berliner Requiem mit nüchternen Brecht-Texten und glutvoll flackernden Bläsern. Solistische Darbietungen von Johannes Mayer und Georg Gädker zeichneten sich durch klare Linien und eine sachliche, dokumentarische Vortragsweise ohne Pathos aus. Während Mayers Textverständlichkeit während seiner dramatischen Tenorpartie litt, da er von den Bläsern übertönt wurde, nahm sich bei Gädkers Part das Orchester zurück. Gädkers Bariton strahlte hier während des "Zweiten Berichts über den Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen" präsent, sehnig und viril.
Svobodas Moon Child schuf nach einer Pause eine vitale, mit assoziativ aufeinanderfolgenden Lauten und Worten flirrende Gegenposition zur männlich dominierten Kriegs- und Todesästhetik. Der Komponist stellt hier mit feinem Gespür eine lebensbejahende, schöpferische und emanzipatorische Kraft der Frau in den Mittelpunkt. Der Frauenchor setzte das vor wenigen Tagen in Stuttgart uraufgeführte klangexperimentelle Auftragswerk flächig, elegisch und raumgreifend mit lange anwachsenden und variierenden Klangbildern um. Stimmen erhoben sich hier kontrastreich disponiert mit leiser Vielfarbigkeit.
Brittens Sacred and Profane rundete das Konzert mit virtuosen, dissonanten Vokalstücken und schwarzem Humor ab. Britten vertonte hier altenglische Texte des 14. Jahrhunderts, die im Spannungsfeld zwischen tiefer religiöser Andacht und derbem, humorvollem Alltagsleben die Unausweichlichkeit des Todes und die Vergänglichkeit des Seins reflektieren.
Entfesselte und wandelbare Klanglichter, kalkuliert ausbalancierte Tonalitäten und eine agile Schnellkraft des Orchesters rundeten den Konzertabend ab. Der Chor und das Instrumentalensemble agierten mit spürbarer Spielfreude, die sich auch akustisch auf das Publikum übertrug.
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Abschlussapplaus für das SWR Vokalensemble, das Ensemble Ascolta und Dirigenten Benjamin Goodson in der Basilika Sankt Kastor in Koblenz | Foto © Ansgar Skoda
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Die romanische Basilika St. Kastor, das älteste erhaltene Gotteshaus der Stadt, bot mit ihrer sakralen Architektur, dem kunstvollen gotischen Sternrippengewölbe aus dem 15. Jahrhundert im Innenraum und der weiträumigen Akustik einen idealen, geschichtsträchtigen Resonanzraum für dieses kontraststarke, tiefgründige und dramaturgisch dichte Ereignis.
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Ansgar Skoda - 1. August 2026 ID 15971
Weitere Infos siehe auch: https://www.rheinvokal.de/
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