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Wiederaufnahme


31. Oktober 2013 - Oper Köln

ALCINA

von Georg Friedrich Händel




Menschliches, Allzumenschliches

Verkleidungen, Verstellungen und Zauberoper – das alles verbindet man mit Händels Alcina. Nichts davon in Ingo Kerkhofs Inszenierung an der Oper Köln. Stattdessen extrem reduzierte Räume: eine portalbreite und hohe Wand mit Tür im ersten und zweiten Akt, leere Bühne mit offenen Türen/Durchgängen zur Linken im dritten Akt nach der Pause. Schwarz und Weiß dominieren. Auch die Formel der Kostüme ist einfach: Alcina, die Zauberin, in schwarzen Kleidern (mal kurz, mal länger, mal mit hohem Beinausschnitt), Bradamante, ihre Widersacherin um die Liebe Ruggieros, als Braut in Weiß. Dazwischen die Herren in schwarzen Anzügen mit grauem Mantel.

Statt Zauberoper also Kammerspiel. Auch in der Personenregie setzt Kerkhof folgerichtig auf Psychologie. Und hat einige Sänger zur Verfügung, die nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch überzeugen. Allen voran Claudia Rohrbach als Alcina, die eine starke, omnipräsente Zauberin eher behauptet, als diese Funktion auch zu bekleiden. Sie weiß um ihre Schönheit und ist es gewohnt, dass ihr alle zu Füßen liegen. Aber durch die Liebe zu Ruggiero wird sie verletzlich. Großartig und überaus schlicht gelingt Alcinas „Ombre pallide“, in der sie die Geister beschwört, die ihr nicht mehr gehorchen wollen. Auf der Bühne nur Claudia Rohrbach, hinter ihr eine Wand und ihre Schatten. Das reicht, um ein faszinierendes Seelenbild von unglaublicher Eindringlichkeit zu entwickeln. Vor allem Alcinas Verunsicherung wird in dieser Szene mehr als deutlich.

Kerkhofs Konzept geht auf, nur im ersten Teil muss man etwas Geduld haben. Das liegt aber auch an Händels Oper, die im zweiten und dritten Akt deutlich an Fahrt gewinnt und ein musikalisches Highlight nach dem anderen setzt. Die Kölner Alcina ist keine Solonummer, sondern lebt wesentlich vom Zusammenspiel aller Beteiligten. Auch das Gürzenich-Orchester unter Konrad Junghänel leistet seinen Beitrag zu der gelungenen Aufführung. Ein besonderer Reiz der Ausweichspielstätte Palladium ist dabei, dass das Orchester vor der Bühne im Sichtfeld des Zuschauers positioniert ist und nicht im Graben – den es hier nicht gibt – verschwindet.

Der dritte Akt versammelt nahezu durchgehend alle Akteure auf der Bühne und treibt das Gefühlswirrwarr auf die Spitze. Am Ende kulminiert das Bedrohungsszenario: Der Junge Oberto, der seinen Vater sucht, bedroht Alcina mit einer Pistole, auch ihr früherer Geliebter Ruggiero will sie kurz darauf töten. Zu einer Tat kann sich aber keiner entschließen. Obwohl die Türen offenstehen, geht niemand.


Bewertung:    


Karoline Bendig - 2. November 2013 (2)
ID 7317
ALCINA (Palladium, 31.10.2013)
Musikalische Leitung: Konrad Junghänel
Inszenierung: Ingo Kerkhof
Bühne: Anne Neuser
Kostüme: Stephan von Wedel 
Licht: Nicol Hungsberg
Fechttraining: Klaus Figge
Dramaturgie: Tanja Fasching
Mit: Claudia Rohrbach (Alcina), Regina Richter (Ruggiero), Anna Palimina (Morgana), Katrin Wundsam (Bradamante), John Heuzenroeder (Oronte), Young Doo Park (Melisso) und Marta Wryk (Oberto)
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere war am 16. Juni 2012
Weitere Termine: 2., 7., 9., 13., 21. 11. 2013


Weitere Infos siehe auch: http://www.operkoeln.com


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