4. - 7. Januar 2008, Staatskapelle Berlin / DSO
TURANGALILA-SINFONIE von Olivier Messiaen
Dirigiert von Zubin Mehta / Ingo Metzmacher
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Olivier Messiaen (1908-1992)
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Liebendes, vorauseilendes Pferd
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Ich kannte Einen, der im Fabulieren einmalig gewesen war. Und so erzählte er mir die Geschichte von dem Pferd, das mit der Schnecke um die Wette rennen wollte. Es war allegorisch angedacht, denn keiner wäre je auf die Idee gekommen, dass ein Pferd mit einer Schnecke... Und so zierte sich die Schnecke, die vom Pferd geliebt wurde, und wie das Pferd ihr mit dem kuriosen Anliegen entgegenkam, ja und obgleich es ihr einen schier unaufholbar einnehmenden Vorsprung bot, blockte sie; nein! es nützte nichts - die Schnecke hatte keine Lust, sich mit dem Pferd zu messen, und sie ließ es rennen wie es wollte. Bis das Pferd, im Wahn, die Schnecke würde es am Ende doch vielleicht "verfolgen", gegen einen Baum krachte. So einfach und so furchtbar schloss die Fabel.
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Messiaen hat drei Jahre lang an der TURANGALILA-SINFONIE geschafft, sie war ein Auftragswerk.
TURANGALILA kommt, vom Wort her, aus dem vedischen Sanskrit. Es heißt so viel wie "Tempo eines Pferdes" (= TURANGA) inkl. "Lebenskraft" (= LILA); wobei die letzten beiden Silben, also LILA, zu betonen wären.
Doch Messiaen hat dieser Übersetzung wenig oder keinerlei Bedeutung beigemessen, er sah sich spirituell von diesem Wort begeistert, und so setzte er es halt als Titel über eins der rätselhaftesten und weisesten der Werke aus der Mitte des zurückliegenden 20. Jahrhunderts.
Es ist - aus der Perspektive des Dramatikers betrachtet - primitiv gestrickt: 10 Sätze hat das Stück. Und diese Anzahl lässt sich aufsplitten in 2 mal 5. Also zwei Fünfakter, in denen, fast identisch, parallel das Gleiche nach und nach geschieht. Je zweifach werden (die Zentral-Stellen im Stück) die allerschönsten Liebesszenen, die man sich seit Wagners TRISTAN denken könnte, koloriert. Daneben wird diesem nicht weiterhin thematisierten Wort TURANGALILA dreimal jeweils ein Satz zubestimmt; es hört sich indisch-indonesisch, also "folkloristisch" an. Dann diese zwei im Stampfend-Tänzerischen auspulsierenden Finali. Und die große Stückeinleitung mit den Vorstellungen aller noch zu handhabenden Themen und Motive. Insgesamt, 10 Sätze lang, ergibt es dieses faszinierende - für mich um alle Einzelsätze austauschbare - typische Messiaen-Gemisch. Diesen so unverwechselbaren "dissonant-harmonisch" anrührenden Klang.
Ich hatte die TURANGALILA-SINFONIE noch nie zuvor gehört, und ich erlebte sie als Wetterfühlungen, so wie sie unterschiedlicher nicht auf mich wirken konnten.
Auch: Der Zufall wollte es, in vier (zwei) aufeinanderfolgenden Konzerten zwei sich völlig unabhängig voneinander gebenden Stückansichten zu lauschen. Einmal dirigierte Zubin Mehta die Berliner Staatskapelle, und das andre Mal leitete Ingo Metzmacher das Deutsche Symphonie Orchester.
Und zwei Preise würde ich vergeben: eine Herz- und eine analytische Trophäe.
Während Ingo Metzmacher das Sück in allen möglichen Details (präzise von den Musikern des DSO gespielt) skalpellischst und mitunter hart, ja bis zur Schmerzgrenze getrieben, auseinander nimmt - lässt Zubin Mehta es als "ganzrundigen" und organisch aus sich selbst lebenden Warm- und Wohlklang gleichpulsig herbeifließen.
Also, mein Favorit steht fest: Den Herzpreis kriegt die Staatskapelle.
In Gedanken bei dem liebenden, vorauseilenden Pferd.
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Berliner Auffühungen der TURANGALILA-SINFONIE am 4./5./6./7. Januar 2008
Roger Muraro (Klavier)
Valérie Hartmann-Claverie (Ondes Martenot)
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Zubin Mehta
Konzerte am 4. und 5. 1. 2008 in der Philharmonie und im Konzerthaus Berlin
Jean-Efflam Bavouzet (Klavier)
Takashi Harada (Ondes Martenot)
Deutsches Symphonie Orchester Berlin
Dirigent: Ingo Metzmacher
Konzerte am 6. und 7. 1. 2008 in der Philharmonie Berlin
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Andre Sokolowski - red. / 8. Januar 2008 http://www.andre-sokolowski.de ID 00000003638
Weitere Infos siehe auch: http://www.staatskapelle-berlin.de / http://www.dso-berlin.de
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