Die Besetzung oder von Revolten des Intervalls
Gruppen von Karl Heinz Stockhausen als Raummusik im Hangar II des Flughafen Tempelhof – musikfest 2008 berlin. Teil 2: Das Konzert
Text: Gerald Pirner Bilder: Rosmarie Burger
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Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit VIII, 1988/89
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[…] bedeutsam ist aber, dass die ersten längerfristig bewohnten Häuser mit dem Erscheinen der ersten rhythmischen Darstellungen zusammenfallen. […] Der Rhythmus der regularisierten Kadenzen und Intervalle tritt an die Stelle der chaotischen Rhythmizität der natürlichen Welt und wird zum wichtigsten Element in der menschlichen Sozialisation. (André Leroi-Gourhan)
Mithilfe von ein paar Tabellen und riesenhaften selbstgeschnitzten Kurvenlinealen ritzte er die Form der Spanten auf dickes weißes Papier. Und es war ein vollkommenes Bild, wie sich die eine Konstruktion aus der anderen entwickelte. (Hans Henny Jahnn)
Alles was unmittelbar erlebt wurde ist in eine Vorstellung entwichen. (Guy Debord)
Ein Geräusch flüchtig genug um zu bleiben; ohne Bild kein Ort um es loszuwerden. Alles Mögliche vom Raum bereitgehalten, und warum nicht auch dies, und gerade dann wenn es verschwunden. Schwer werden, denkt er, auf dass alles an ihm halte und kein Zeichen mehr außerhalb. Dann wäre Platz und er käme durch.
Scharf angerissen ein Akkord; ein weiches Klangband da heraus - dieselben Töne. Alle Halbtöne seines Intervallrahmens in einer Figur der Bratsche, deren Geste von anderen Streichern fragmentiert, zerfallend in unterschiedlichen Metren. Was vorher nur links jetzt mittig – nur eine Sekund tiefer. Gestalten wie gebrochen - nichts kommt weit, nichts wird Melodie, nichts wird Thema. Nochmaliger Versuch der Bratsche und erneut alles an Tönen angetupft was möglich. Nichts wiederholt. Kreiselnd ein Klang ins Crescendo - abrupt abgerissen vor verlorenem Gesprengsel einer Harfe. Leise ein seidendurchsichtiger Streicherstreif da hinaus geschoben und nach rechts. Gekreisch, fast ein Schrei der Solovioline weit über zwei Oktaven hinauf. Der reißt alle Fläche auf, bricht alle Bewegung und das Rahmenintervall gleich mit. Zwei Töne nur. Der obere, ins Geräuschhafte gekippt, stellt Raum so sehr in Frage wie Berechenbarkeit wie Gestalt.
Tags darauf der Helikopter. Sie hatte die Arme gehoben. Verzögert der Einsatz. Nachdem die Rotoren verstummt, das Horn. Horn solo zu Beginn. Das stehe, so der Komponist, für die Wüste, deren Einsamkeit später von auskomponierten Vogelstimmen transzendiert. Neben den Farben der Felsen sollten sie später hinaufführen und hinaus aus den Abgründen der Hölle. Dann später und bevor die Heilige Stadt diese göttliche Braut erschiene. Jetzt aber der Helikopter und akustisch bricht der Ort hier dem ästhetisierten Krieg einen Vorstellungsraum auf, evoziert darin der durchgeknallte Südstaatenkommandeur aus Francis Ford Coppolas Apocalypse und die Fanfaren der Walküre, die er bei jedem Angriff von den Maschinen aus abspielen lässt bevor er die Dörfer beschießt. Musikalisches Geschehen als wehrloses Ereignis vom Ort seiner Aufführung zu Bildern deformiert, deren Haftungskraft vor allem aus Klischees gespeist, die dem Instrument von seiner Verwendung im Laufe der Musikgeschichte angetan.
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Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit IX, 1988/89
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Handaufriss durch Backstein in Stahl zwischen Fugen. Streift Klebriges an den Rahmen und dass sie wohl frisch gekalkt. Weiß seien sie jedenfalls, wie Sie sagt, und er wendet sich und wischt den Rest an feste Stoffbahnen, die an Stellagen hinten hochgezogen. Dazwischen und abwechselnd mit diesen, hölzerne Paravents deren stumpf vertikal nach vorne geschobenen Wellen sich rhythmisch in die Hand schieben und zurück. Der Raum aber nicht in seinem Inneren überformt. Eher mit solcher Art Gestell provisorisch Raum im Raum, in welchem der Schall zum Ort seiner Entfaltung gestaucht: Übergänge Grenzen und Ränder ganz handgreiflich zwischen Stein Stahl Holz und Gewebe. Abgeschlossen die Hangarhalle mit dem künstlichen Klangraum in ihr durch den Blick und dass die Schallwände hinter den drei Bühnen schräg nach vorn und zur Decke hin. Schienen dort noch zu sehen, wie Sie sagt. Wahrscheinlich von Kränen. An den Stahltüren jeweils ein freundlicher Mensch der niemanden hinaus lässt. Die Schilder an der Mauer vor dem Hangar erinnert, die Sie ihm vorgelesen: Detachement U.S. Army Berlin Brigade.
Flöte und Kontrabass synchron - ein anderes Intervall ausgespannt dessen Rahmen eingehalten von glitzernd metallischen Harfenspritzern, auf die weich Streicherlinien gesenkt. Klangstrudel in verschiedenen Rhythmen ineinander geschoben, sich scheinbar blockierend, verlangsamend, ohne tatsächlich langsamer zu werden. Erstarrung in Bewegung - Zeiten übereinander ins Zeitlose. Mittig eine Bratsche in einer Figur nach oben aus dem klanglichen Mahlstrom gedreht und erneut ein Streicherband nach rechts hin auslaufend, nur etwas breiter, grober als das erste. In kleinen Sprüngen eine Violine in diese herab als wolle sie darin aufgefangen werden, etwas abschließend bevor es nicht mehr im Griff. Kurze Blecheinwürfe. Eine Trompete verzerrt und ein erneuter Sprung der Violine nach oben, jetzt mittig aber und nicht mehr so weit und nicht mehr so scharf nicht so raumgreifend. Eine breite Klangballung von drei Seiten her die Antwort darauf; Akkordeinwürfe blechdominiert übereinanderstürzend in unterschiedlichen Metren voller Wucht voller Erregung. Streicher aus dieser Dichte hinausgeschoben hinausgedrängt und aufgeregt diese zitternd.
Physikalische Vorgänge in geometrischen Bildern, von Hoch oder Tief - nur Imaginationen die über Beschleunigungen oder Verlangsamungen gezogen, diese der Zeitauffassung der HörerInnen immer entgehend. Sprechen über Musik nie über Metaphorisches hinaus und daran birgt Wahrnehmung ihre Unbegrifflichkeit und ihre Unbegreifbarkeit zugleich. Von Musik das Sprechen zwischen Körperlichkeit und Struktur am Rande des Unsagbaren zurückgelassen, hört es auf sich dort zu verlieren, wo Ton und Klang alle Wesenhaftigkeit abhanden gekommen und jeder Zugriff nur einer ins Leere. Hatte in der Spätromantik und mit dem Begriff des Ausdrucks die Verquickung von Musik mit banalisierenden Gefühlssprachbildern ihren Höhepunkt gefunden, schlug der anfänglich strenge Serialismus in der Determinierung eines jeden einzelnen Tones nach Dauer Höhe Dynamik und Klangfarbe einen Weg zurück zur Musik, der - unversichert von sprachlicher Beschreibbarkeit - innerhalb der Zahl sich ganz bei Musik aufhalten sollte, in Kauf nehmend freilich dabei dass solcher Weg selbst nur außerhalb von Musik in Berechnungen Statistiken und Tabellen begehbar. Noch Begriffen wie Hoch und Tief war als Zeitverstellungen das metaphorische Gewand herabzureisen und aller Affektenballast von Ton und Klängen gleich mit. Werke puristischer Reinheit entstanden so, Werke die Karl Heinz Stockhausen ab und an als „scheußlich“ empfand. Ähnlich war es ihm zunächst mit dem eigenen Werk Gruppen für 3 Orchester – komponiert zur selben Zeit wie Gesang der Jünglinge (siehe dazu Teil 1 dieses Textes Offenbarung und Apokalypse) - ergangen, das ihn aber auch was die Klangfarbe betrifft an die Grenzen seriellen Komponierens gebracht. Allein elektronisch ist diese präzis bestimmbar. In Werken für Orchester hatte sich der Komponist oder „Organisator von Klängen“ mit Annäherungen zu begnügen. Solche Annäherung aber ist das, was Stockhausen als Gruppe bezeichnete: „Mit Gruppe ist eine bestimmte Anzahl von Tönen gemeint, die durch verwandte Proportionen zu einer übergeordneten Erlebnisqualität verbunden sind, der Gruppe nämlich. Die verschiedenen Gruppen in eine Komposition haben verschiedene Proportionsmerkmale, verschiedene Struktur, sind aber insofern aufeinander bezogen, als man die Eigenschaften einer Gruppe erst versteht, wenn man sie mit den anderen Gruppen im Grad der Verwandtschaft vergleicht.“
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Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit X, 1988/89
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Gelenkhoch Schenkelausschnitt in Krümmung eingedrückt und polyesterporös der Hand nach darüber. Zweifingergliedrig und das auf drei wenigstens, gefällig nachgebend reißt geringer Druck noch andere mit. Unbesetzt die. Wohl also zu früh. Festes einfußig überbrückt, den anderen auch in diese Richtung. Fährt nach und spürt, dass das dazu gehört, weil es weitergeht und er freilich nicht. Wahrscheinlich ein Kabel. Wortbruchstückhafte Ausrichtung. Raum von Geräusch zu Ort aufgerissen und was erscheint hat kein Zeichen – zumindest nicht für ihn. Taktil zertrümmert hereinstakender Raum, der hier nur hinter Benennbarem verschwunden. Karten über Haut. Abwegigem anstößiges Gedächtnis. Ungegliedert will das nur fett werden, sich voll fressend an allem was zustößt. In solches Gitterraster geschoben, dass es an ihm sich abzeichne, dass sich daran wieder erkenne was kommt, wo doch nicht mehr an Türen geglaubt, von denen her ein Hinaus versprochen.
Ein Bild, Sie erneut, und in Zeit gefasst dass diese allein schon im Gesehenen zerfalle. Der Klangkörper dreigeteilt. Drei Orchester an drei Orten und jedem ein Dirigent. Metren Rhythmen garantiert von jedem für sich und was zu hören sein sollte könnte zwar simultan sein aber nicht synchron, das sagt die Aufstellung die Verteilung des Körpers, das sagt der Raum von der Zeit. Kaum aber dass der Klang angehoben widerspricht das Gehörte dem Bild, widerspricht jedem Teil: zerteilt der, zersetzt der und die Zeit, zerbrochen alles dass nichts dort hält. Von der Ähnlichkeit weit entfernte Klangpunkte miteinander in Beziehung gesetzt. Schroffe Akkordvertikale als Antwort Einsätzen anderer Orchester hingeworfen. Bruchstückhafte Figuren, kleine Pizzicatogesten andernorts aufgegriffen und, wo nicht wie suchend zerfallen, verspielt. Die drei Orchestergruppen jeweils in vier Klanggruppen unterteilt: Streicher Pizzicato Blech und Holz. In Linien aus ihnen Raumschnitte. Dialoge metrenübergreifend und selbst da, wo nichts davon in den Serien geplant, sich im Hören ergebend vom Hören geordnet, differenziert in Horizont und Figur. Ausgelöst noch aus dichtesten Metrenschichten klangliche Ortsrisse widerspenstig abgesprungen - Unberechenbares aus Berechnetem. Gruppen als Körpereinheiten aufgestellt und Gruppen in ihnen wie deren Klangorgane und wo sie wirken in Ortsübergriffen Raumeinheiten zersprengt. Trennend verbindende Bewegung. Nichts davon aber zunächst komponiert. Nichts so gehört auf Papier.
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Im Gehörten Geschriebenes verraten. Erzählung als Aufriss und Einschub. Horizontale Bänder hinübergezogen vom ersten Orchester ins dritte und ins Leere hinein die Violine gehalten, als sollte der geteilte Körper ihr zuhören. Trippelnde Gestikulationen von Gezupftem, über das Bläser geschirmt, und in Umklammerung ihres Atems Schlagwerk und Pauken. Harfen im ersten Orchester und im dritten, Intervall von Räumen für einen Raum und den klammern sie der E-Gitarre aus, die im Luftigen sich doch nur eng versonnen vergibt. Im Schrei einer Klarinette die Violine des Anfangs imitiert und hin- und hergewälzt in Klangmassenträgheit, die ihr bettende Wucht, die ihr Hut oder sie vielleicht dieser. Bläserauswürfe gegen Klavier, Tuben und dumpfes Schlagwerk, und das wälzt sich in einen Mahlstrom. Rhythmen als Außengestäng von dem her all das atmet. Tonausgewiesene Orte in ihrem Doppel anderswo verlassen, als nutzte ein Drittes nur Material, um räumlich sich zu bewegen. In Homophonien Figuren aufgegriffen, von Haarrissen im Klang verratene Double - Pauken etwa und gezupfte Bässe - sich infizierend, fortgepflanzt an aufgedeckten Orten, an denen von ihrer eigenen Verdichtung sie verschlungen.
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Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XI, 1988/89
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Die Gruppen, nicht allein räumliche Verteilung des Klangkörpers im Raum, bilden zugleich das Organisationsprinzip der Komposition, dem Komponieren dabei in gewisser Weise widersprechend. Jeder Gruppe eine spezifische Geschwindigkeit zugeordnet, berechnet diese aus Tonhöhen, die ihre Ableitung aus einer das ganze Werk umfassenden Allintervallreihe erhalten. Alle Tonbewegungen innerhalb eines gesetzten Rahmenintervalls und einem Klangfarbenrahmen unterworfen, zugeordnet jeweils einem Orchester und Klanggruppen oder Klanggruppenmischungen in ihm. Immer aber unterscheiden sich die Gruppen in Länge und Rhythmus, überlagern sich teilweise und mit ihnen ihre Zeiten. In der Vervielfachung der Zeiten und ihrer Verschichtung zu einer Statik verdichtet, die Zeit in ihren Zeiten zum Verschwinden bringt, verdichtet sich auch der Raum zur Fläche, zu einer undurchdringlichen Wand, die kein Ort die keine Bewegung hinter sich schiebt. Raum als virtuelle Allmöglichkeit, von Eigenzeit durchpulsierte Ortwechselwirkungen – nichts bricht ihn mehr auf zu Gestalt. In Flächen Hierarchien zwischen Raum und Ort verschwunden, ohne Horizont bestandlos und das Klangbild als Metapher sich aufdrängend, entbergend dabei den Metaphercharakter aller Bilder vom Raum: von denen verdeckt erstarrt er. In Leben und Entfaltung allein im Taktilen. Unertastet unerhört gestaltloses Gespür. Taktiles Hören bildloser Hauteindruck, körperlich werdend was der Serialismus auszutreiben trachtete. Vergewissert im Blick in die Schrift leibhaftig freilich alles wieder verscheucht. In der Dichte metrischer Verschiebungen weder Richtung noch geometrische Beziehung aus Ähnlichkeiten in Klangfarbe erhörbar. Sprünge ins Leere verfehlt oder unscharf. Zu Intervallen Einzeltöne vom Ohr überformt und das hört das heraus und das hört sich dabei denken. Stockhausens Gruppenraum akustisch taktile Bildlosigkeit, zeitlos Ort und Raum auf einer Ebene, Ordnungsversuche in Imaginationen hohl drehen lassend, entleert. Figuren im Hören kurz gefasst aber nichts davon haltbar. Nichts tastet weiter. Fängt immer von vorne an. Wartet hautausgespannt.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XII, 1988/89
Töne erscheinend verklingend anders wo auftauchend dasselbe Material; zwei Bewegungen eine die fortreißt die andere bloßes Erscheinen; Weglosigkeit unwidersprochen in Zeit. Ein und dasselbe gleichzeitig wo anders – das konstruiert sich das Gehirn als Ausschluss und ist selbst doch der Gegenbeweis, dass es genauso funktioniert. Klarinette Violine vom Umfeld so eingefärbt, dass nur der Blick noch in ihrem Schrei sie unterscheidet. Gezupfte Partikel in Schlagwerkhaufen ins Geräuschhafte getrieben vom Zeitentzug und der entäußert sie alles Eigenen. Da hört einer und hört was so nie geschrieben: Schönbergs Moses und Aron noch einmal ganz anders verstehend, ohne den Frevel des eingeschmolzenen Eigenen um das herum getanzt zu vergessen. Der eine spricht da, der andere aber singt, verleiht dem Gesprochenen Wohllaut und Klang und alles Missverstehen und aller Unmut und alle Verführung da heraus erwachsen. Ist aber der Ton auch in gleichsam geschichtsfreiem Raum von Struktur und Serie produziert - nichts also denn Schreiben, nichts also denn eine Schrift wiedergegeben darin allein die Geschichte seiner Produktion – holt das Instrument ihn in Resonanz und Klang in seine eigene Geschichte und der Körper der HörerIn verwirklicht was er vorher davon erfahren, was er davon weiß.
Gruppen als serielle Komposition ein Scheitern. In ihren Überlagerungen hebt sich die Zeit als das entscheidende Moment in Stockhausens Komposition auf. Zeit als Entfaltung ihres Verschwindens, Musik also nicht ihre Kunst eher die des Raumes. Ohne Zeit aber fehlt dem Raum alle Räumlichkeit. Die Scheußlichkeit, von der Stockhausen da gesprochen, nichts anderes ist sie als bildlose Masse, in Berechnung erstellte Dichte, fürs Hören undurchdringlich. Raumloser Raum Analogie des Blinden: richtunglos ohne Ausweg. Gruppen als in Bewegung erstarrte Bewegung. Musik als erblindeter Raum – lauthalse Stille sich überstürzender Klangmassen. Nachträglich reißt Stockhausen diese Dichte auf, komponiert frei Einschübe mit Richtung, und die Zeit kehrt darin zurück als etwas das wohin führt. „Träume“ wird er diese frei komponierten Großabschnitte später nennen, und deren erste Niederschrift erfolgte nicht in Skizzen nicht in Zahlen nicht in Noten, sondern in Sätzen und in Worten. Rückkehr der Zeit die sich ihre Zeiten unterwirft. Rückkehr von Entwicklung. Mit der Zeit Rückkehr von Orten und Linien, in welchen Raum sich ausschnitthaft Gestalt wird. Rückkehr von Körper und Körperlichkeit: Körper der Instrumente, Körper der HörerIn und ihres Gedächtnisses, Körper des Schreibers. Vor allem aber Rückkehr des Zwischenraums des komponierten Intervalls, das in der seriellen Berechnung des Einzeltones letztlich nicht existiert. Denn was da gehört, die Abfolge von Zahlenverhältnissen in Zeit, erdichtet sich das Ohr nur zu tonimmanenten Beziehungen, einem Fetisch dabei nicht unähnlich, der Strukturen mit wahrzunehmenden Tonbewegungen verdeckt.
Mit dem Intervall aber bricht Zeit sich auf zu Geschichte, die einströmt in sein Dazwischen, eine Atmosphäre bildend, in der sich leben läßt. Raum im Raum, Nähte und Grenzen tastbar. Hermetik handgreiflich zerbrochen. Angreifbare Orte besetzt, Räume da heraus verändert verschoben. Schwellen sich kreuzender Nicht-Orte. Alles Mögliche hereingelassen hier und jetzt. Aktualisierte Virtualität körperweit.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XIII, 1988/89
Widerständige Transformationen
Das Intervall dieser Schnitt Verhalten wie Verhältnisse gründend und zerstörend. Das Intervall der Zwischenraum Ausschluss Einschluss Inbezugnahme Verweigerung. Das Intervall als Missverständnis als Imagination als höchster Grad an Wirklichkeit. Das Intervall als Öffnung alles Handeln alles Denken in Echos und Spiegelungen reflektiert. Das Intervall Gegenstück der Bestimmung ihre Brechung ihre Durchkreuzung ihr Widerspruch zugleich aber auch deren Antwort. Das Intervall als Einhegung Ermöglichung von Bewegung deren Grenze deren Verhinderung. Das Intervall als der Anfang vom Ende das Ende vom Anfang. Das Intervall als Ort seiner Überwindung Ja und Nein zugleich. Das Intervall das an sich zieht das überspringt übertritt das hinübergreift das zerreißt.
Nichts verkleidet. Zwischen/Ort handgreiflich Raumerstellung nach, und dass kein anderer denn so existiere. Raumkonstruktion im Raum als Ort über den er immer weit hinaus, und einzig Funktionen erstellen einen Abschluss, halten ihn auf. Raum wie Zwischenraum Schnitt in Zeit, die darin gehalten, sich seiner bemächtigend und alles entrissen in Dauer. Geschichte erbricht sich daraus zu einem Gesicht wo etwas eingreift oder wer, und erst danach entschieden inwiefern das zu trennen.
Straßen - Schritt um Schritt Verzeichnung seiner Haut. Karte denen wo hindurch sie geschoben und das heißt er und das hieße ganz – rhythmische Penetranz leibhaftiger Diagramme. Verbratenes oder was da an Fett ausgelaufen. Wortschatz nicht minder denn geöffneter Fenster Inhalt. In das hinein übersetzt was zu sich genommen, einander sich bedienend und auch das kommt da raus. Schwere ungemachter Betten über alt gewordener Auslegware, die Luft umgekippt und umgekippt die Entropie im Alltag. Der bringt seine eigene Photosynthese hervor und die, die so gesäugt, die sind zäh. Mauern ihrer Häuser in der Hand zerrissen. Zurückgefingert bröcklige Kulisse. Dürftig nur die vor dem was er riecht, vor dem was er hört. Nachts den Hügel hoch den sie Berg nennen. Die asphaltierte Tangente daran. Oben das Muschelkalkrund: speersche Schlachthausarchitektur geplant als Nabel Germanias. Von keiner Bombe auch nur angekratzte Faschistenruine. Gelenk des Kalten Krieges in der Frontstadt. Aufstandsbekämpfung mit CIA und Staatsschutz unter einem Dach. Als er hinkam bereits alles abgesperrt. Damals hatte er noch gesehen. Er schob die Plastiktüte in einen unverplombten Müllcontainer. Alles weitere morgen, dachte er, und ging zurück.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XIV (Ausschnitt), 1988/89
Aus dem Ellbogen ein Dreieck geschnitten dessen Begriff von den Rippen als hätte er hingefasst. Zwei Fingerkuppen Metall zur Seite geschoben und Sie sagt, dass es ausschlage. Ausgedünnter Klang für die Violine von links hatte Sie warten lassen. Der Pegel kaum zittrig. Erst beim Tuttieinsatz ein Sprung. Hatten die unterschiedlichen Rhythmen und Dauern der Gruppen in eine Unruhe hineingezogen, deren Bewegung nichts fortließ, unterwirft die Solovioline jetzt Akkordeinwürfe und Dialoge der drei Orchester sich und einem einzigen Rhythmus, alle Klangereignisse von ihm durchzogen, von ihm umspannt. Vereinheitlicht so im ersten frei komponierten Einschub Klangformationen und Farben zu Ansprechbarkeit, Austauschprozesse von Solofiguren ermöglichend. Aus dichtem Gewebe diese herausgeschoben oder ausgestellt in Ausgedünntem – Zeit als Dazwischen das vergehen lässt. In Blöcken so Akkorde einander zugespielt zugeworfen. Die Violine ihre eigene Linie aufgreifend - versetzte Erinnerung isolierter Individualität. Instrumente kurz aufgetreten kurz vorgestellt: eine E-Gitarre, Marimbas, Glocken und Glockenspiel. Einem jeglichen seine Zeit, wenn auch nur für einen Moment, und zusammengehalten all dies von eingeflochtenen Streicherstreifen horizontal. Kurze Stöße, Gezupf oder Streichen in losen Bewegungen unverdichteter Zeit, und wo Material sich ballt, rührt seine Wucht aus der Dichte des Eigengewichts und nicht aus seinen Verschichtungen. In die hinein längere Solopassagen gezogen - im Gesamt aufgehobene Individualität aus dessen Einbettung heraustretend und dabei mehr und mehr übergehend vom Gestrichenen ins Gezupfte ins Pizzicato.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XV, 1988/89
Hatte mit dem Aufstieg des Bürgertums die Musik sich von Zeremonie von Liturgie emanzipiert, so fand solcher Art Befreiung in der Erfindung des Konzerthauses architektonische Gestalt, dabei aber auch die bisherige Unterordnung von Musik unter den Raum in ihr Gegenteil kehrend: in den fortan für Musik errichteten Räumen hatte sich jene nicht mehr dem Raum anzupassen, wie noch in der Kathedrale der Venezianischen Mehrchörigkeit, Raum und Hall wurden vielmehr der Musik unterworfen, letzterer dabei berechnet, wie alles, dessen das aufzuführende Werk sich nicht zu erwehren wusste. Verschwand der Raum so hinter seiner ausschließenden Funktion wurde er im 20. Jahrhundert mit der Unterscheidung zwischen Klangraum und Raumklang zu einem lebendigen Organismus, der sich mit Musik konfrontiert und Musik sich mit ihm, die Musik die Spezifika des Raumes herausarbeitend, sie entdeckend, sie konterkarierend, bearbeitend wie umgekehrt dem Raum das selbe mit der Musik zu tun. In Eigenzeit und Singularität Hören wie Geräusch Ton oder Klangereignis in den Vordergrund rückend, Positionen von Hören Raum und vermeintlichem Werk in einer Art Mikrophysik der Wahrnehmung verflüssigend, Klang/Geräusch MusikerInnen Publikum so sehr in Bewegung wie Räume angesteuert, in denen schon längst alles begonnen und manchmal über Jahre nicht endend: eher Geschehen beiwohnend denn Aufführungen, die Relativität an Erlebniszeit gebundener Räume spürbar werden lassend, und spürbar dabei das Provisorische die Konstruiertheit eines jeden Standpunktes. Wie spezifisch wie subtil wie ausgeklügelt dabei aber auch immer Räume von Musik bespielt und Musik von Räumen: war mit Austauschbarkeit und Konstruiertheit ursprungslosen Stehens erst einmal der anvisierte Mehrwert im Denken erdacht und ausgesprochen, musste solcher Art Raum-Musik-Verhältnis zur Widerholung dieser einen und selben Aussage verkommen, wenn auch vielleicht ein jedes Mal anders nuanciert amüsierend. Aufführungen und Installationen surften von nun an in frei floatender Beliebigkeit, wenn auch ab und an über den Zwischenstopp ausgetüftelter Raffinesse von deren Clou – war er erst einmal erfasst – nichts weiter geblieben denn gähnende Langeweile. Hört das Postulat der Konstruktion vor der Macht auf nachzufragen was sie hervorbringe, einzig herausarbeitend wie sie funktioniert und noch besser funktionieren könnte, darf der Event getrost unter solchem Blickwinkel als spaßiger Ausdruck der Macht erscheinen, dessen beeindruckende Überrumpelungsproduktion Autorität und Authentizität in Raumzeit wiederherstellen soll, RezipientInnen dabei quasi physiologisch objektivierend. Dekonstruierte man den Standpunkt der Dekonstruktion hielte sich kein Satz mehr, weil auch sein Ende nur ein Anfang und der entfiele, wie alle körperliche Schwerkraft ohne die kein Wort zusammengehalten. Autonomie, vormals der Kunst zugesprochen, im Spektakel wird sie zum Herrschaftsverhältnis der Durchdringung, die, immer abzielend auf eine Konstruktion des Restlosen, dem Leibhaftigen die Lust zur Erschöpfung abzunehmen trachtet, körperweis sich abrufend sich bestätigend und erneut seine Ausschließlichkeit hervorbringend. Ereignis und Uneinholbarkeit, Abziehbilder von Autopoiesis von Selbstreferenz – nur im Zerfall werden sie noch aufgebrochen und nur dann, wenn solcher weder durch Begriff noch durch Bild zusammengehalten. Hand und Haut als deren Gefährdung. Mehr als alles andere freilich sie selbst gefährdet in dem was zustößt in dem was schmerzt. In der Hand die Rückkehr des Intervalls des Rahmenbruchs, wo sie selbst doch nichts als Ausschnitt. Die Hand als leibhafte Imagination des Eingriffs. Das Taktile als Schnitt durchs Bild und Bild solchen Schnitts Entzug des Rahmens. Die Hand als Beschmutzung als Übergriff als Übertritt. Kein Überschreiten denn das zeichnete sich ab. Bild weg! und blinder denn blind. Von Grenzen die Hand aufgerissen - Verbindungen hauterstellt. Nichts aber gehört da zusammen. Alles bricht daran auf. Wird im Geschehen Geschichte. In der Hand parzelliert Körper und Raum zu Eigenschaften die nichts Wesenhaftes übrig lassen, die nicht passen - im Intervall der Hand sich gegen das Bild erhebend.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XVI, 1988/89
Machtraum und Raummacht
Maschinen und Werkzeug hinausgeräumt. Kein Ort mehr der Raum hielte. Hall als hereinbrechender Schwall Wucht ungebrochener Schwemme von überall her und auf einmal hereingestürzt, anders also denn in der Kathedrale wo er in Galerien Emporen und Baldachinen eher kaskadenartig auseinander getrieben. Von leisester Bewegung ins Wabern getrieben, alles in Fall, nimmt in seinem Abfluss noch die Mauern mit - verquirlter Sog schattenlos und ohne Aufschub. Sich aufspülend gegenseitig durchbrechende Wogen mitreißend vielfältig und mitgenommen woran es zerschellt. Seiner Funktion wie seiner Innereien beraubt, die Hangarakustik nackte kalte Übermacht und nichts woran deren Wucht reflektiert, denn von einem steinernen Außen von dem es brachial verschlossen. Die entleerte Hangarhalle, entfesselte Rauschhaftigkeit zwischen Mauern, akustisches Bild faschistischer Raumpolitik: geht diese doch von vernichtender Entortung des Raumes aus, der, als Territorium rassistisch vereinheitlicht, Bedeutung und Bestimmung nur noch von einem einzigen Ort und von außen her erfährt. Nein, die Stukas habe man nicht hier oben gebaut. Nach der Bombardierung von Messerschmitt in den Flughafen Tempelhof verlegt, sei ihre Montage unten bei den Gleisen erfolgt, da wo der unterirdische Zugang, der Tunnel nach Neukölln. Von dort aus habe man sie direkt auf die Startbahn gerollt und direkt über die in den Krieg.
Raubröselige Wand in seiner Hand in Räumen des Hauptgebäudes. Aber nicht dass da etwas zerfalle. Ruine bedeute nur dass der Flughafen nicht fertig gebaut, dass hierfür benötigtes Material andernorts eingesetzt. Unverputzte Risse und Klüfte im Stein hier, dort das Lager. Zuerst sollten wohl die Gaskammern erbaut werden und aus denen heraus dann Germania. In der oberen Etage Risse und Löcher hinter Plastikplatten verschwunden. Vielleicht aber auch Muschelkalkwände hinter der Kunststoffverschalung. Funktionale Oberfläche, abwaschbar. Geschichtsaustausch für störungsfreien Dienst für die Herrschaft ohne ornamentale oder symbolische Schnörkel. Ehemals hier die Kommandantur von U.S. Army und CIA, die längst in andere Frontstädte weiter gezogen. Hand und Finger über die risslose Verschalung. Nichts was sich da eingeschrieben. Das Material enthält Berührung und Klopfen seine Bezeichnung vor. Klinge wie Holz, denkt er, könne aber auch etwa anderes sein. Dahinter jedenfalls hohl. Dahinter nichts. Dass die Gänge annähernd hundert Meter lang seien, sagt einer, und der, der das hört, denkt dass davon nichts zu hören. In Bodenbelägen alles Akustische abgesaugt und so hat die Richtung noch leichteres Spiel mit dem Blick.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XVII, 1988/89
Stein in Stoff und Holz gebrochen, zu Klang gebündelter Hall – ästhetischer Eingriff in einen zurückgelassenen Machtkadaver. Etwas was kommt was geht was bleibt ohne zu überwältigen zu überschwemmen. Installation eines Raumes in Raum zum Ort, der greift ein, bricht ganz andere Zugänge auf zu dem was Denken heißt und was Tun. Geschichte aufgerissen wie alles Berührte, getrieben von einem nicht zur Ruhe kommenden Nein, das hält sich die Haut wider das Bild, und nichts bleibt abgeschlossen. Die Geschichte des Hangars nicht von seinem Raum erzählt, sondern vom Ort, der brüchig in ihn hineingebaut ohne dass der dabei verdeckt. Konstruktion wider organisches Wachstum und dessen hermetischen Verschluss – Herrschaftsspiegelungen noch durch Selbstreflektion und Autopoiesis hindurch. Zu Räumen verdichtete Zeit, in Linien von Orten die richtungsweise zerschnitten – Unübersetzbarkeit im Intervall zwischen Schreiben und Hören übergesetzt. Zeit nicht mehr aus sich selbst hinauskommend verdichtet im Plural ohne mehr Dauer werden zu können. Zwischen Verschichtungen richtungsweisend und erneut dazwischen verfangen. So gesehen Zeit zu ihrem Ende kommend in gehörten Orten. Aus sich gefallen und kurze Strecken lang bildlich erzählbar. Im Intervall von der Zeit alles erbrochen, und außermusikalisch erbrochen die Zeit. In ihrer Vielzahl kommt die zurück zum Raum und der Raum sich in ihr bergend. Gruppen in Richtung hier zusammenfließend wo Raum in homogenen Wellen und alle drei Orchester erfassend in und durch sich hindurch auf- und abgewickelt. Wenn Stockhausens Werk von den Philharmonikern unter Simon Rattle im Hangar II des Flughafen Tempelhof zweimal hintereinander aufgeführt, getrennt von einer Pause und einer Umsetzung des gesamten Publikums – einmal inmitten der Gruppen platziert das andere Mal in einiger Entfernung – wird hier weniger mit Relativität und Relationalität von Standort Raum und Zeit gespielt, denn mit dem Verhältnis des gleichsam taktil trennend-verbindenden Intervalls zum akustisch optischen Bild eines aus der Ferne homogenisierten Raums, der hinter seiner Eigenzeit verschwunden. In seiner Nähe aber oder in Mitten seiner Zeitlichkeit geradezu haptischer Zerfall in Orte verschiedener Schwerkraft, deren Berührung in Ähnlichkeiten anderswo erwidert. Nur noch Metall. Gezupfte geschlagene gestoßene Härte. Angriffslustige Materialvorführungen. Nichts davon mehr aus der Tiefe, alles einfach in die Breite gespritzt. Abgebrochene unterbrochene Bezüge von Trompetenstößen, von Stößen von Hörnern, von Posaunen, und scharfe Klaviereinwürfe wie ein heftiges Schluss!. Leise Bläserflächen um zu beruhigen. Die Streicher hinausgedrängt, kein Hintergrund mehr, etwa von Holzbläsern der einbettete der dämpfte der färbte. Kaltes Metall lose. Nichts aber setzt sich da mehr einzeln durch, kommt zu einem Solo, kommt zum Sprechen. Trompetengeflatter ob von geräuschvollen Posaunenstößen erschreckt oder diese abschrecken wollend. Metallenes und metallische Bearbeitungen in Härte und Schärfe sich sammelnd, E-Gitarre Vibrafon Röhrenglocken kurz verdichtet und sich wieder lassend wo einander zu nahe gekommen. Das setzt an, das wiederholt, das bricht ab, das wird abgebrochen, springt drauf, entzieht, entzieht sich und ruckartig und plötzlich ausgedünnt: Horn Posaune Trompete sich gegenseitig belauernd auf das hin was kommt. Ein Akkord lange ausgehalten in einem Orchester. Vorschlag in Raumbündelung die Vereinzelung zu überwinden. Nicht zu laut der aber um nicht wie eine Forderung daherzukommen. Klangereignisse an Geschwindigkeit zunehmend, in alle Seiten hinaus Volumen in alle Orchester. Ein lange ausgehaltener Ton der Trompeten von links, den greifen die gleich besetzten Orchester jetzt auf. Im Crescendo Decrescendo und mit einem einzigen Klang von ihnen der ganze Raum durchwirbelt, um sich gedreht der, als hinge er an einer mächtigen Torangel. Organische Bewegung immenser Wucht von Orchester zu Orchester, zuerst nach rechts und dann nach links, vom Klavier geschnitten und transponiert das ganze Geschehen nochmals. Hintergrundlos aus sich selbst heraustretender Raum, alle Einzelorte in eine Wellenbewegung gefasst, in einem einzigen Schwung weniger Tiefe denn ausschlagende Fläche alles dahinter alles davor einverleibt.
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit XVIII, 1988/89
Der Ort aufgescheucht von Räumen in Bewegung. Flugblätter und die Buchstaben mit Bleistift nachgezogen, dass die Schreibmaschine nicht zu identifizieren. In einem Metallzuber auf dem Gasherd ein Bettlaken in Simplicol natoblau gekocht, um als Flagge später verbrannt zu werden. Am Morgen würde er kommen. Am Morgen die Landung im faschistischen Kadaverrund. Eine Parallelstrasse weiter die alte SS-Kaserne wo jetzt die Mannschaftswagen zusammengezogen. Eine weitere Parallelstrasse das Haus. Am Vortag Jeeps der U.S. Army auf Patrouille im Bezirk. Festmontierte Maschinengewehre auf den Pritschen. Die halten Soldaten obszön in die Straße. Dann der Platz dann der Kessel dann der brennende Mannschaftswagen unter der Hochbahn die brennenden Geschäfte drum herum. Der Konvoi aber kam durch. Keine Kamera wackelte. Kein Film riss ab. Der Präsident starb erst später. Viel später.
Zeichenfass in dem er schwimmt aus dem er trinkt das er ist
Saugnapfenauswurf
Wahrnehmungsverdauungstrakt und Sachverhalte
lippengerecht verspeichelt
die kappen Bezüge
fangarmmaßlang
wüssten jedoch nicht zu entschlüpfen
auch nicht in die Breite
wo sie doch nichts denn ihre Bahnen
getrunken aber immer nur aus dem eigenen Mund
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Bildtitel: Rosmarie Burger, Schiefer-Zeit I, 1988/89
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ID 4293
Offenbarung und Apokalypse oder die Musik am Ende der Geschichte Teil 1: Versuch einer Hinführung.
Weitere Infos siehe auch:
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RUHRTRIENNALE
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
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