Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Premierenkritik

25. Mai 2013 - Staatsoper im Schiller Theater

LE VIN HERBÉ

Weltliches Oratorium von Frank Martin


Tristan und Isolde auf Französisch resp. Schweizerisch - Frank Martins Le Vin Herbé in der Staatsoper im Schiller Theater - Foto (C) Hermann und Clärchen Baus



Kerzendämmerung


"Grundlage von Frank Martins zwischen 1938 und 1941 entstandenen Werks bilden drei Kapitel aus Le roman de Tristan et Iseut, dem 1900 erschienenen Hauptwerk des französischen Schriftstellers Joseph Bédier. Martin entschloss sich – konträr zu seinem Vorgänger Richard Wagner – zu einer kammermusikalischen Behandlung der 'Tristan'-Sage und komponierte für zwölf Singstimmen, für sieben Streicher und Klavier.

Le Vin herbé erzählt in achtzehn Bildern die Geschichte von Tristan und Isolde von der Überfahrt nach Cornwall bis zu beider Tod. Katie Mitchell verlegt das Stück in eine französische Großstadt des Jahres 1942. Dort, in einem von den Alliierten zerbombten Theater, führt ein Ensemble von Laien- und Profi-Sängern das Oratorium in Gedenken an die 2.000 Toten der jüngsten Bombenangriffe auf."

(Quelle: staatsoper-berlin.de)

* * *

Die ansonsten stark der Videofizierung ihrer jeweiligen Stückvorlagen frönende britische Regisseurin (die im März 2012 bereits mit Al gran sole carico d'amore von Luigi Nono, was sie aufwändig im Kraftwerk Mitte inszenierte, am Berliner Traditionshaus debütierte) hatte wahrlich eine nicht zu toppende Idee; ja und wir zeigten uns denn von der selbigen in ihrer diesmaligen Umsetzung - was diese Mitchelliche Handhabung betrifft - ganz abstrichslos begeistert!

Mitchell lässt uns also in der Annahme, dass Alles in gedämpftem Kerzenschein, weil halt (lt. ihrer Subhandlung) gerade kein Elektrischlicht anzapfbar ist (s. der Bombenangriff durch die Alliierten), abläuft. Ihre aufs Historische der Nahzeit abgezielte Sichtweise hat dabei ziemlich scharfgenau das für sie Unfassbare im Kalkül, nämlich dass ausgerechnet während dieser für das "mehrheitliche" und im Dauer-Kriegszustand sich wähnende Europa anhaltenden Ära irgend so ein Schweizer Komponist, und selbstverständlich in der von den Kriegswirren total verschonten schönen Schweiz, für Wagnes Tristan und Isolde eine kammermusikalische Entsprechung ["Kommentar" nannte es Jürgen Flimm gleich zu Beginn des heutigen Premierenabends, als er für zwei Mitwirkende deren Indispositionen nebenbei erwähnte] suchte, fand und lieferte - Le Vin Herbé war eine Auftragsarbeit für den Zürcher Madrigalchor - , sich also mit jenem allerschönsten Thema auf der Welt, der Liebe, ausgiebig und seelenruhig dann aufzuhalten pflegte; Thomas Mann hätte man, übrigens, diegleichen "Vorwürfe" dann machen können, als er in den 1940ern, im schönen Kalifornien, weltfremd mit der Joseph-Trilogie beschäftigt war...

Tristan (von dem Tenor Matthias Klink sehr eindrucksvoll und tapfer "durchgehalten") und die zwei Isolden (jene sogenannte "Blonde" von Staatsopern-Star Anna Prohaska / jene "mit den weißen Händen" von der Finnin Virpi Räisänen imposant und makellos interpretiert) halten sich also konsequent im "Kriegsgebiet" auf - nein, vielmehr wird ihre Liebes-/Leidgeschichte von im "Kriegsgebiet" agierenden Protagonisten einem vorgestellt-fiktiven Publikum, vielleicht aus Überlebenden und Kriegsversehrten, nah gebracht.

Dieses Regiekonzept hatte/hat funktioniert!

Ganz auffällig und merkwürdig dabei, wie die Musik Frank Martins diesem sparsamen und düstermachenden Gedämptlicht fast schon kongenial entspricht, wie sie sich selbst fast wie ein Dunst- und Nebelschleier über die Gemüter zieht - die ausführenden Instrumentalisten von der Staatskapelle (Dirigent: Franck Ollu) haben da wohl einen sehr markanten wenn nicht überhaupt den wesentlichen Anteil eingebracht.

Die Aufführung als Ganzes ist ein Tag- und Nachttraum gleichermaßen; wundervoll und wundersam.




Foto (C) Hermann und Clärchen Baus



Bewertung:


Andre Sokolowski - 26. Mai 2013
ID 00000006786
LE VIN HERBÉ (Staatsoper im Schiller Theater, 25.05.2013)
Musikalische Leitung: Franck Ollu
Inszenierung: Katie Mitchell
Co-Regie: Joseph W Alford
Ausstattung: Lizzie Clachan
Licht: James Farncombe
Dramaturgie: Katharina Winkler
Besetzung:
Sopran 1 ... Narine Yeghiyan
Sopran 2 | Iseut la Blonde ... Anna Prohaska
Sopran 3 | Branghien ... Evelin Novak
Alt 4 | Iseut aux blanches mains ... Virpi Räisänen
Alt 5 | Iseut mère ... Katharina Kammerloher
Alt 6 ... Stephanie Atanasov
Tenor 1 ... Thorbjørn Gulbrandsøy
Tenor 2 | Tristan ... Matthias Klink
Tenor 3 | Kaherdin ... Peter Gijsbertsen
Bass 4 ... Arttu Kataja
Bass 5 | Le Roi Marc ... Ludvig Lindström
Bass 6 | Le Duc Hoël ... Jan Martiník
Mitglieder der Staatskapelle Berlin
Premiere war am 25. Mai 2013
Weitere Termine: 29. 5. / 1., 7., 9., 13. 6. 2013


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



  Anzeige




MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ANTHOLOGIE

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KRITIKEN

NEUE MUSIK

PORTRÄTS

PROMOTION

ROSINENPICKEN
Glossen zu Theater & Musik von Andre Sokolowski




Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2016 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de