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Premierenkritik

29. November 2013 - Staatsoper Unter den Linden

IL TROVATORE

Oper von Giuseppe Verdi


Anna Netrebko (als Leonore) und der Schatten von Plácido Domingo (mit dem Hackebeilchen der) in Philipp Stölzls Inszenierung von Il Trovatore an der Staatsoper im Schiller Theater - Foto (C) Matthias Baus



Plácido Domingo "droht" Anna Netrebko

mit dem Hackebeilchen

Jens Schroth gab eine schöne Stückeinführung zu Il Trovatore von Giuseppe Verdi, das nunmehr - ein halbes Jahr versetzt - vom Theater an der Wien (Premiere: 26.05.2013) an die Staatsoper im Schiller Theater herverfrachtet also zweitverwertet worden ist; es handelt(e) sich hier um eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen. Schroth ließ den aufgeschlossenen und die Berliner extraordinäre (Star-)Premiere heiß ersehnt habenden Stückeinführungslauscher vorsorglich-ermunternd wissen, dass das vorliegende Stücklibretto Cammaranos & Bardares zwar eine doch "krude Handlung" hätte, diese aber durch die Verdi'sche Musik "logisch beglaubigt" wäre - ja, das fanden wir sehr pfiffig und entwaffnend formuliert. Auch zeichnete sich die angeblich wohl erfolgreichste und meistgespielte Verdi-Oper insbesondere durch ihre "unfassbare Melodiefülle" (und ihren insgesamten Stretta-Stumpfsinn [meinen wir ergänzend]) aus.

Ein echtes Zugpferd also, worauf so ein Spitzenhaus wie die Berliner Staatsoper - und noch dazu im ausklingenden Verdijahr - wohl schwer verzichten dürfte; merkwürdig war schon, dass in der Zeittafel (aus dem Programmheft) nicht ersichtlich wurde, wann dann eigentlich der letzte Troubadour der Deutschen Staatsoper Berlin terminlich war - wir können uns jetzt auch, so ganz spontan, an keine nenneswerte Produktion der letzten Jahre und Jahrzehnte rückbesinnen; höchstwahrscheinlich ist das Alles wirklich ziemlich lange her...

Jetzt wurden gleich zwei Weltstars eingekauft, um sie in Philipp Stölzls Wiener Inszenierung zärtlich und behutsam einzuflechten - dieses tollkühn scheinende Experiment schien irgendwie geglückt; man nahm zumindest, also offiziellerseits, kein großes Rumgemaule, Rumgemotze oder sonstwie prinzipielle als wie künstlerische Einwände der beiden Gaststars wahr. Ein selten schöner Fall von Pflegeleichtigkeit. / Der Stölzl - von dem hier am Haus bereits zwei Produktionen [Orpheus in der Unterwelt | Der fliegende Holländer] laufen - arbeitet mit einem von ihm sowie Conrad Moritz Reinhardt ausgedachten Einheitbühnenbild, das eine Riesenholzzelle darstellt, an deren Wänden Filmeinsprengsel (Video: fettFilm) aufgestreuselt werden; das sieht sehr surrealistisch aus und macht jedoch von Mal zu Mal, beim Hinsehen, stark müde - was dann wiederum der Grund sein könnte, warum sich die abschließliche Beifallskundgebung, was den Enthusiasmierungsgrad betrifft, wohl mehr in Grenzen hielt...

Anna Netrebko gab die Leonora, Plácido Domingo gab den Grafen Luna. Sie musste sich gleich am Anfang ihres ersten Auftritts herzhaft räuspern, doch die Diva hielt (bis Stückschluss) prima durch. Er kämpfte stimmbandmäßig hie und da mit paar markanteren Querschlägern, doch der Altstar hielt (bis Stückschluss) ebenso ganz prima durch. Unsere Lieblingsszene in dem Stück: Wie der Domingo die Netrebko mit dem Hackebeil bedroht; das fanden wir am lustigsten... Alles in Allem: Hatte sich gewiss für die zwei Stars gelohnt gehabt hierherzukommen.

Außer jenem überexponierten Teil lt. der Besetzungsliste gab es dann noch "andere" Protagonisten - und vergessen wir das bitte nicht; die wahre Hauptrolle ist/bleibt ja wohl der Troubadour im Troubadour; den gab (kurzfristig eingesprungen für den krankheitshalber ausgefall'nen Erstbesetzten): Gaston Rivero, der sich ganz brav und tapfer schlug. / Und die Azucena gab Marina Prudenskaya; die Interpretin wurde übrigens (wie wir das laienhafter Weise maßen) ganz am Schluss so ziemlich mit am lautesten bejubelt. // Adrian Sâmpetrean gab den Ferrando, Anna Lapkovskaja gab die Inez, Florian Hoffmann gab den Ruiz. /// Ja und die SängerInnen vom Staatsopernchor sangen und spielten leise, laut und lustig, je nachdem.

Für Daniel Barenboim - der immer gern für solche Star-Events zur standesmäßigen Illuminierung resp. Überblendung seines Staats-Stalls irgendwie zu haben ist - bedeutete der Troubadour gleichsam ein Dirigier-Debüt. Die Staatskapelle Berlin entsprach - wie immer: kongenial - den feinfühligen und fast kammermusikalisch ausgefeilten Deutungsvorschlägen des Maestros. Und wir schließen so, dass sie dann Hauptstar der von uns besuchten Vorstellung gewesen war.

Weltstarversessenes Premierenpublikum.




Der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin in Verdis lustigem Il Trovatore, inszeniert von Philipp Stölzl - Foto (C) Matthias Baus



Bewertung:    


Andre Sokolowski - 30. November 2013
ID 7409
IL TROVATORE (Staatsoper im Schiller Theater, 29.11.2013)
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Philipp Stölzl
Bühnenbild: Conrad Moritz Reinhardt und Philipp Stölzl
Co-Regie | Choreographie: Mara Kurotschka
Kostüme: Ursula Kudrna
Video: fettFilm (Momme Hinrichs | Torge Møller)
Licht: Olaf Freese
Chor: Martin Wright
Dramaturgie: Jan Dvořák
Besetzung:
Graf Luna ... Plácido Domingo
Leonora ... Anna Netrebko
Manrico ... Gaston Rivero
Azucena ... Marina Prudenskaya
Ferrando ... Adrian Sâmpetrean
Inez ... Anna Lapkovskaja
Ruiz ... Florian Hoffmann
Tänzer: Alexander Fend, Gernot Frischling, Kira Senkpiel, Filippo Serra, Leah Katz, Katerina Gevetzi, Kate Sandell und Eric Dunlap
Premiere im Theater an der Wien (zu den Wiener Festwochen) war am 26. Mai 2013
Berliner Premiere: 29. 11. 2013
Weitere Termine: 4., 7., 11., 15., 19., 22. 12. 2013
Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit den Wiener Festwochen


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



 
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