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Feuilleton


23. November 2009, Konzerthaus Berlin

Der Countertenor PHILIPPE JAROUSSKY singt, begleitet von CONCERTO KÖLN



Sieht nicht nur so aus wie der Junge von nebenan, nein, er ist es auch - Philippe Jaroussky, der neue Star unter den Countertenören!



Rosinenpicken (74)

Philippe Jaroussky ist 30 und sieht aus wie'n Gymnasiast. Er hat ein sprechendes, nein - Philippe hat ein singendes Gesicht. Es ist, in seiner anmutigen Unschuld, babyweich und zeitgleich männlich schön wie ein mit warmem Wunderleben durch und durch versetzter Bergkristall; das machen seine Augen (auch), die groß, direkt und aufrichtig zum jeweiligen Gegenüber schauen... und die jeweiligen Gegenüber, also auch Mit-Augen-Die, sind hin- und wegschmelzbar vom "Sternenzauber" dieser dunkelgrauen oder dunkelblauen oder irgedwie in so 'nem Wasser-Glitzer-Dunkel ausstrahlenden Jungenaugen. Zu beobachten war dieses mich so innerlich gerührt habende "Äußerliche" von Jaroussky nach dem über zweistündigen Händel-J.C.Bach-Programm, das er zusammen mit Concerto Köln am letzten Montag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt gegeben hatte; und so ließ er sich, außer den dreivier Zugaben, nicht lumpen, auch noch draußen im Foyer Hunderten Leuten Autogramme zu verteilen; und er nahm sich Zeit für Jede oder Jeden, der an seinem Tisch vorbeikam, und er schien sie gar zu fragen, wohin sie die Unterschrift genau dann haben wollten und mit welcher Widmung und für welche Anverwandten außerdem - - so musste schließlich Albert Wagner (?), der fürs Management oder die Plattenfirma Zweit- bzw. Drittverantwortliche dieses Abends, zeitsparender Weise eingreifen mit einem Satz wie diesen, beispielsweise: "Meine Herrschaften, bitte sich zu beeilen und sehr kurz zu fasssen, Herr Jaroussky hat noch andere Termine" oder so oder so ähnlich; gottlob wird der lichte Göttersohn den mieslaunigen Kapo-Stil des ihn "Betreuenden" nicht übersetzt gekriegt bekommen haben; mit so derartigem Deutschsein hätte der Franzose weißgott nichts im Sinn - - -
Arien von Händel / Johann Christian Bach trug der mit einer Stimme sondergleichen so Begnadete auf Italienisch vor. Sie klingen irgendwie fast alle gleich. Und wenn sie nicht von ihm - Philippe Jaroussky - vorgesungen wären worden, würde sich beim Hörer spätestens nach Nummer 3 und 4 die große Langeweile und das noch viel größere Genervtsein eingestellt haben; gewiss wohl. Bühnentauglich sind die Chosen, woher diese Arien, oder diese meisten von den dargebrachten Arien, stammen, sicher nicht...
Philippe Jaroussky hat die Höhen einer Sopranistin. Er bewerkstelligt Koloraturen flötend wie mit Piccolo. Er kann auch, und von jetzt auf gleich, "nach unten" gehen und trifft punktgenau den avisierten Ton. Betörender als alle seine "Fachkollegen" aus dem Counterzelt kann er mit langsamen, gefühlsbetonten, ausladenden Nummern umgehen; da macht er stellenweise seine Augen zu und lehnt den Kopf was lecht nach hinten, und dann träumt und transzendiert er das Gesungene quasi "nach innen" hin. Es überträgt sich 1:1 - ich schließe mich seiner Verführung an und sehe plötzlich eine morgendliche Wiese weißer Margariten, wie sie ihre Blütenkelche mehr und mehr dem aufgehenden Sonnenlicht entgegennecken; man verfällt in Kitschgelauntheit, doch egal...


Concerto Köln spielt in der ganzen Welt, es ist bekannt so wie ein bunter Hund - Foto (C) www.concerto-koeln.de


Auch (logisch, selbstverständlich!!!) macht Concerto Köln eine wie eh und je blendene, prickelnde Figur. So spielt es - auch dann als Verschnaufpause für seinen jugendlichen Vorsänger gedacht - Suite I aus Händels WASSERMUSIK sowie das CEMBALOKONZERT F-MOLL von Johann Christian Bach; Solist und Dirigent in Einem: Nicolau de Figueiredo.

Der Schlussapplaus für Alle: irrwitzig im Überschwang!


a. so. - red / 25. November 2009
ID 00000004466
PHILIPPE JAROUSSKY mit CONCERTO KÖLN (Konzerthaus Berlin, 23.11.09)

Georg Friedrich Händel:
| „Arrival of the Queen of Sheeba“ HWV 67 aus „Solomon“
| „Inumano fratel - Stille amare“ HWV 25 Recitativo
accompagnato und Arie aus „Tolomeo“
| Suite I HWV 348 F-Dur Wassermusik (Auszüge)
| „Sta nell’ircana“ aus „Alcina“ HWV 34
| „Scherza infida“ HWV 33 Arie aus „Ariodante“
| „Venti, turbini“ HWV 7a/b Arie aus „Rinaldo“
Johann Christian Bach:
| Rez. „No,che non ha la sorte“, Arie „Vo solcando“
aus „Artaserse“
| „Perfida Cartismandua - Tra l’orror“ Recitativo
accompagnato und Arie aus „Carattaco“
| „Cara, la dolce fiamma“ Arie aus „Adriano in Siria“
| Concerto für Cembalo und Orchester f-moll
| „Ch’io parta?“ Arie aus „Temistocle“
| „Perchè tarda è mai la morte“ aus „Artaserse“
Philippe Jaroussky, Countertenor
Nicolau de Figueiredo, Cembalo
Concerto Köln
Konzertmeister: Markus Hoffmann

Weitere Infos siehe auch: http://www.concerto.koeln.de





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