Philharmonie Berlin, 13./14. November 2006
Berliner Philharmoniker (Sir Simon Rattle) mit Schostakowitsch-Sinfonien
Münchner Philharmoniker (Christian Thielemann) mit Pfitzner und Bruckner
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Christiankind stampft trotzig auf
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Ein einziges und überwältigendes Mal hab ich den Thielemann, wie er noch an der Deutschen Oper in der Bismarckstraße hin und wieder dirigierte, als genial empfunden: in Puccini's MÄDCHEN AUS DEM GOLDENEN WESTEN, das der Startklotz einer ganzen Serie mit den Giacomo'schen Schmachtfetzen zu werden drohte... und es hätte sich (vor allem für den Thielemann dann selbst) von biografischer Bedeutung nacherwiesen, wäre dieses Personalprojekt zu seiner Zeit in Gang gekommen. Hier, im MÄDCHEN, konnte er sich nämlich glückhaft-gründlich von dem innoventen Breitwandstil seiner für mich als dickstes Micheltum gemeinten "Auffassung" der Werke Wagners oder Strauss' - im Fall des Letztgenannten ist er freilich kaum zu schlagen!! - endlich auch mal trennen. Wie er da und damals, also mit dem MÄDCHEN, so versensibilisiert und duftig in die Höhe stieg, wird unvergesslich bleiben. Dafür, für sein MÄDCHEN, mag ich ihn!
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Und worin unterscheiden sich die Münchner Philharmoniker von ihren Spielkollegen
in Berlin? Im Klang! Natürlich, worin sonst. Den einen könnte man als "deutsch", um nicht zu sagen "ur-deutsch" absimplifizieren (Christian Thielemann steht dieser Klangerzeugung seit 2 Jahren vor) - den andern als kosmopolitisch hochqualifizieren (Simon Rattle, Weltenbürger von dem Scheitel bis zur Sohle, ist als Eingewecktenöffner unvorstellbar). Anders ausgedrückt: Im Münchner Gasteig musiziert man diese Spielzeit musealer Weise die "3 B" und Pfitzner, Strauss und Wagner... - im Scharoun-Bau kann und will man sich den "neuartigen" Angeboten der Berliner Philharmoniker nicht mehr entziehen; Beispiele hier aufzuzählen hieße Eulen nach Athen verfrachten. Was ja nicht besagt, die beiden Klangkörper in ihrem insgesamten Sympathiegradmaß untereinander abgleichen zu wollen; allenthalben festzustellen bleibt: Der Thielemann hat's halt auf Omama und Opapa andauernd abgesehen, während Rattle unnachgiebiger denn je den ganzen Kosmos Ein- bis Hundertjähriger mit seinen Buntprogrammen adressiert.
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| Die Vorspiele zu Pfitzners PALESTRINA sowie Bruckners Siebente umfassten das Tourneeprogramm der Münchner Philharmoniker, mit dem sie nun auch in Berlin Station (mit Heimvorteil für ihren neuen Chef) zu machen pflegten. Auffiel nur: Die jeweiligen Mittelsätze liegen Thielemann am allernächsten. Hier entherrscht, entschlackt er sich. Da kriegt man frische Luft vom Podium zugeweht, dass es mitunter richtig zieht. Wogegen Thielemann dann in den ersten beiden Bruckner-Sätzen einen zähflüssigen Schönheitsbrei zu rühren sich in unerträglicher Unendlichkeit bemüht. Der "einheimische" Jubel stimmte renegat; und Christian freute sich nicht schlecht und stampfte hinterher, wie'n Lausbub, freudig-trotzig aufs Podest.
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| Zwei Schostakowitsch-Sinfonien (1./15.) gabs Sonntag vorher. Schwer auch auszumachen, welche der zwei Werke einen nachhaltigeren oder bedenklicheren Eindruck hinterließen. Simon Rattle dirigierte sie beherzt und hemdsärmlig. Es ist ja - beim Vergleich der beiden Sinfonien, die für Schostakowitsch Anfang sowie Ende der sinfonischen Verlautbarungen seines Komponistenlebens darstellten - kaum fassbar, wie unmerklich sich der schöpferische Sprung über Jahrzehnte seines Schaffens an dem dargebrachten Doppelbeispiel ausnahm.
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| Fassen wir es hausbacken zusammen: Gut, dass es diverse Klänge gibt.
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a. so. red / 14. November 2006 ID 2793
13. November 2006, Philharmonie Berlin:
Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975):
Symphonie Nr. 1 f-Moll op. 10
Symphonie Nr. 15 A-Dur op. 141
www.berliner-philharmoniker.de
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14. November 2006, Philharmonie Berlin:
Münchner Philharmoniker
Christian Thielemann
Hans Pfitzner (1869-1949):
Vorspiele zum 1., 2. und 3. Akt der musikalischen Legende PALESTRINA
Anton Bruckner (1824-1896):
Sinfonie Nr. 7 E-Dur
Weitere Infos siehe auch: http://www.mphil.de
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