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4. September 2012 - Musikfest Berlin

AMÉRIQUES

Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam / Mariss Jansons





"Im amerikanischen Exil hat Arnold Schönberg gegen Ende seines Lebens politische Musik geschrieben, einen leidenschaftlichern Appell gegen das Vergessen: A Survivor from Warsaw für Sprecher, Männerchor und Orchester, kurz nach dem zweiten Weltkrieg komponiert, behandelt die Greuel der Shoa anhand eines Augenzeugenberichts aus dem Warschauer Ghetto. Bei der Uraufführung hinterließ das Werk einen so tiefen Eindruck beim amerikanischen Publikum, dass es wiederholt werden musste." (Quelle: Berliner Festspiele)

Mariss Jansons hat das schockierende Stück mit dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam (bei seinem diesjährigen MUSIKFEST-Gastspiel) gleich am Anfang hingestellt; die Männer vom Rundfunkchor Berlin ließen das Schema Isroel am Schluss des Werks erklingen - Sergej Leiferkus deklamierte den zweisprachigen Erzähler-Part. Und ausgerechnet ihm (dem Leiferkus) war es zu schulden, dass die fast schon totschlagende Wucht, die eigentlich von diesem Opus ausgeht, sich nicht einstellte; weder dass man das Englische geschweige denn das Deutsche auch nur annähernd verstanden hätte; ja und ausgerechnet dann die so auf das Perverse verberlinerierten Feldwebel-Passagen - Schönberg hatte "seinen" Text nach Augenzeugen-Aussagen, obgleich aus zweiter Hand, höchstselbst geschrieben - müssten (zwingend!) durch den Hörer sprachlich aufzunehmen/aufnehmbar sein - - eine irgendwie geartete Katharsis geht ansonsten völlig flöten...

Danach gab es dem Strawinsky seine populäre Psalmensinfonie - auch hier wieder (und jetzt mit Damen, also vollzählig) der Rundfunkchor Berlin als der Vokalausführende; er hatte sowieso hiermit schon vor paar Jahren einen Grammy eingeheimst. Und das Zusammenwirken mit den Musikern aus Amsterdam gestaltete sich ebenso genial wie seinerzeit mit den Berliner Philharmonikern...

Im zweiten Teil dann - nach der Pause - die zwei eigentlichen "Reißer" des Konzerts: Barbers wehleidig schönes und zu garantierten Tränen provozierendes Adagio und Varèses großorchestriges Amériques!!

Beim Ersteren (Adagio) fällt mir nur das Eine ein: Wie ist es möglich, so was Schönes je auf Notenblätter aufgedruckt zu haben? Dieses Stückchen ist verbietenswert! / Die Streicher des Concertgebouw sind - ich war Live-Zeuge - absolut gefährliche Verführer; Jansons hatte Alles übrigens total entkitscht, allein vom Tempo her gewann es so (noch mehr) an Suggestivität...

Das Zweitere (Amériques) gleicht einer unzuüberbietenden, vom Komponisten aufs Banaleste gesetzten Material-Schlacht; 142 Musiker bevorschrieb seine Partitur - konkret für eine sogenannte Erst- bzw. Urfassung des halbstündigen Klanggewebes aus den Jahren 1918-1920. Der Varèse war ja Wandler zwischen Alter und Neuer Welt; in Frankreich geboren, in Deutschland kurz Station gemacht, in die USA ausgewandert und dortselbst bis ultimo gelebt - er war also bis hoch zur Halskrause mit (europäischen) Eindrücken jeglicher Art gesättigt, und das mischte er dann in sein (USA-amerikanisches) Gewalt-Opus mit rein. / Die Amsterdamer hatten sichtlich Freude an dem allerputzigst klingenden und ziemlich laut-scheppernden Stück...

Tosende Begeisterung.


a. so. - 4. September 2012
ID 00000006191
MUSIKFEST BERLIN 2012 (Philharmonie, 04.09.2012)
Schönberg: A Survivor from Warsaw op. 46 für Sprecher, Männerchor und Orchester
Strawinsky: Symphonie des Psaumes für Chor und Orchester
Barber: Adagio für Streichorchester
Verèse: Amériques für großes Orchester (Urfassung)
Sergei Leiferkus, Sprecher
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Simon Halsey)
Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam
Dirigent: Mariss Jansons


Weitere Infos siehe auch: http://www.concertgebouworkest.nl


MUSIKFEST BERLIN 2012 (10. September)
BBC Symphony Orchestra / John Adams


MUSIKFEST BERLIN 2012 (8. September)
Berliner Philharmoniker / Ingo Metzmacher


MUSIKFEST BERLIN 2012 (6. September)
London Symphony Orchestra / Michael Tilson Thomas


MUSIKFEST BERLIN 2012 (5. September)
St. Louis Symphony / David Robertson


MUSIKFEST BERLIN 2012 (2. September)
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg / Sylvain Cambreling


MUSIKFEST BERLIN 2012 (31. August)
Mahler Chamber Orchestra / Kent Nagano



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