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Konzertkritik

9. / 14. / 20. Februar 2010 | Berliner Philharmoniker

Mitsuko Uchida spielt Beethoven-Klavierkonzerte



Mitsuko Uchida und Sir Simon Rattle nach einem der Auftritte mit Beethovens Klavierkonzerten - Foto (C) http://www.berliner-philharmoniker.de


Götz Teutsch machte 'ne schöne Einführung in das Konzert von den Berliner Philharmonikern am Sonnabend, den 20. Februar 2010, und Mitsuko Uchida war (bestimmt) das zwölfte Mal am Steinway zu besichtigen gewesen, wo sie jetzt die fünf Klavierkonzerte Beethovens in Folge aufführte, und beide - Simon Rattle & Uchida - lagen sich danach, als sie das Podium verließen, glücklich in den Armen... alle(s) passte gut zusammen!!!

"Götz Teutsch wurde 1941 in Hermannstadt (Rumänien) geboren und ist der letzte noch übriggebliebene Cellist der Gründungsmitglieder der "12". Er studierte in Bukarest bei D. Dinicu und Radu Aldulescu und vervollständigte seine Studien bei Enrico Mainardi und Karl Richter. Er war Solocellist im Radio-Sinfonieorchester in Bukarest und wurde 1970 Mitglied der Berliner Philharmoniker. Seit 1976 ist er Solocellist. Als Solist spielte er mit dem BPhO Cellokonzerte von Schönberg, Hindemith und Schostakowitsch. In den letzten Jahren beschäftigt er sich intensiv mit alter Musik und studierte Viola da Gamba und Barockcello, was zu einer engen Zusammenarbeit mit Maria Cristina Kiehr, Konrad Junghänel, Gerhart Darmstadt u.a. führte. Seit 2006 ist er nicht mehr bei den Berliner Philharmonikern tätig und widmet sich seither verstärkt dem Unterrichten und dem Gambenspiel." (http://www.cellist.nl)

Ich fragte eine der in Himmelblau und Gelb gekleideten BP-Hostessen, wer das denn gewesen wäre, der die schöne Einführung im Großen Saale im Scharounbau machte, und sie klärte mich dann auf, es wäre der Götz Teutsch gewesen, ob ich denn nicht den Götz Teutsch von früher kennen würde, denn der wäre doch, also noch unter Karajan, am Cellopult gesessen; und sie zeigte mir dann eine Liste, worauf paar Berliner Philharmoniker zu lesen waren, die dann hin und wieder selbst Konzerteinführungen gestalten würden usw. usf. // Welch' schöne interfamiliäre Tradition; dass ich das bis zuletzt von mir aus noch nicht checkte, dass es diese schöne interfamiliäre Tradition, ja schon seit Ewigkeiten, gibt - ist ein Skandal an sich! /// Auf jeden Fall erklärte mir und ein paar Hunderten sehr wissbegierigen Konzertbesuchern der Götz Teutsch vor dem Beginn dieses Konzertes, was wir so erwarten würden: Ligeti, Beethoven und Sibelius; und er sagte zweimal, mindestens, "verschließen Sie die Ohren nicht vor Ligeti" (von jenem kam dann später seine 10minütige und sehr an Kubricks SHINING wohl "gemahnende" San Francisco Polyphony); und er erläuterte zudem die fassungslosen Schönheiten von Beethovens 4. Klavierkonzert; und er begeisterte im Voraus für Sibelius populärste 2. Sinfonie und streute noch die hübsche Anekdote bei, dass einmal, als er als Cellist mit den Berliner Philharmonikern und Karajan in Helsinki gastierte, die Besucher der Finllandia-Halle (also alle!!!) wie so eine Art Hab-Acht-Block sich erhoben, als als Zugabe Finlandia gereicht wurde etc. pp.
Mitsuko Uchida ist sensationell!!!!! (Wie ich sie später- in der Pause im Foyer - beim Autogrammegeben und Smalltalken so erlebte, stellte ich verblüfft dieses so "Überreife", Intellektuelle, Höflich-Distanzierte an und bei ihr fest; sie war jetzt auch in edel-unauffällig schwarzem Dress, ja und ich wollte mich schon mit "Ich danke Ihnen, Frau Professor, für den zauberhaften Abend!" aus dem Staube machen, was ich dann auch tat...) Also: Der Künstler ist der Künstler auf der Bühne und/oder dem Podium, das ist eine eingeschlossene und auch umzäumte Welt für sich; das muss man hin und wieder auch mal sagen; so bewusst und jetzt erlebt durch sie - Uchida!!! / Drei mal hatte ich sie jetzt in live mit Beethoven erleben können; ihren ersten Auftritt (Klavierkonzert Nr. 1) vertriefte ich, ich hatte den Termin zu spät entdeckt... So blieben also die Klavierkonzerte 2, 3, 4, 5 in markantester Erinnerung, die sich einem Konzertbesucher je vermitteln könnte!!!! Die Uchida machte ihren Auftritt als Mitsuko - - und versteht jetzt wer den Sinn der Formulierung? nein?? Also: Sie sitzt zum Beispiel, wenn sie jedesmal "pausiert" (wenn das Orchester solo spielt), so kerzengrade wie ein gut erzognes Kind, verschränkt die Arme, blickt den konzentriertesten der Blicke, den man sich nur denken kann, zu Simon Rattle hin, wartet die vorsichtigste Geste dieses Dirigenten - und mit Simon Rattle kann sie einfach, das sieht jeder!!! - ab, um folglich dann aus sich/mit sich/bei sich zu sein... dann prescht und knallt sie, wenn es angebracht ist, wie ein kleiner cooler Junge in die Tasten, und sie macht dem Kasten fast den Garaus und... an andren (leisen und sensiblen) Stellen: Schließt sie ihre Augen, und die Augendeckel beben zärtlich, und sie scheint mit zuen Augen noch zu zwinkern; sie wirkt angespannt am ganzen Körper, legt sich rein ins süße Himmelreich und flüstert merklich (und sie merkt in diesen Augenblicken freilich nicht, dass wir, die Gaffer um sie her, es merken) irgend etwas sehr Geheimnisvolles, es sieht aus wie ein Gebet... und was erklingt durch sie, ist WUNDERHAFTES durch und durch; es fehlen mir die Worte, und ich habe so etwas noch nie erlebt!!!!!

Sir Simon tat die fünf Klavierkonzerte Beethovens auch je mit 'ner Sibelius-Sinfonie verkoppeln. Und er dirigierte (2. Sinfonie) aus dem Gedächtnis. Das Herangehen ist alles andere als "finnisch". Aus der Tausend-Seen-Welt macht Rattle eine zugefrorne Winter-Eis-Landschaft, durch die er dann mit dem Orchester wie ein Eisbrecher sich seinen "unfinnischen" Weg zum Ziele bricht. Und es fehlt viel von diesem Einsamen, was die Musik Sibelius' uns vermittelt oder zu vermitteln mag... Obgleich er dem Orchester Stellen abzuringen in der Lage ist, wo man bei sich so denkt: Ja, ist es möglich! kann Musik denn wirklich noch perfekter dargeboten sein!! / Die Schlüsse (insbesondere der Schluss der 2. Sinfonie) sind so gewaltig und vermessen, dass sich der Naturschutz ernstlich Sorgen machen sollte um die fortlebige Existenz des süßen kleinen Schneemausrattenhamsters Tuulu, der so vor Angst und Schrecken, seit der Drohklang Rattles bis ins Hochfinnische drang, nicht mehr gesichtet worden war.

Hyperbegeisterungen.


Andre Sokolowski - 21. Februar 2010
ID 00000004564
http://www.andre-sokolowski.de

BERLINER PHILHARMONIKER | MITSUKO UCHIDA

09.02.2010:
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19
Sibelius: Symphonie Nr. 3 C-Dur op. 52
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

14.02.2010:
György Kurtág: Grabstein für Stephan op. 15c
Sibelius: Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73

20.02.2010:
György Ligeti: San Francisco Polyphony
Beethoven: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58
Sibelius: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Mitsuko Uchida, Klavier
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Sir Simon Rattle

Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de




 

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