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Die erste Tournee des Social-Media-Stars Laura Nahr


Das ist Laura Nahr. | Foto (Detail): Max-Peter Heyne



Die 25-jährige Nachwuchskünstlerin Laura Nahr gehört zu jener Generation, die für ihr Wirken und ihre Bekanntheit auf Fernseh- oder Rundfunkauftritte nicht mehr angewiesen ist. Entsprechend hat sie in den vergangenen drei bis vier Jahren die Social-Media-Kanäle Instagram, TikTok und YouTube dazu genutzt, um sich eine Basis von Followern bzw. Fans und damit eine gewissen Berühmtheitsgrad aufzubauen. Auch in sehr kurzen Clips war ihr Talent als Songkomponistin und Sängerin unzweifelhaft zu erkennen bzw. zu er-hören. Dass Nahrs frühen digitalen Auftritte oft einen spielerischen, unernsten Eindruck erweckten, als würde ein begabter Laie auf gut Glück Lieder aus dem Ärmel schütteln, schien – frei nach Marshall McLuhans Motto „The Medium is the message“ – eher dem flüchtigen Charakter des Contents geschuldet als ihrer Ambitionslosigkeit. Bei Nahrs Auftritten vor dem heimischen Smartphone – mal mit Gitarre, mal mit elektronischem Klavier – fallen neben der lebenslustigen Ausstrahlung und dem breiten Lächeln vor allem zwei Aspekte auf: ihre helltönende, manchmal ins charmant Quietschige überspringende Kopfstimme und die sehr authentischen, lyrisch aufgewerteten Texte über das Leben als zeitgenössischer Twen. Nahrs originelle Stimmlagewechsel verpassen dort den vielen dargebotenen Coverversionen einen reizvollen, individuellen Touch.

Bei der von Nahr selbstorganisierten kleinen Tournee durch Deutschland zusammen mit zwei ebenfalls sehr begabten Begleitmusikern gerieten beide Aspekte zugunsten eines fetzigen Rock`n`Roll-Tunings leider in den Hintergrund, heißt: waren schwer wahrzunehmen. Natürlich war zu erwarten, dass Nahrs Liveauftritte einen anderen Charakter haben würden als in ihren Videos. Der große Unterschied überraschte dann aber doch – selbst dann, wenn man ihren Auftritt beim Vorentscheid für den deutschen Beitrag beim European Song Contest gesehen hatte. Im Übrigen war dessen optische und akustische Askese eigenen Angaben zufolge so nicht geplant, sondern offensichtlich die fetzigere Variante, die vermutlich aber auch nicht Nahrs eigentliche Stärken adäquat vermittelt hätte.

In der analogen Welt präsentierte sich die aus Magdeburg stammende, junge Musikerin mit der engelhaften Erscheinung im Gegensatz zu ihren Auftritten in den Sozialen Medien jedenfalls als ungewohnt rockiges Trio. Nahr und ihre beiden Multiinstrumentalisten gaben meist richtig Stoff, was durch ein saftiges Overtuning noch verstärkt wurde, sodass Nahrs Kennzeichen, die abwechselnd warme und nervöse Stimme leider nur sporadisch bzw. bei den ruhigeren Stücken zur Geltung kam. Dafür werden die Follower & Fans mit einem fetzigen Auftritt bedient, der statt besinnlichem Gesang eher auf druckvolle Rhythmen setzt.

(In Berlin gab es zudem ein in den Ankündigungen ungeschlagenes Vorprogramm namens Mira Taylor, deren Songs weniger variantenreich ausfielen, aber deren gesanglich-hauchige Eigenheiten besser auszumachen waren. Und es gab einen Gastauftritt des Hiphoppers BELA, der ebenso wie Laura Nahr ein (gescheiterter) Kandidat für die deutsche Vertretung beim nächsten European Song Contest war, dessen Talent aber ebenso unzweifelhaft ist.)

Laura Nahrs eigener Song Wonderland ist zwar eingängig und hat Mitsing-Potential, war aber für den Kandidaten-Contest vor einigen Wochen die falsche Wahl. Sie hätte sich auf etwas Balladenhafteres verlassen sollen, mit dem sie ihre Ausstrahlung und ihr Stimmpotential besser hätte vermitteln können. Ob sie sich als Social-Media-Star überhaupt in künstlerischer Hinsicht beraten lässt, ist unklar. Generell bleibt nach ihren durchaus beeindruckenden Tour-Auftritten festzuhalten, dass die noch immer mädchenhaft wirkende Sängerin generell nicht für riesige Hallen prädestiniert ist, sondern dass sich ihr Improvisations- bzw. Stegreiftalent und ihre originelle Stimme eher im kleinen und mittleren Rahmen entfalten.



Laura Nahr bei ihrem ersten Live-Auftritt in einem Berliner Privatclub am 7. April 2026
Foto: Max-Peter Heyne

Max-Peter Heyne - 8. Mai 2026
ID 15843
https://www.lauranahr.com


Post an Max-Peter Heyne

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