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Bei der Zugabe mit Zoltán Kodály (Duo für Violine und Cello op. 7) flogen dem Geschwisterpaar Christian & Tanja Tetzlaff dessen Noten justament vom Pult - paar Mitglieder der Staatskapelle sprangen geistesgegenwärtig auf und sammelten die Blätter rasch zusammen; und die Tetzlaffs spielten zwischenzeitlich ohne Noten weiter





Das (s. o.) war der schöne Aufreger, kurz vor der Pause, und nachdem die beiden großartigen Instrumentalisten Brahms' letztes Orchesterkonzert (das Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102) im Konzerthaus am Gendarmenmarkt gespielt hatten - was eine Doppelwonne schon an sich gewesen war!! Das hat schon was, wenn zwei Geschwister - noch dazu wenn jeder außerdem "für sich" als Star auf seinem Instrument gehandelt wird - so dicht und miteinander musizieren. Es ist ein so ganz besonders offensichtlich-starkes Miteinandertun und Miteinanderatmen; und nicht nur der Hörer, nein, auch der Betrachter kann sich diesem Faszinosum schwer entziehen...

*

Michael Gielen - den die Staatskapelle Berlin ja schon sooft und gern und sichtlich mögend vor sich stehen hatte und auch immer wieder stehen hat - verband und/oder kombinierte diesmal zwei an sich sehr unvereinbar scheinende Kompositionen Schuberts (Rosamunde) sowie Weberns (Orchesterstücke op. 6):

Die eigentlich landauf-landab und bis zum Abwinken heruntergenudelten Nummern aus der Schubert'schen Schauspielmusik um die Fürstin von Zypern erhielten - mittels dieser Unter- und Vermischung mit den Webern'schen Orchesterstück(ch)en - eine plötzliche und durch den Gielen konzentriert-erhärtende Bedeutung; liest man nämlich Weberns Kurzbeschreibungen seiner 6 Stücke, wird sofort und rückschlüssig plausibel, dass es sich in Rosamunde um nichts Anderes als beispielsweise "die Erwartung eines Unheils", "die Gewissheit von dessen Erfüllung", "die zarteste Gegensätzlichkeit" oder "Erinnerung und Ergebung" (Webern über die Orchesterstücke op. 6) dreht.

Ein angespannt und aufmerksam lauschendes Publikum quittierte Gielens Einfall mit sehr starkem Beifall.

a. so. - 26. November 2011
ID 00000005500
STAATSKAPELLE BERLIN (Konzerthaus Berlin, 25.11.2011)
Brahms: Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102
Schubert: Vier Stücke aus »Rosamunde« in einer Montage mit
Anton von Webern: Orchesterstücke op. 6
(Bearbeitung: Michael Gielen)
Christian Tetzlaff, Violine
Tanja Tetzlaff, Violoncello
Staatskapelle Berlin
Dirigent: Michael Gielen


Siehe auch:
http://www.staatskapelle-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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