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Feuilleton

Ein Abend mit Thomas Quasthoff, Michael Volle und Helmut Deutsch





Im Januar d. J. verkündete der Bariton Thomas Quasthoff das Ende seiner sängerischer Karriere; gesundheitliche Gründe gab er an. Das überraschte weltweit, und es brachte den Konzertkalender vieler internationaler Häuser völlig durcheinander. Mit ihm rechneten - auf Jahre und Jahrzehnte hin - Kollegen, Dirigenten und Veranstalter. Seine Vakanz auf dem Gebiet des Liedgesangs im ganz Besonderen empfindet sich im Nachhinein - und also jetzt - wie eine tiefe Wunde, die wohl schwer und noch viel unmöglicher "adäquat" geschlossen werden könnte... Das letzte Mal, dass ich ihn diesbezüglich live erlebte, war vielleicht vor knapp zwei Jahren, als er Schuberts Die schöne Müllerin (mit Daniel Barenboim am Klavier) in einer Matinee gesungen hatte. Nie im Traume hätte ich mir vorgestellt, dass es - zumindestens für mich - das allerletzte Mal gewesen war.

Jetzt ist er im Berliner Konzerthaus - wo er im Übrigen eine Talkreihe ("Thomas Quasthoffs Nachtgespräch") hat - als der rezitierende Sprecher von Romanauszügen Ludwig Tiecks in Erscheinung getreten. Selbige stammen aus Die schöne Magelone, und zu der hatte bekanntlich Brahms zu seiner Zeit ein Bündel Lieder komponiert; die wiederum haben an diesem Abend Michael Volle (Bariton) und Helmut Deutsch (Klavier) zum Besten gegeben; und eigentlich hätte sie Quasthoff singen sollen, als der Plan mit diesem Liederabend ausgeheckt gewesen war...

Die 15 Brahmslieder werden zumeist mit Tieck-Zitaten aus dem gleichnamigen Schöne Magelone-Roman, quasi zyklisch, dargebracht. Das ist dann jedes Mal sowohl eine Herausforderung für den Sänger und den Pianisten als auch für den Rezitator. Und der künstlerische Anspruch greift schon derart hoch, dass es sehr schnell passieren kann - wenn man z. B. über keinen "echten" Schauspieler verfügt - , dass dann beim bloßen Hören (des Gesprochenen) leichtes Ermüden droht. Die Texte sind betulich, und es bräuchte also dringend Jemanden, der diesem Anachronismus außer mit schauspielerischer Intelligenz auch noch mit Ironie und Witz begegnet; zudem müsste eine Auswahl getroffen werden, die vor allem quantitativ ein gewisses Höchstmaß nicht zu überbieten sich ermächtigt.

Alles Das (Schauspieler und Textauswähler, also Dramaturg) ist Thomas Quasthoff freilich nicht; das weiß er sicher auch. Nichts desto Trotz gelingen ihm possierliche Momente seines Vortrags, wenn er beispielsweise mit verteilten Rollen (Magelone, Amme) liest und dabei seine Stimme arg verfremdet.

Volle/Deutsch machen, vom Musikalischen her, ihre Sache angemessen gut. Sie sind als Duo keinesfalls geniestreichmäßig im Verdacht. Solide halt, mehr nicht.

[Zum Vergleich empfehlen wir eine ziemlich alte ETERNA-Aufnahme aus den 80ern, in der Peter Schreier singt und Wolfgang Heinz, jahrelanger Intendant und Schauspieler am Deutschen Theater Berlin, die Textpassagen spricht. Ein Fest an sich!!]

a. so. - 5. Mai 2012
ID 5911
DIE SCHÖNE MAGELONE (Konzerthaus Berlin, 04.05.2012)
Michael Volle, Bariton
Helmut Deutsch, Klavier
Thomas Quasthoff, Sprecher



Siehe auch:
http://www.konzerthaus.de





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