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Das klagende Lied mit den Berliner Philharmonikern, dem Rundfunkchor Berlin sowie Christine Schäfer, Iris Vermillion, Michael König, Markus Brück und 2 Solisten aus dem Tölzer Knabenchor

Dirigent: Vladimir Jurowski




Was für eine Entdeckung: Gustav Mahlers "Op. 1"! Er schuf Das klagende Lied als 18- bis 20jähriger. Ein chorsinfonisches Großwerk mit vollem Apparat, vielleicht noch etwas größer als bei Auferstehungssinfonie, ein bisschen kleiner freilich dann als Sinfonie der Tausend; auffällig zum Beispiel: die 6 Harfen, immerhin!

Der Text - von ihm (dem dichterischen Laien) selbst verfasst - ist sprachlich eine Katastrophe! (Aber in der Auferstehungssinfonie wurde es auch nicht großartiger oder besser - so "entwich" er dann, gottlob, wenigstens in der Sinfonie der Tausend zu dem O-Text aus Faust 2.) Also er hat hier aus zwei Märchen - Ludwig Bechstein's Das klagende Lied und Brüder Grimms Der singende Knochen - eine Art Synthese hergestellt; der Plot in etwa so:

Zwei Brüder, die auf Brautschau sind, begegnen einer männerhasserischen (Turandot-)Prinzessin, die als Aufgabe, damit man sie bezwingen könnte, eine Blume, die zu pflücken wäre, vorbestimmt; der jüngere der Brüder findet diese Blume in der Tat, der ältere der Brüder gönnt sie seinem Blutsverwandten nicht und wird zum Kain, der Abel tötet - also Kain und Abel auf Romantisch oder so... Aber der Mord kommt letztlich raus - ein Spielmann, der nach ein paar Jahren einen Knochen des Ermordeten im Walde findet und aus ihm sein neues Flöt'chen schnitzt, spielt letztlich auf am Hof des (Turandot-)Prinzessinnen-Eroberers... das Flöt'chen aus dem Knochen des Ermordeten beginnt zu singen, und es singt den ganzen Hergang der verwerflichen Geschichte - Kain ist so entlarvt, kapituliert; ja und das (Turandot-)Prinzessinnen-und-(Turandot-)Prinzessinnen-Eroberer-Schloss kracht in sich zusammen... Aus, vorbei!!

Mahler muss in dem Alter ein zum größten Kitsch neigendes Hochsensibelchen gewesen sein - diese Geschichte (Das klagende Lied) liest sich auf jeden Fall dann so. Aber - das Musikalische: Wow, sag' ich nur!!!!!

Also der ganze Mahler, wie er in den neun, zehn Sinfonien später nach und nach entstand und immer wieder "neu-alt" oder "alt-neu" war, ist in dem Klagenden Lied in seinen Ansätzen vorhanden; es gibt "Angerissenes", das er dann später (Auferstehungssinfonie zum Beispiel) fortentwickelte oder zum Abschluss brachte; aber richtiggehend fortentwickeln - wie wir nach dem Hören dieses anmaßenden Jünglingswerkes registrieren konnten - tat er sich im Eigentlichen dann wohl kaum oder auch nicht...

Der Russe Vladimir Jurowski - dem die zwei Strawinsky-Werke vor der Pause (s. u.) in der Aussage wohl nicht besonders lagen - hatte dann bei Mahler ein viel besseres und funktionierenderes Händchen; seine Art zu dirigieren schien dann schon perfekt und auf den Punkt gebracht. Man kriegt fürwahr nicht immer derart Voll-Synchronisches (mit großem Fernorchester, auch) geboten. / Der Sopran vom Tölzer Knabenchor - warum stehen die Namen von den Kindern meistens nie dabei?! - war eine engelgleiche Wonne. // Und Iris Vermillion mit ihrem textverständlich gut bis sehr gut deklamierenden sowie gestalterischen Contra-Alt fiel auch noch aus dem Rahmen. /// Dass der Rundfunkchor Berlin (Choreinstudierung: Simon Halsey) sich zu überbieten schien - notieren wir als Selbstverständlichkeit und registrieren's als Routine!

Bester Beitrag aus dem diesjährigen Jubiläums-Mahler-Zyklus!!


a. so. - 10. Juni 2011
ID 00000005239
BERLINER PHILHARMONIKER (Phiharmonie, 10.06.2011)
J. S. Bach: Choral-Variationen über Vom Himmel hoch da komm, ich her« (Bearbeitung für Chor und Orchester von Igor Strawinsky)
Strawinsky: Requiem Canticles für Soli, Chor und Orchester
Mahler: Das klagende Lied (dreisätzige Urfassung für Soli, gemischten Chor und Orchester)
Christine Schäfer, Sopran
Iris Vermillion, Alt
Michael König, Tenor
Markus Brück, Bariton
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Simon Halsey)
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Vladimir Jurowski



Siehe auch:
http://www.berliner-philharmoniker.de


http://www.andre-sokolowski.de



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