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Feuilleton


Prokofjews Musik zu Eisensteins Alexander Newski



"Russland im Jahr 1242: Teile des Landes sind von Mongolen besetzt, und aus dem Westen nähert sich Nowgorod eine weitere Bedrohung. Eine Streitmacht des Deutschen Ordens und des mit ihm vereinigten Schwertbrüderordens hat bereits die strategisch wichtige Stadt Pskow eingenommen, in der die Invasoren mit äußerster Brutalität regieren. Nun schlägt die Stunde für den Nowgoroder Fürsten Alexander Jaroslawitsch Newski. Zunächst gelingt es ihm, den Kampfeswillen und das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Landsleute zu stärken und Siegeszuversicht zu verbreiten. Entscheidende Bedeutung hat schließlich die Schlacht auf dem Peipussee. Unter der Führung Newskis werden die Truppen der Ordensritter auf den zugefrorenen See gelockt und dann dort vernichtend geschlagen. Newski wird zum Schluss des Films begeistert gefeiert." (s. Wikipedia)

So geht die Filmhandlung von Sergej Eisensteins Alexander Newski (1938). Doktrinäre Absicht dieses staatspolitisch gesponserten Streifens war, "eine Abneigung gegenüber Deutschland zu schüren: Dementsprechend ist beim Kostümbild die Charakterisierung der gegnerischen Ordensritter ausgefallen, die vor keiner Gräueltat zurückschrecken. Angedeutete Hakenkreuze an der Mitra des Bischofs sowie an deutsche Stahlhelme erinnernde Helme der Fußknechte tragen zur antideutschen Grundhaltung bei. Als Helmzier eines Topfhelmes wird unter anderem auch die zum Hitlergruß ausgestreckte Hand verwendet, die in einer Kampfszene symbolträchtig mit dem erschlagenen Deutschordensritter zu Boden stürzt." (dto. s. o.) Absurd scheinende geschichtliche Fußnote: Neun Monate nach seiner Uraufführung durfte Alexander Newski nicht mehr in den Kinos gezeigt werden, weil der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. 8. 1939 das außenpolitisch nicht mehr hätte vertreten lassen...

Die Musik zu diesem filmkünstlerischen Meister- als wie propagandistischen Machwerk schrieb Sergej Prokofjew - er machte (aus der Filmmusik) etwas später eine 40minütige Kantate; diese hätte sich - lt. dem Programmheft vom DSO - "im internationalen Konzertleben bald (durchgesetzt)".

Der designierte DSO-Chefdirigent, der in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas geborene Tugan Sokhiev, bestückte den gestrigen Konzertabend des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin mit selbiger Prokofjew-Kantate sowie der 4. Sinfonie von Schostakowitsch. Und die beiden Darbietungen legten exemplarisch und sehr zuversichtlich Zeugnis ab, in welchem ausgezeichneten wie ausnahmsvollen Leistungsstand sich dieser Klangköper ganz aktuell befindet, trotz dass er seit über einer Spielzeit quasi "kopflos" arbeitet; Metzmacher - wir erinnern uns - schmiss seiner Zeit den Brocken einfach hin.

Der Rundfunkchor Berlin (Choreinstudierung: Michael Gläser) - ein gesangskünstlerisches Bollwerk an sich - vermittelte den allerstärksten Eindruck dessen, wie (akustisch) "einschüchternd" allein die Massenszenen dieses merkwürdigen Films auf seine Zuschauer und Zuhörer schon in den 40ern herniederprasseln sollten - dass ein Mitlesen des von Enns Fried ins Deutsche übersetzten Textes von Lugawski und Prokofjew (!) heutzutage fast schon Würgezustände erzeugt, kann sicherlich nicht nur geschmäcklerisch begründet sein.

Der atemberaubende Schocker des Abends: die in Warschau geborene Kontraaltistin Eva Podleś. Sie sang den Quasi-Mütterchen-Russland-Teil, überschrieben mit 'Das Totenfeld'. Und plötzlich also öffnet sich die Tür links vom Orchesterpodium, und eine wie von Krieg und Leid gezeichnete als wie gebeugte Frau bewegt sich, angestrengt und schleppend, bis vors Dirigentenpult... Dann schaut sie traurig, lange in den Saal... Dann singt sie ihren erzröhrenden Part... Das Alles war und ist so völlig unerwartet; und die Leute scheinen nicht mehr Luft holen zu wollen. Ein Ereignis, was im Nachhinein als Sternstunde der Menschheit festzuhalten zwingend wäre, so doch (trotz der Formulierungsabsicht) ohne jedes Beispiel bleibt... / Anhaltend Gänsehaut... // Der Saal, der tobte!!!




Eva Podlés - fotografiert von (C) Eva Guillamet


Andre Sokolowski - 3. März 2012
ID 00000005795
DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER BERLIN (Philharmonie, 02.03.2012)
Prokofjew: Alexander Newski, Kantate für Mezzosopran, gemischten Chor und Orchester op. 78
Schostakowitsch: Symphonie Nr. 4 c-Moll op. 43
Ewa Podleś, Alt
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Michael Gläser)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Dirigent: Tugan Sokhiev


Weitere Infos siehe auch: http://www.dso-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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