Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Feuilleton

musikfest berlin 2010 (17. September)

Berliner Philharmoniker / Drigent: Pierre Boulez



Alte Liebe rostet nicht

"Boulez, der Komponist. Boulez, der Interpret. »Ich wage die Behauptung, dass noch nie in der Geschichte der Musik ein Künstler derart gleich bedeutend in den Bereichen der Kreation und der Interpretation tätig war. Wobei es auf die spezifische Differenzierung der Interpretation ankommt: in schriftstellerische, dirigentische, pädagogische, organisatorisch-musikpolitische Aktivitäten, deren Aufzählung nahezu eine nähere Bestimmung der interpretierenden Kreativität überhaupt entwirft.« (Wolfgang Rihm) Der Interpret Pierre Boulez wählte die Werke für dieses Konzert selbst aus. Das Programm ist im ursprünglichen Wortsinn seine Komposition. … explosante-fixe … komponierte er im Gedenken an Igor Strawinsky, so wie dieser seine Bläsersymphonien dem Gedenken an Claude Debussy widmete. Und so, wie Strawinsky Debussy ehrte, indem er Anspielungen auf dessen Musik versteckt hielt, so bleiben in … explosante-fixe … die Bezüge zu Strawinsky und seinen Bläsersymphonien unter der Oberfläche des unmittelbaren Höreindrucks. Kryptogramme gleichsam.

Boulez wählte Strawinskys
Nachtigall, und zwar die ganze Ballettmusik. Mehrere Materialschichten greifen hier ineinander: alte russische Gesänge, Signale einer neuen Tonsprache, klangliche Härtungen und ein Kolorit der Ferne, zu dem auch ein bisweilen schwebendes Zeitempfinden gehört. In der Fabel, die in China spielt, geht es unter anderem um den leibhaftigen Gesang und den mechanischen, den Apparaturen hervorbringen – ein Verhältnis, über das mit Hans Christian Andersens Märchen, der Grundlage der Balletthandlung, nicht das letztgültige Wort gesprochen ist." (Aus http://www.musikfest-berlin.de)

*


Das lässt sich Pierre Boulez nicht nehmen. Als 17-Jähriger hört er Strawinskys Le Chant du rossignol, ist verblüfft über "diese Mischung aus Überraschtsein, Befremdetsein und Angezogensein" und verliebt sich unsterblich in diese Musik. 1991 spielt Boulez mit dem BBC Symphony Orchestra die gesamte Oper ein, später legt er - dann mit dem Cleveland Orchestra - die symphonische Dichtung (die auf dem zweiten und dritten Akt der Oper basiert) nach. Beide Aufnahmen gelten jeweils als Referenz. Mag Boulez mittlerweile auch die 85 überschritten haben: diese Liebe hält bis heute an. Unter seinem Dirigat sind die Berliner Philharmoniker unumstrittener Star des Abends: Sie strahlen bis in den hintersten Winkel dieser verführerisch-undurchsichtigen Partitur - kongeniale Technik inklusive.

Barbara Hannigans Nachtigall schwebt sicher in stratosphärischer Höhe und es mangelt ihrem Gesang weder an stupender Koloratur noch an Charme. Doch an die farbliche Vielfalt einer Natalie Dessay, an die Leuchtkraft einer Phyllis Bryn-Julson reicht ihr Sopran nicht ganz heran. Der für Ian Bostridge eingesprungene Edgaras Montvidas arbeitet mit zu viel Nachdruck, so dass sein Fischer mehr angestrengt als lyrisch klingt. Auch den Kaiser von China kann man sich schönstimmiger vorstellen: Roman Trekel schleift seine Töne immer wieder von unten an, singt zu vibratolastig. Dagegen gefallen ein stattlicher Georg Zeppenfeld, ein viel zu unterforderter Peter Rose und erst recht eine nachtdunkel timbrierte Julia Faylenbogen. Vergleicht man diese Nachtigall mit dem im ersten Teil dargebotenen, erst vor 17 Jahren uraufgeführten … explosante-fixe … ist festzustellen: Das Werk von Boulez hört sich schon heute auf eine merkwürdige Weise altmodisch an.

Heiko Schon - red. 18. September 2010
ID 00000004835
MUSIKFEST BERLIN (17.09.2010, Philharmonie)
Boulez: … explosante-fixe …für Flöte mit Live-Elektronik, 2 Flöten und Ensemble [1991/93]
Strawinsky: Le Rossignol
Emmanuel Pahud, Flöte (auch MIDI-Flöte)
Marion Ralincourt, Flöte
Sophie Cherrier, Flöte
IRCAM Paris, Klangregie
Barbara Hannigan, Sopran
Stephanie Weiss, Mezzosopran
Julia Faylenbogen, Alt
Edgaras Montvidas, Tenor
Roman Trekel, Bariton
Georg Zeppenfeld, Bass
Peter Rose, Bass
Jan Remmers, Tenor (aus dem Chor)
Wolfram Tessmer, Bass (aus dem Chor)
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Simon Halsey)
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Pierre Boulez


Siehe auch:
http://www.musikfest-berlin.de





  Anzeigen:








MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

ARCHIV
Konzerte + Musiktheater

CASTORFOPERN

CD / DVD

FREIE SZENE

INTERVIEWS

LEUTE MIT MUSIK

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski




Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Impressum     Autorenverzeichnis     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2017 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de