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musikfest berlin 2010 (15. September)

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin / Dirigent: David Robertson



Spiel, Satz, Sieg

"Boulez’ Werk steht bedeutungsvoll in der Mitte. Es enthält Denkfiguren der beiden anderen Kompositionen. Double bezeichnet eine frühe Form der Variation, des Veränderns und Modifizierens eines musikalischen Gedankens. Boulez nimmt auf eine alte Komponierpraxis Bezug wie Bartók mit seinem Divertimento, und wie jener deutet er sie neu. Es bleibt die Idee der Materialverwandlung. Boulez lässt sie labyrinthische Wege durchlaufen. Er macht dies in der Sitzordnung sinnfällig, die das Orchester ganz anders als gewöhnlich gruppiert. In diesem Labyrinth entstehen springende, wirbelnde Bewegungen von eigentümlicher Faszination.

Dass das Orchester selbst zum Objekt der Klanginszenierung wird, entspricht guter französischer Tradition; Berlioz steht dafür, Ravel mit seiner unübertroffenen Instrumentierungskunst. Sie entspringt der anhaltenden Neugier nach Klangbildern, die zuvor noch keiner hörte. »Diese neuen Dinge können alter Herkunft sein, in anderen Fällen geographisch entfernten Kulturen angehören«. Für die spätantike Sage von
Daphnis und Chloé trifft beides zu. »Aber die Reize, die sie enthalten, sind für Ravel spürbar und in ihm fruchtbar gewesen … Wir wissen heute«, schreibt H. H. Stuckenschmidt 1966, »dass seine Musik, namentlich die orchestrale, viele Verwandtschaft mit außereuropäischer hat«. Von diesem Klangsinn, von dieser Haltung der Recherche, von Ravels Neugierflug in die musikalische Fremde führt eine direkte Verbindung zu Pierre Boulez." (Aus http://www.musikfest-berlin.de)

*


Was ist denn das? Auf der linken Seite des Podiums steht ein zum Warnschild umfunktionierter Notenständer. !→ ist ein eindringlicher Hinweis, doch bitte die kleinen Stufen, rechts, für den Abgang zu verwenden. Wahrscheinlich hat es schon unangenehme Landungen gegeben. Für David Robertson - von der Motorik her der Typ „Flitzebogen“ - mag das durchaus sinnvoll sein. Der Blickwinkel meines Platzes lässt aber noch eine ganz andere Möglichkeit zu. Da zeigt !→ direkt aufs Orchester. Und das passt an diesem Abend - verzeihen Sie bitte die saloppe Ausdrucksweise - wie Arsch auf Eimer!

Bei Bartóks Divertimento für Streichorchester vermitteln die zweiten Violinen durch ihr unterschwelliges Auf- und Abschwirren ein Gefühl von Suspense (2. Satz), schickt uns Konzertmeister Bernhard Hartog mit seiner Geige direkt in die Puszta (3. Satz), nimmt David Robertson mit seinem Zugriff „Divertimento“ (Vergnügen) beim Wort. Danach lässt es Boulez klingeln, kringeln und donnern: Das Deutsche Symphonie Orchester Berlin erteilt eine erstklassige Lehrstunde in seriellem Radau. Mit einem Bumm ist plötzlich Schluss - und das etwas ratlos dreinblickende Publikum wird in die Pause geschickt. Dann der Ravel. Bleiben auch klitzekleine, inhomogene Schludrigkeiten bei Cantus Domus und ensemberlino vocale nicht aus: Mit dem Tanz um Daphnis und Chloé landet der Abend endgültig in überirdischen Gefilden. Volltreffer!

Heiko Schon - red. 16. September 2010
ID 4830
MUSIKFEST BERLIN (Philharmonie, 15.09.2010)
Bartók: Divertimento für Streichorchester [1939]
Boulez: Figures – Doubles – Prismes für großes Orchester [1963, erweitert 1968]
Ravel: Daphnis et Chloé
Cantus Domus
(Choreinstudierung: Ralf Sochaczewsky)
Ensemberlino Vocale
(Choreinstudierung: Matthias Stoffels)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
David Robertson Leitung

Siehe auch:
http://www.musikfest-berlin.de





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